Baustromkasten

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Ein Baustromkasten, auch Baustromverteiler genannt, bringt Strom auf die Baustelle, bevor das Haus einen eigenen Anschluss hat. Er verteilt ihn auf Schuko- und CEE-Steckdosen, schützt jeden Stromkreis mit FI- und Leitungsschutzschaltern und steht wetterfest im Freien. Anschließen darf ihn nur eine Elektrofachkraft, beantragt wird der Baustrom beim Netzbetreiber.
Wozu ein Baustromkasten dient
Auf der Baustelle laufen Betonmischer, Kreissäge, Bohrhammer, Kompressor und Bautrockner, oft gleichzeitig, bei Regen und im Dreck. Eine Kabeltrommel aus dem Keller des Nachbarn ist dafür weder zulässig noch sicher. Der Baustromkasten stellt die nötigen Anschlüsse bereit, typischerweise mehrere 230-V-Schukosteckdosen und CEE-Steckdosen mit 400 V für Starkstromgeräte, und sichert sie gegen Überlast und Fehlerströme ab.
Kleine Verteiler werden auch im privaten Bereich genutzt, etwa in Werkstatt, Garten oder bei Festen, dann aber hinter einem vorhandenen Hausanschluss.
Anschlussschrank und Verteiler
Am Bau sind oft zwei Kästen zu unterscheiden:
- Der Baustromanschlussschrank mit Stromzähler. Er wird an das Netz des Versorgers angeschlossen, meist an einem Kabelverteiler an der Straße, und ist der offizielle Übergabepunkt.
- Der Baustromverteiler dahinter verteilt den Strom auf der Baustelle. Er kann in unmittelbarer Nähe der Arbeitsstelle stehen und ist über ein Gummischlauchkabel mit dem Anschlussschrank verbunden.
Bei kleineren Baustellen sind beide Funktionen in einem Kombischrank vereint.
Was drin sein muss
| FI-Schutzschalter (RCD) | Schaltet bei Fehlerströmen ab. Für Steckdosen auf Baustellen mit höchstens 30 mA Auslösestrom; für Geräte mit Frequenzumrichter oft als Typ B. |
| Leitungsschutzschalter | Sichern jede Steckdose oder Steckdosengruppe gegen Überlast und Kurzschluss. |
| CEE-Steckdosen | Rot für 400 V, meist 16 A oder 32 A, für Mischer, Kreissäge, Bautrockner. |
| Schukosteckdosen | 230 V für Handwerkzeuge, mit Klappdeckel. |
| Gehäuse | Mindestens IP44, schlagfest, abschließbar, mit standsicherem Fuß. |
Baustromverteiler werden nach der Norm DIN EN 61439-4 gebaut. Ein Verteiler ohne entsprechende Kennzeichnung gehört nicht auf eine Baustelle.
Baustrom beantragen
Zuständig ist der örtliche Netzbetreiber, nicht die Gemeinde. Den Antrag stellt in der Regel ein eingetragener Elektroinstallateur im Auftrag des Bauherrn; viele Netzbetreiber haben dafür Online-Formulare.
- Frühzeitig beantragen. Bis zur Freischaltung vergehen oft mehrere Wochen.
- Standort festlegen. Der Anschlussschrank muss erreichbar sein und in der Nähe des Netzanschlusses stehen.
- Elektrofachkraft beauftragen. Sie stellt den Schrank auf oder bringt einen gemieteten mit und meldet die Fertigstellung.
- Zähler setzen lassen. Der Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber schließt an und setzt den Zähler.
- Stromvertrag abschließen. Baustrom läuft über einen eigenen Liefervertrag, oft zu einem Sondertarif.
Kaufen oder mieten
Für einen Hausbau lohnt meist die Miete: Viele Elektrobetriebe und Baumaschinenverleiher vermieten Anschluss- und Verteilerschränke für die Bauzeit, einschließlich Aufstellung und Prüfung. Gekaufte Kleinverteiler für den privaten Gebrauch gibt es ab etwa 50 Euro, größere Geräte mit mehreren FI-Schaltern kosten mehrere hundert Euro, gut ausgestattete bis etwa 600 Euro.
Kosten des Baustroms
Neben Kauf oder Miete fallen Gebühren des Netzbetreibers für Anschluss und Zähler an, dazu die Arbeitsstunden der Elektrofachkraft und die verbrauchten Kilowattstunden. Je nach Region und Aufwand sind das einige hundert bis über tausend Euro für die Bauzeit, ohne Verbrauch. Wer den Hausanschluss früh fertigstellt, kann die Baustromphase verkürzen.
Sicher arbeiten mit Baustrom
- FI-Schalter testen. Die Prüftaste regelmäßig drücken, auf Baustellen üblicherweise arbeitstäglich. Löst er nicht aus, ist der Verteiler außer Betrieb zu nehmen.
- Geeignete Leitungen. Auf Baustellen sind Gummischlauchleitungen vom Typ H07RN-F üblich; PVC-Leitungen aus dem Haushalt werden bei Kälte spröde.
- Kabeltrommeln ganz abrollen. Aufgerollt erhitzen sie sich unter Last.
- Klappdeckel geschlossen halten und Stecker nicht in Pfützen liegen lassen.
- Nichts selbst reparieren. Beschädigte Kabel und Gehäuse gehören in die Hände der Elektrofachkraft.
Den richtigen Standort wählen
Der Verteiler sollte dort stehen, wo die meisten Geräte gebraucht werden, damit keine langen Kabel über die Baustelle laufen. Er braucht einen festen, ebenen Untergrund und darf nicht in einer Senke stehen, in der sich Regenwasser sammelt. Fahrwege von Bagger und Lkw bleiben frei, Kabel werden über Fahrwege nur mit Kabelbrücken geführt oder hoch aufgehängt. Nachts und am Wochenende wird der Kasten abgeschlossen – das schützt vor Stromdiebstahl und vor Kindern, die auf der Baustelle spielen.
Prüfungen
Baustromverteiler und ortsveränderliche Geräte auf Baustellen müssen regelmäßig geprüft werden, deutlich häufiger als im Haushalt. Maßgeblich sind die Vorgaben der Berufsgenossenschaft, etwa die DGUV Information 203-006. Bei gemieteten Verteilern kümmert sich in der Regel der Vermieter darum; das Prüfprotokoll sollte man sich zeigen lassen.
Nach dem Bau
Ist der Hausanschluss fertig, wird der Baustrom abgemeldet und der Zähler ausgebaut. Ein gekaufter Kleinverteiler kann im privaten Bereich weiter genutzt werden – für die Werkstatt, das Gartenhaus oder den Inverter-Stromerzeuger. Wie man den Verbrauch einzelner Geräte misst, steht unter Stromzähler für die Steckdose.
Häufige Fragen
Darf ich den Baustromkasten selbst anschließen?
Nein. Den Anschluss an das Netz des Versorgers darf nur eine eingetragene Elektrofachkraft vornehmen. Selbst einstecken dürfen Sie nur die Geräte.
Kann Baustrom an den normalen Hausstrom angeschlossen werden?
Hinter einem vorhandenen Hausanschluss kann ein Verteiler betrieben werden, etwa beim Umbau. Die Absicherung muss dann zur Leistung passen; das beurteilt die Elektrofachkraft.
Wer beantragt den Baustrom?
Der Bauherr, meist vertreten durch den Elektroinstallateur. Die Kosten trägt der Bauherr.


