Druckluftschleifer
Inhalt9 Abschnitte
Ein Druckluftschleifer bekommt seine Kraft nicht aus einem Elektromotor, sondern aus einem Luftmotor, den der Kompressor speist. Das macht ihn klein, leicht und nahezu unverwüstlich. Der Haken steht aber selten auf der Verpackung: Er verbraucht mehr Luft, als die meisten Heimwerkerkompressoren liefern können.
Wie ein Luftmotor funktioniert
Im Gehäuse sitzt meist ein Lamellenmotor: ein exzentrisch gelagerter Rotor mit beweglichen Schieberplättchen. Strömt Druckluft hinein, drückt sie gegen die Lamellen und dreht den Rotor. Einfache Geräte regeln die Drehzahl über ein Drosselventil am Hebel, bessere halten sie über einen Regler auch unter Last annähernd konstant.
Der Luftmotor hat keine Wicklung, die durchbrennen kann. Wird er blockiert, bleibt er stehen, ohne Schaden zu nehmen. Er erhitzt sich kaum, weil die entspannte Luft ihn kühlt, und er erzeugt keine Funken im Motor. Deshalb findet man Druckluftwerkzeuge in Lackierereien und überall dort, wo Staub oder Dämpfe zünden könnten.
Die gängigen Bauarten
- Stabschleifer (Geradschleifer). Ein schlanker Zylinder mit Spannzange für Schleifstifte, Fräser und kleine Trennscheiben. Drehzahlen um 20.000 bis 25.000 Umdrehungen pro Minute sind üblich. Ideal zum Entgraten, für Schweißnähte und Formen. Mehr beim Stabschleifer.
- Druckluft-Winkelschleifer. Kleiner und leichter als das elektrische Gegenstück, meist für Scheiben mit 100 oder 125 mm. Zum Trennen und Schruppen an Blech und Profilen.
- Druckluft-Exzenterschleifer. Der Standard in Karosseriewerkstätten: flach, leicht, gut zu führen. Für Spachtel, Lack und Holz. Zur Technik siehe Exzenterschleifer.
- Bandfeile. Ein schmales Schleifband über einem Ausleger, für enge Ecken, Falze und Schweißpunkte.
Wie viel Luft sie brauchen
| Gerät | Luftverbrauch etwa | Kompressor, effektiv |
| Stabschleifer klein | 150–300 l/min | ab 200 l/min |
| Exzenterschleifer | 250–400 l/min | ab 300 l/min |
| Winkelschleifer 125 mm | 300–500 l/min | ab 400 l/min |
| Bandfeile | 200–350 l/min | ab 250 l/min |
Die Werte gelten bei etwa 6,3 bar Betriebsdruck, dem üblichen Wert für Druckluftwerkzeug. Sie schwanken je nach Modell deutlich – maßgeblich ist das Datenblatt.
Die Falle liegt in der Kompressorangabe. Hersteller nennen meist die Ansaugleistung. Tatsächlich im Schlauch kommt bei kleinen Kolbenkompressoren nur etwa 60 bis 70 Prozent davon an, die sogenannte effektive Liefermenge. Ein Kompressor mit 250 l/min Ansaugleistung liefert also rund 160 l/min – genug für einen Nagler, zu wenig für einen Schleifer im Dauerbetrieb.
Was passiert, wenn der Kompressor zu klein ist
Der Schleifer läuft an, der Kessel leert sich, der Druck fällt. Nach ein bis zwei Minuten wird das Gerät langsam, das Schleifbild wird unruhig, und Sie warten, bis der Kompressor nachgeladen hat. Für kurze Arbeiten wie Entgraten ist das hinnehmbar. Für Flächenschliff an einem Auto oder einer Tür ist ein zu kleiner Kompressor schlicht die falsche Ausrüstung. Dann ist ein elektrischer Schleifer die bessere Wahl.
Wer ernsthaft mit Druckluft schleifen will, landet bei Kolbenkompressoren mit 400 l/min Ansaugleistung und mehr, oft mit 230-V-Anschluss am oberen Limit, oder bei einem Schraubenkompressor. Einzelheiten zu den kleineren Geräten beim Kolbenkompressor.
Druckluft oder Strom: die Abwägung
Dafür
| Dagegen
|
Die Luft richtig aufbereiten
Ein Luftmotor stirbt an Wasser und Trockenheit. Zwischen Kompressor und Werkzeug gehört eine Wartungseinheit aus Wasserabscheider, Druckminderer und – wenn das Gerät nicht ölfrei ist – einem Öler. Ohne Öler geben Sie vor jedem Einsatz einige Tropfen Druckluftöl in den Lufteinlass.
Achtung beim Lackieren: Ölhaltige Luft ruiniert jede Lackoberfläche. Wer an derselben Leitung schleift und lackiert, braucht getrennte Anschlüsse oder einen Öler, den man abkoppeln kann.
Der Schlauch sollte mindestens 9 mm Innendurchmesser haben, bei längeren Leitungen mehr. Dünne Spiralschläuche mit 6 mm drosseln einen Schleifer spürbar.
Wo sich Druckluft wirklich lohnt
Ein Druckluftschleifer ist dann die richtige Wahl, wenn der große Kompressor ohnehin schon da ist: in der Kfz-Werkstatt, in der Schlosserei, in der Lackiererei. Dort sind die Geräte günstiger als ihre elektrischen Gegenstücke, halten länger und liegen besser in der Hand. Wer dagegen erst einen Kompressor kaufen müsste, um schleifen zu können, rechnet sich das Ganze schön. Ein ausreichend großer Kompressor kostet mehrere hundert Euro, braucht Platz und macht Lärm. Für die gelegentliche Holzarbeit oder das Entrosten eines Gartentors ist ein elektrischer Stabschleifer oder Exzenterschleifer die vernünftigere Anschaffung. Der Druckluftschleifer ergänzt eine Druckluftwerkstatt, er begründet keine.
Sicherheit
- Drehzahl der Scheibe prüfen. Jede Schleifscheibe und jeder Schleifstift trägt eine zulässige Höchstdrehzahl. Sie muss über der Leerlaufdrehzahl des Geräts liegen.
- Werkzeug nur bei getrenntem Schlauch wechseln. Ein versehentlich betätigter Hebel reicht.
- Schutzbrille und Gehörschutz. Die Abluft pfeift, der Kompressor läuft, und Funken fliegen beim Metallschliff trotzdem – nur eben nicht aus dem Motor.
- Abluft nicht ins Gesicht. Sie trägt Öl und Staub mit.
Häufige Fragen
Was kostet ein Druckluftschleifer?
Einfache Stabschleifer gibt es ab etwa 25 Euro, Exzenterschleifer ab 40 Euro. Werkstattgeräte mit Drehzahlregelung und Absaugung liegen bei 150 bis 400 Euro. Teurer ist fast immer der passende Kompressor.
Kann ich mit einem Druckluftschleifer Holz schleifen?
Ja, der Exzenterschleifer eignet sich gut dafür. Für Holz im Innenausbau ist aber ein elektrischer Schleifer mit Staubabsaugung meist praktischer, weil kein Schlauch stört.
Wie laut sind die Geräte?
Die Abluft erzeugt ein hohes Pfeifen, oft um 85 dB(A) und mehr, dazu der Kompressor. Gehörschutz gehört zur Grundausstattung.
Wie lange hält ein Druckluftschleifer?
Bei trockener, geölter Luft viele Jahre. Die Lamellen sind Verschleißteile und lassen sich meist tauschen. Die häufigste Todesursache ist Rost durch Kondenswasser.


