Zum Inhalt springen
Heimwerker-Berater

Hausbau - die Vor- und Nachteile der verschiedenen Dacharten

Haus & Bauvon Christoph5 Min. · 10 Abschnitte
Hausbau - die Vor- und Nachteile der verschiedenen Dacharten
Inhalt10 Abschnitte
  1. Zuerst den Bebauungsplan lesen
  2. Die Dachformen auf einen Blick
  3. Satteldach: der günstige Klassiker
  4. Walmdach: ruhig und sturmfest
  5. Pultdach: eine Fläche, eine hohe Wand
  6. Flachdach: volle Fläche, mehr Pflege
  7. Mansarddach und Zeltdach
  8. Dach und Solarstrom
  9. Worauf es bei der Entscheidung ankommt
  10. Häufige Fragen

Die Dachform bestimmt, wie viel Wohnraum unter dem Dach entsteht, wie gut Regen und Schnee abgeleitet werden, wie viel Solarstrom möglich ist und was der Rohbau kostet. Die erste Frage ist aber oft gar nicht Ihre: In vielen Neubaugebieten legt der Bebauungsplan Dachform und Neigung fest. Erst danach lohnt der Vergleich.

Zuerst den Bebauungsplan lesen

Bebauungspläne regeln häufig Dachform, Dachneigung, Firstrichtung, manchmal sogar Farbe und Material der Eindeckung. Wer ein Flachdach plant, wo 35 bis 45 Grad Satteldach vorgeschrieben sind, braucht eine Befreiung, und die wird nicht immer erteilt. Wo kein Bebauungsplan gilt, muss sich ein Neubau meist in die Umgebung einfügen. Ein Anruf beim Bauamt klärt das, bevor der Architekt die erste Skizze zeichnet.

Die Dachformen auf einen Blick

DachformTypische NeigungStärkeSchwäche
Satteldach30–50°günstig, bewährt, DachraumDachschrägen im Obergeschoss
Walmdach25–45°windstabil, schützt alle Fassadenteurer, weniger Dachraum
Pultdach5–25°einfache Form, hohe FensterfrontEntwässerung nur zu einer Seite
Flachdachbis etwa 5°volle Geschossfläche, DachterrasseAbdichtung braucht Pflege
Mansarddachunten steil, oben flachviel Wohnraum unter dem Dachaufwendig und teuer

Die Neigungen sind übliche Spannen, keine Grenzen. Entscheidend für jede Eindeckung ist die vom Hersteller genannte Regeldachneigung: Viele Dachziegel brauchen mindestens um die 22 Grad, manche mehr. Darunter ist ein Zusatz-Unterdach nötig oder eine Abdichtung statt Ziegeln.

Satteldach: der günstige Klassiker

Zwei geneigte Flächen treffen sich am First. Die Konstruktion ist seit Jahrhunderten erprobt, jeder Zimmerer kennt sie, und genau das macht sie günstig. Regen läuft schnell ab, Schnee rutscht bei steiler Neigung von selbst, Giebelwände lassen sich einfach mit Fenstern versehen.

Unter einem steilen Satteldach entsteht ein ausbaufähiges Dachgeschoss oder zumindest ein Spitzboden als Stauraum. Der Preis dafür sind Dachschrägen: Als Wohnfläche zählen Bereiche unter 1 m lichter Höhe nach Wohnflächenverordnung gar nicht, zwischen 1 und 2 m nur zur Hälfte. Wer ein Obergeschoss mit geraden Wänden will, plant ein Satteldach mit Kniestock.

Walmdach: ruhig und sturmfest

Beim Walmdach sind auch die Stirnseiten geneigt. Das Haus bekommt rundum einen Dachüberstand, der alle Fassaden vor Schlagregen schützt, und bietet dem Wind weniger Angriffsfläche als ein hoher Giebel. In windreichen Lagen ist das ein echtes Argument.

Dafür gibt es mehr Grate, mehr Zuschnitt, mehr Anschlussarbeit – und damit höhere Kosten als beim Satteldach. Der Dachraum ist kleiner, Giebelfenster fallen weg, Licht kommt nur über Dachfenster oder Gauben. Eine Zwischenform ist das Krüppelwalmdach, bei dem nur die obere Spitze des Giebels abgewalmt ist.

Pultdach: eine Fläche, eine hohe Wand

Das Pultdach hat nur eine geneigte Fläche. Auf der hohen Seite entsteht Platz für große Fenster, die niedrige Seite bleibt kompakt. Moderne Einfamilienhäuser, Anbauten, Garagen und Carports nutzen die Form gern, weil sie klar aussieht und einfach zu bauen ist.

Zeigt die Fläche nach Süden, ist das Pultdach ideal für Photovoltaik. Zu beachten sind die höhere Windlast auf der hohen Wand und die Entwässerung: Das gesamte Regenwasser läuft zu einer einzigen Traufe, die Rinne muss entsprechend groß bemessen sein. Ein versetztes Pultdach, also zwei gegeneinander verschobene Pultflächen, bringt zusätzlich ein Lichtband in der Mitte.

Haus mit einem Flachdach | Foto: DoralinSamuel / depositphotos.com

Flachdach: volle Fläche, mehr Pflege

Ganz flach ist ein Flachdach nie. Es braucht ein Gefälle, damit Wasser abläuft – geplant werden meist um die 2 Prozent. Dafür ist das oberste Geschoss voll nutzbar, ohne Schrägen, und das Dach selbst kann Terrasse, Gründach oder Aufstellfläche für Solarmodule werden. Die Module lassen sich dort in beliebiger Richtung und Neigung aufständern.

Der Knackpunkt ist die Abdichtung. Bitumenbahnen, Kunststoffbahnen oder EPDM-Folie müssen dauerhaft dicht sein, Abläufe und Notüberläufe frei bleiben. Stehendes Wasser, verstopfte Gullys und mechanische Schäden sind die häufigsten Ursachen für Undichtigkeiten. Ein Blick zweimal im Jahr gehört zum Pflichtprogramm, Details unter Flachdach abdichten. In schneereichen Gegenden muss die Statik die Schneelast tragen, die auf einem flachen Dach liegen bleibt.

Mansarddach und Zeltdach

Das Mansarddach knickt auf halber Höhe ab: unten steil, fast senkrecht, oben flacher. So entsteht unter dem Dach nahezu ein volles Geschoss. Die Konstruktion ist aufwendig und teuer, findet sich vor allem bei Stadtvillen und Altbauten.

Das Zeltdach ist ein Walmdach auf quadratischem Grundriss, bei dem alle vier Flächen in einer Spitze zusammenlaufen. Typisch für kompakte Stadtvillen und Gartenhäuser.

Dach und Solarstrom

Für Photovoltaik in Deutschland ist eine Südausrichtung mit etwa 30 bis 35 Grad Neigung ideal. Ost-West-Dächer liefern etwas weniger Spitzenleistung, dafür gleichmäßiger über den Tag verteilt – das passt oft besser zum Eigenverbrauch. Satteldach und Pultdach bieten große zusammenhängende Flächen, das Walmdach durch seine Dreiecks- und Trapezflächen weniger. Beim Flachdach ist die Ausrichtung frei wählbar, dafür braucht es Aufständerung und Ballast oder eine Befestigung, die die Abdichtung nicht verletzt.

Worauf es bei der Entscheidung ankommt

  1. Vorgaben klären. Bebauungsplan, Umgebung, eventuell Denkmalschutz.
  2. Nutzung festlegen. Soll das Dachgeschoss Wohnraum werden, oder reicht ein Speicher?
  3. Lage bedenken. Wind, Schnee, Starkregen – das Klima der Region spricht mal für steile, mal für ruhige Formen.
  4. Folgekosten mitrechnen. Ein steiles Ziegeldach hält Jahrzehnte fast ohne Pflege; ein Flachdach verlangt regelmäßige Kontrolle.
  5. Dämmung mitplanen. Wie das Dach später gedämmt wird, hängt von der Form ab – beim Satteldach als Zwischensparren- oder Aufsparrendämmung, beim nicht ausgebauten Speicher auf der obersten Geschossdecke.

Häufige Fragen

Welche Dachform ist am günstigsten?

Meist das einfache Satteldach mit mittlerer Neigung, weil Konstruktion und Eindeckung standardisiert sind. Das Pultdach kann ähnlich günstig sein. Walm- und Mansarddach sind wegen der vielen Anschlüsse teurer.

Ist ein Flachdach anfälliger für Schäden?

Nicht grundsätzlich, aber es verzeiht weniger. Eine sauber ausgeführte Abdichtung mit Gefälle und regelmäßiger Kontrolle hält lange; eine verstopfte Entwässerung oder ein Riss in der Bahn führt schneller zu Wasserschäden als bei einem steilen Ziegeldach.

Kann ich die Dachform später ändern?

Technisch ja, etwa durch Aufstockung oder den Umbau eines Flachdachs zum Satteldach. Das ist aber eine genehmigungspflichtige Baumaßnahme mit Statik, neuem Dachstuhl und erheblichen Kosten. Die Entscheidung beim Neubau ist deshalb eine für Jahrzehnte.

Das könnte Sie auch interessieren