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Heimwerker-Berater

Nietmutternzange

Werkzeugvon Christoph7 Min. · 11 Abschnitte
Nietmutternzange
Inhalt11 Abschnitte
  1. Was eine Nietmutter ist
  2. Bauformen der Nietmutter
  3. Größen und Bohrlöcher
  4. Welche Zange für welche Größe
  5. Wo Nietmuttern ihre Stärken ausspielen
  6. So setzen Sie eine Nietmutter mit der Gewindenietzange
  7. Typische Fehler
  8. Nietmutter oder Gewinde schneiden?
  9. Wo die Grenzen liegen
  10. Häufige Fragen
  11. Video zum Thema

Eine Nietmutternzange setzt ein Innengewinde in Material, das für ein eigenes Gewinde zu dünn ist: Blech, Rohr, Profil, Kunststoffplatte. Die Nietmutter wird von einer Seite eingesetzt und verpresst – die Rückseite muss man nicht erreichen. Genau das macht sie im Fahrzeug- und Wohnmobilausbau, im Metallbau und bei Blechverkleidungen so beliebt. Im Handel läuft dasselbe Werkzeug auch als Gewindenietzange, die Mutter als Blindnietmutter oder Gewindeniet.

Was eine Nietmutter ist

Eine Nietmutter ist eine kurze Hülse mit Innengewinde und einem Bund an einem Ende. Sie wird auf den Gewindedorn der Zange geschraubt und in ein Bohrloch gesteckt. Beim Zusammendrücken der Griffe zieht der Dorn das Gewinde nach vorn. Dabei staucht sich der dünnwandige Schaft hinter dem Blech zu einem Wulst und klemmt das Material zwischen Bund und Wulst fest. Danach wird der Dorn herausgedreht, und im Blech sitzt ein Gewinde, das sich beliebig oft verschrauben lässt.

Der Unterschied zum Blindniet: Der Blindniet verbindet zwei Teile dauerhaft. Die Nietmutter schafft einen Befestigungspunkt, an dem man später etwas an- und wieder abschrauben kann – eine Halterung, eine Abdeckung, einen Dachträger.

Bauformen der Nietmutter

  • Flachkopf mit breitem Bund: Standard, verteilt die Kraft gut und steht etwa 1 mm über.
  • Senkkopf: sitzt bündig in einer angesenkten Bohrung.
  • Kleiner Senkkopf oder reduzierter Kopf: fast flächenbündig ohne Ansenkung, braucht wenig Platz, hält aber etwas weniger.
  • Rundschaft, glatt oder gerändelt: Glatte Schäfte können sich bei hohem Anzugsmoment mitdrehen, der Rändel verhindert das.
  • Sechskantschaft: braucht ein Sechskantloch, ist dafür absolut verdrehsicher.
  • Offen oder geschlossen: Die geschlossene Ausführung ist unten dicht, sinnvoll bei Wasser oder Staub.

Gerändelte oder sechskantige Schäfte sind die bessere Wahl, wenn später oft geschraubt wird.

Beim Werkstoff gilt: verzinkter Stahl für die meisten Anwendungen, Edelstahl für außen und feuchte Bereiche, Aluminium für Aluminiumbleche und wenn wenig Setzkraft zur Verfügung steht. Aluminium setzt sich am leichtesten, hält aber am wenigsten.

Nietmutternzange mit Pressluft im Einsatz
Die Nietmutternzange mit Pressluft im Einsatz. | Foto: Kzenon / Depositphotos.com

Größen und Bohrlöcher

Nietmuttern gibt es meist von M3 bis M12. Das Bohrloch ist deutlich größer als das Gewinde, weil der Schaft der Mutter ja mit hinein muss. Für glatte Rundschaft-Muttern mit Flachkopf gelten häufig diese Werte:

GewindeBohrloch (typisch)Übliche Anwendung
M46,0 mmLeichte Abdeckungen, Kabelhalter
M57,0 mmVerkleidungen, Blenden
M69,0 mmMöbel im Wohnmobil, Halterungen
M811,0 mmDachträger, schwerere Anbauteile
M1013,0 mmMetallbau, hohe Lasten

Maßgeblich ist immer die Angabe des Herstellers, weil gerändelte und Sechskant-Muttern abweichende Löcher brauchen. Das Loch muss exakt passen: Ist es zu groß, dreht sich die Mutter mit oder wird durchgezogen; ist es zu klein, passt sie nicht hinein. Bohren Sie mit einem scharfen Bohrer und entgraten Sie das Loch auf beiden Seiten.

Außerdem hat jede Nietmutter einen Klemmbereich, etwa 0,5 bis 3 mm. Das Blech muss innerhalb der angegebenen Dicke liegen, sonst bildet sich der Stauchwulst nicht richtig. Die Angabe steht auf der Verpackung.

Welche Zange für welche Größe

BauartKraftTypische Gewinde
Kompakte Handzange (Einhandzange)geringM3 bis M6, vor allem Aluminium
Zweihandzange mit langen HebelnhochM5 bis M10, Stahl und Edelstahl
Scherenzange (Gelenkhebel)sehr hochbis M12, auch Edelstahl
Spindelgerät mit Schraubenschlüsselsehr hoch, langsameinzelne große Muttern
Akku- oder DruckluftgerätmaschinellSerienarbeit

Die kompakte Handzange ist handlich, bei Edelstahl aber schnell am Ende. Hebelzangen brauchen Platz zum Öffnen der Arme. Die pneumatische Nietmutternzange verlangt einen Kompressor mit ausreichend Luftleistung, das Akku-Gerät arbeitet schnell und einhändig und lohnt bei regelmäßiger Arbeit. Für den gelegentlichen Einsatz bis M8 in Stahl ist eine Zweihandzange mit langen Hebeln die richtige Wahl. Wer mit dem Akkuschrauber arbeiten will, findet Alternativen beim Nietaufsatz für den Akkuschrauber.

In vielen Sets liegen Dorne und Mundstücke für mehrere Größen bei. Achten Sie darauf, dass Dorn und Mundstück zur Mutter passen – ein zu kurzer Dorn greift nicht genug Gewindegänge und reißt aus.

Wo Nietmuttern ihre Stärken ausspielen

Überall, wo nur eine Seite zugänglich ist und ein Gewinde gebraucht wird, sind Nietmuttern die einfachste Lösung:

  • Fahrzeug-, Wohnmobil- und Bootsausbau. Im Kastenwagen halten sie Möbel, Kabelkanäle und Solarhalter an der dünnen Karosserie, ohne dass hinter jedes Blech eine Mutter gefummelt werden muss. Dazu kommen Anbauteile an Rahmen und Anhänger.
  • Metallbau. Sie sitzen in Vierkant- und Rundrohren von Geländern und Regalen.
  • Möbel und Ladenbau. Gewinde in Aluminiumprofilen.
  • Gehäuse, Schaltschränke, Lüftungskanäle und Blechverkleidungen. Hier ersetzen sie Blechschrauben, die sich nach dem dritten Öffnen ausleiern.

Der Vorteil zeigt sich beim Wiederöffnen: Ein Metallgewinde verträgt das beliebig oft, ein Blechschraubenloch nicht.

So setzen Sie eine Nietmutter mit der Gewindenietzange

  1. Loch bohren und entgraten. Ein ausgefranster Rand lässt die Mutter später mitdrehen.
  2. Dorn und Mundstück passend zur Gewindegröße einsetzen.
  3. Setzweg einstellen. Bei vielen Zangen gibt es eine Stellschraube, die den Hub begrenzt. Den richtigen Wert findet man durch einen Probeversuch an einem Reststück.
  4. Mutter auf den Dorn drehen, bis der Bund am Mundstück anliegt. Nicht zu fest, sonst lässt sich der Dorn hinterher schwer lösen.
  5. Mutter ins Loch stecken, die Zange senkrecht zum Blech halten.
  6. Griffe zusammendrücken, bis der Anschlag erreicht oder ein deutlicher Widerstand spürbar ist.
  7. Dorn herausdrehen. Probeweise eine Schraube eindrehen: Sie muss leichtgängig laufen, und die Mutter darf sich nicht drehen.

Typische Fehler

  • Mutter dreht mit. Meist ist das Loch zu groß oder der Setzweg zu klein, sodass sich der Wulst nicht vollständig bildet. Gerändelte oder Sechskant-Muttern lösen das Problem dauerhaft.
  • Zu stark verpresst. Bei zu großem Setzweg wird das Gewinde gestaucht oder abgerissen, die Schraube klemmt oder geht gar nicht mehr hinein. Eine einstellbare Hubbegrenzung verhindert das.
  • Zange schräg gehalten. Die Mutter setzt sich einseitig, der Kopf liegt nicht an.
  • Falscher Klemmbereich. In zu dünnem Blech bildet sich der Wulst hinter dem Material, in zu dickem gar nicht.
  • Dorn verschlissen. Ein beschädigtes Dorngewinde zerstört das Gewinde der Nietmutter. Dorne sind Verschleißteile.
  • Schraube zu fest angezogen. Das Anzugsmoment einer Nietmutter ist kleiner als das einer normalen Mutter. Wer mit Gewalt anzieht, dreht sie aus dem Blech.

Nietmutter oder Gewinde schneiden?

In Blech unter etwa 3 mm reicht die Materialstärke nicht für ein geschnittenes Gewinde: Es hätte nur ein bis zwei tragende Gänge und würde ausreißen. Hier ist die Nietmutter klar überlegen. In dickem Material ist dagegen ein geschnittenes Gewinde die einfachere und festere Lösung.

Wo die Grenzen liegen

Nietmuttern übertragen Zug- und Querkräfte gut, solange das Blech stabil genug ist, sind aber keine Schweißmutter. In 0,8 mm dünnem Blech kann eine M8-Mutter zwar gesetzt werden, die Last hält dann aber das Blech nicht. Bei stark wechselnden Lasten oder Vibrationen kann sich eine glatte Nietmutter lockern. Für sehr hohe Lasten sind durchgehende Verschraubungen mit Mutter oder eingeschweißte Gewinde besser.

Für tragende Teile wie Anhängerkupplungen oder sicherheitsrelevante Bauteile am Fahrzeug sind Nietmuttern nur zulässig, wenn der Hersteller sie vorsieht. Normale Blindniete ohne Gewinde verarbeitet man mit der Blindnietzange, die viele als Popnietenzange kennen.

Gewindenietzange

Häufige Fragen

Was kostet eine Nietmutternzange?

Einfache Handzangen mit Dornsatz und einem Sortiment Nietmuttern gibt es ab etwa 25 bis 30 Euro. Robuste Hebelzangen für Stahl und Edelstahl bis M10 kosten 50 bis 150 Euro. Druckluft- und Akku-Geräte beginnen um 150 Euro und reichen weit darüber.

Ist eine Gewindenietzange dasselbe wie eine Nietmutternzange?

Ja. Beide Namen bezeichnen die Zange, die Blindnietmuttern setzt. Nicht zu verwechseln ist sie mit der Blindnietzange für Nieten ohne Gewinde.

Kann ich eine Nietmutter wieder entfernen?

Ja, indem man den Bund mit einem Bohrer in Schaftgröße abbohrt und den Rest nach hinten durchschlägt. Danach ist das Loch meist etwas größer, sodass die nächste Größe nötig wird.

Hält eine Nietmutter in Aluminium?

Ja, bei passender Nietmutter aus Aluminium oder Stahl und richtigem Klemmbereich. Das Anzugsmoment der Schraube sollte bei weichen Blechen maßvoll bleiben.

Funktioniert das auch in Kunststoff oder Holz?

In festem Kunststoff ja, mit Vorsicht beim Stauchen. In Holz nicht – dort sind Einschraubmuttern, Einschlagmuttern oder Rampamuffen die bessere Lösung.

Video zum Thema

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