Fliesenschneider elektrisch
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Ein elektrischer Fliesenschneider trennt Fliesen mit einer wassergekühlten Diamantscheibe, statt sie anzuritzen und zu brechen. Er ist langsamer als ein guter Handschneider, schafft dafür aber, was dieser nicht kann: schmale Streifen, L-Ausschnitte, Feinsteinzeug mit großer Stärke, Natursteinplatten und Gehrungen. Für ein Bad mit vielen Anschnitten ist er fast unverzichtbar, für einen Flur mit geraden Schnitten oft verzichtbar.
Wie er arbeitet
Die Diamanttrennscheibe schneidet nicht mit Zähnen, sondern schleift: In ihrem Rand sind Diamantkörner in eine Metallbindung eingebettet, die sich langsam abnutzt und dabei ständig neue Körner freilegt. Das Wasser kühlt die Scheibe, bindet den Staub und spült den Schleifschlamm aus der Schnittfuge.
Ohne Wasser würde die Scheibe überhitzen und die Bindung verglasen. Dazu entstünde Quarzstaub, der die Lunge schädigt. Nassschneider werden deshalb nie trocken betrieben.
Die Bauarten
| Bauart | Prinzip | Geeignet für |
| Tischgerät | Fliese wird auf dem Tisch an der festen Scheibe vorbeigeschoben | Wandfliesen, kleinere Formate, Heimwerker |
| Schlittengerät | Fliese liegt auf einem Schiebeschlitten | genaue, gerade Schnitte mittlerer Formate |
| Radialschneider | Motor mit Scheibe fährt auf einer Schiene über die liegende Fliese | große Formate, Naturstein, Profis |
| Handgerät | Fliesenschneider ähnlich einer Handkreissäge | verlegte Fliesen, Baustelle |
Einfache Tischgeräte mit Wanne unter dem Tisch bekommen Sie ab etwa 80 Euro. Sie reichen für gelegentliche Arbeiten mit kleinen und mittleren Fliesen. Wer Großformate wie 60 × 120 cm verlegt, braucht einen Radialschneider mit entsprechender Schnittlänge, und der kostet deutlich mehr – im Verleih bekommt man ihn für die Dauer des Projekts.
Der Radialschneider
Beim Radialschneider liegt die Fliese still, und das Aggregat fährt an einer Schiene darüber. Das hat drei Vorteile: Die Fliese verrutscht nicht, die Schnittlänge ist nur durch die Schiene begrenzt, und Tauchschnitte für Ausschnitte sind möglich. Der Kopf lässt sich für Gehrungen meist auf 45° neigen. Für Feinsteinzeug ab etwa 60 cm Kantenlänge ist er die zuverlässigste Lösung.
Worauf es beim Kauf ankommt
- Schnittlänge. Die längste Fliesenkante plus Reserve. Viele Tischgeräte schneiden nur 40 bis 60 cm, diagonal weniger.
- Schnitttiefe. Bodenfliesen sind 8 bis 12 mm stark, Terrassenplatten 20 mm und mehr. Die Scheibe muss durch das dickste Material kommen.
- Scheibendurchmesser. Kleine Tischgeräte nehmen 180 mm, größere 200 bis 250 mm. Größere Scheiben schneiden tiefer und laufen ruhiger.
- Leistung. Etwa 600 Watt sind die Untergrenze, damit die Scheibe bei hartem Feinsteinzeug nicht einbricht. Radialschneider haben deutlich mehr.
- Gehrungsfunktion. Für saubere Außenecken ohne Schiene.
- Stabiler Anschlag. Ein Parallelanschlag, der sich verzieht, macht jeden Schnitt krumm.
Die richtige Scheibe
Die mitgelieferte Scheibe ist oft ein Kompromiss. Für Feinsteinzeug gibt es Scheiben mit geschlossenem, durchgehendem Rand, die feinere Kanten ergeben. Für Naturstein und Beton sind segmentierte oder turbogezahnte Scheiben besser, weil sie mehr Material abführen. Die Scheibe muss für Nassschnitt freigegeben und für die Drehzahl der Maschine zugelassen sein.
Wird die Scheibe stumpf – sie schneidet langsamer, die Fliese wird heiß –, können Sie sie mit einem Schärfstein oder durch einige Schnitte in Porenbeton oder Kalksandstein wieder öffnen.
Sauber schneiden
- Wasser auffüllen. Die Wanne bis zur Markierung, die Scheibe muss eintauchen.
- Fliese anzeichnen. Mit Bleistift oder Filzstift auf der Oberseite, Schnittbreite berücksichtigen.
- Anlaufen lassen. Die Scheibe muss nass und auf voller Drehzahl sein, bevor die Fliese sie berührt.
- Gleichmäßig schieben. Nicht drücken. Die Scheibe bestimmt das Tempo, bei Feinsteinzeug ist es langsam.
- Am Ende langsamer werden. Die letzten Zentimeter brechen sonst aus. Bei empfindlichen Glasuren die Fliese kurz vor Ende drehen und von der anderen Seite zu Ende schneiden.
Für L-Ausschnitte schneiden Sie beide Kanten bis zum Eckpunkt und nicht darüber hinaus, den Rest brechen Sie mit der Fliesenzange heraus.
Elektrischer oder manueller Fliesenschneider
Elektrisch
| Manuell
|
In der Praxis arbeiten Fliesenleger mit beidem: gerade Schnitte manuell mit der Fliesenschneidmaschine, alles andere nass.
Sicherheit
Schutzbrille, Gehörschutz und wasserdichte Handschuhe gehören dazu. Das Gerät steht auf einem festen, ebenen Untergrund, bei Arbeiten im Freien ist eine Fehlerstrom-Schutzeinrichtung Pflicht, weil Wasser und Strom zusammenkommen. Vor dem Nachfüllen oder Reinigen den Stecker ziehen. Die Scheibe nie mit der Hand abbremsen.
Häufige Fragen
Wohin mit dem Schlamm?
Nicht in den Abfluss, er setzt sich im Rohr ab. Wanne absetzen lassen, klares Wasser abgießen, den Bodensatz trocknen lassen und mit dem Bauschutt entsorgen.
Warum splittert die Glasur?
Meist zu schneller Vorschub, eine stumpfe Scheibe oder die falsche Scheibenart. Glasur nach oben, langsamer schieben, eventuell Kreppband auf die Schnittlinie kleben.
Brauche ich einen Nassschneider für Mosaik?
Nein. Mosaik wird mit der Mosaikzange oder mit dem Cutter auf dem Netz getrennt. Mehr zur Verlegung im Beitrag Fliesen verlegen.



