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Kalziumsilikatplatten gegen Schimmel: Vor- und Nachteile

Haus & Bauvon Christoph5 Min. · 9 Abschnitte
Kalziumsilikatplatten gegen Schimmel: Vor- und Nachteile
Inhalt9 Abschnitte
  1. Woraus die Platten bestehen
  2. Warum Schimmel an kalten Wänden entsteht
  3. Wo die Platten nicht helfen
  4. Die Vorteile im Überblick
  5. Verarbeitung Schritt für Schritt
  6. Innen, außen, Decke, Feuchtraum
  7. Brandschutz als Nebeneffekt
  8. Typische Fehler
  9. Häufige Fragen

Kalziumsilikatplatten sind poröse, stark alkalische Mineralplatten, die innen auf gefährdete Außenwände geklebt werden. Sie nehmen Feuchtigkeit auf, verteilen sie und geben sie wieder ab – und sie erwärmen die Wandoberfläche ein wenig. Beides zusammen nimmt dem Schimmel die Lebensgrundlage, solange die Ursache Kondenswasser ist und nicht nasses Mauerwerk.

Woraus die Platten bestehen

Kalziumsilikat entsteht aus Kalk, Quarzsand, Wasser und Zellulosefasern, die unter Dampfdruck zu einem feinporigen Gerüst aushärten. Das Ergebnis ist leicht, meist nur 200 bis 300 kg je Kubikmeter, und besteht zum größten Teil aus Luftporen. Die Platten sind weiß bis cremefarben, lassen sich sägen und gibt es für Innendämmung meist in Stärken von 25, 30 und 50 mm, gelegentlich dicker.

pH-WertUm 10, also stark alkalisch. Schimmelpilze wachsen darauf praktisch nicht.
KapillaraktivitätDas Porengefüge saugt Wasser auf und leitet es flächig zur Raumseite, wo es verdunstet.
WärmeleitfähigkeitEtwa 0,05 bis 0,07 W/(m·K) – deutlich schlechter als klassische Dämmstoffe, aber besser als Mauerwerk.
BrandverhaltenNicht brennbar, in der Regel Baustoffklasse A1.

Warum Schimmel an kalten Wänden entsteht

Warme Raumluft trägt Wasserdampf. Trifft sie auf eine Fläche, die kälter ist als ihr Taupunkt, schlägt sich Wasser nieder. Für Schimmel reicht schon weniger: Bei dauerhaft etwa 80 % relativer Luftfeuchte direkt an der Oberfläche wächst er, auch ohne sichtbare Tropfen. Typische Stellen sind Außenecken, Fensterlaibungen, Wände hinter Schränken und ungedämmte Betonstürze.

Eine Kalziumsilikatplatte setzt an zwei Stellen an. Ihre Oberfläche ist wärmer als die nackte Wand, weil die Platte etwas dämmt. Und fällt doch Feuchtigkeit an, bleibt sie nicht auf der Oberfläche stehen, sondern verschwindet im Porengefüge und trocknet später wieder aus. Die hohe Alkalität sorgt zusätzlich dafür, dass sich Sporen nicht festsetzen – ohne Biozide, die mit der Zeit auswaschen.

schöne Wand ohne Schimmel
Kalziumsilikatplatten schützen aktiv gegen Schimmel und stellen sicher, dass sich dieser nicht bilden und somit auch nicht ausbreiten kann. | Foto: digitalgenetics / Depositphotos.com

Wo die Platten nicht helfen

Gegen nasse Wände von außen oder unten sind sie machtlos. Aufsteigende Feuchtigkeit ohne Horizontalsperre, undichte Fallrohre, Risse in der Fassade oder drückendes Wasser im Keller durchfeuchten das Mauerwerk selbst. Eine Platte davor saugt sich voll und verschiebt das Problem nur. Klären Sie deshalb vorher, woher das Wasser kommt: Ein Feuchtigkeitsmesser für die Wand zeigt, ob das Mauerwerk tief durchfeuchtet ist oder nur die Oberfläche. Wie man Befall und Ursache sauber eingrenzt, steht unter Schimmel feststellen.

Auch falsches Lüften löst keine Platte auf Dauer. Wer in einem Schlafzimmer mit 65 % Luftfeuchte schläft und nie stoßlüftet, überfordert jedes Material.

Die Vorteile im Überblick

Dafür
  • Wirkt ohne Gift, dauerhaft durch den pH-Wert
  • Kapillaraktiv, puffert Feuchtespitzen
  • Keine Dampfbremse nötig, einfacher Aufbau
  • Nicht brennbar
  • Formstabil, verrottet nicht
  • Geringe Aufbauhöhe ab 25 mm
Dagegen
  • Deutlich teurer als Gipskarton oder Styropor
  • Dämmwirkung begrenzt
  • Spröde, Kanten brechen leicht
  • Nur diffusionsoffene Beschichtungen erlaubt
  • Schwere Lasten brauchen Spezialdübel
  • Hilft nicht bei nassem Mauerwerk

Verarbeitung Schritt für Schritt

  1. Untergrund vorbereiten. Tapeten, Dispersionsfarbe und losen Putz entfernen, befallene Stellen gründlich reinigen. Die Platte muss am mineralischen Untergrund haften, nicht an alter Farbe.
  2. Unebenheiten ausgleichen. Größere Löcher und Buckel mit Kalk- oder Kalkzementmörtel egalisieren. Hohlräume hinter der Platte sind genau der Ort, an dem sich später Tauwasser sammelt.
  3. Zuschneiden. Mit einem feinzahnigen Fuchsschwanz oder einer Handkreissäge mit Absaugung. Der Staub ist fein – Staubmaske tragen.
  4. Vollflächig kleben. Den systemzugehörigen Klebemörtel mit dem Zahnspachtel auf Wand und Platte auftragen und die Platte einschieben. Punktweise Verklebung reicht nicht.
  5. Fugen dicht stoßen. Platten im Verband setzen, ohne Kreuzfugen, Stöße mit Kleber füllen.
  6. Oberfläche beschichten. Nur mit diffusionsoffenen Produkten: Silikatfarbe, Kalkfarbe oder ein dünner Kalkputz. Dispersionsfarbe, Latex oder Vinyltapete machen die Poren dicht und die Wirkung zunichte.

Fensterlaibungen und die ersten 30 bis 50 cm der angrenzenden Innenwände sollten Sie mitbekleiden. Sonst wandert der kälteste Punkt einfach um die Ecke.

Innen, außen, Decke, Feuchtraum

Der typische Einsatz ist die Innenseite von Außenwänden in Altbauten, besonders dort, wo eine Außendämmung nicht möglich ist – etwa bei denkmalgeschützten Fassaden oder Fachwerk. Auch Deckenflächen unter kalten Dachböden und Laibungen lassen sich bekleiden. Im Außenbereich spielen die Platten kaum eine Rolle, weil sie nicht schlagregenfest sind.

In Bädern funktionieren sie, solange keine Spritzwasserbereiche betroffen sind. Wo die Dusche direkt auftrifft, gehört eine Abdichtung hin, und die verträgt sich nicht mit einer Platte, deren Zweck das Atmen ist. Außerhalb dieser Zonen helfen sie gut gegen den Schimmelrand über der Fliese.

Kalziumsilikatplatten bieten aufgrund ihrer hervorragenden Brandschutzeigenschaften einen effektiven Schutz vor der Ausbreitung von Feuer und Hitze in Wohnhäusern.
Kalziumsilikatplatten bieten aufgrund ihrer hervorragenden Brandschutzeigenschaften einen effektiven Schutz vor der Ausbreitung von Feuer und Hitze in Wohnhäusern. | Foto: chones / Depositphotos.com

Brandschutz als Nebeneffekt

Weil das Material nicht brennt, werden Kalziumsilikatplatten auch als Brandschutzbekleidung eingesetzt, etwa hinter Kaminöfen oder an Stahlträgern. Dafür gibt es eigene, dichtere Plattentypen mit Zulassung. Die leichten Klimaplatten für die Innendämmung sind ebenfalls nicht brennbar, ersetzen aber keine geprüfte Brandschutzkonstruktion. Wer eine Wand hinter dem Ofen verkleiden will, braucht die Angaben des Ofenherstellers und passendes Plattenmaterial.

Typische Fehler

  • Ursache nicht geklärt. Eine Platte auf einer Wand mit defekter Dachrinne darüber ist rausgeworfenes Geld.
  • Falsche Farbe. Eine einzige Schicht Dispersionsfarbe halbiert die Saugfähigkeit, drei Schichten machen sie wirkungslos.
  • Schrank direkt davor. Möbel brauchen auch vor einer Klimaplatte 5 bis 10 cm Abstand, sonst fehlt die Luft zum Abtrocknen.
  • Nur die befallene Stelle bekleidet. Der Schimmel sucht sich die nächste kalte Fläche daneben.
  • Zu dick gedacht. Bei Innendämmung sind 50 mm meist die sinnvolle Obergrenze, dickere Aufbauten verschieben den Taupunkt in die Wand und gehören in die Hand eines Planers.

Häufige Fragen

Was kosten Kalziumsilikatplatten?

Je nach Stärke und Hersteller grob 25 bis 70 Euro je Quadratmeter für die Platten, dazu Kleber, Grundierung und Farbe. Verglichen mit einer Anti-Schimmel-Farbe ist das viel, dafür wirkt die Platte dauerhaft statt nur bis zum nächsten Anstrich.

Muss der Schimmel vorher weg?

Ja. Befallene Flächen werden gereinigt und abgetrocknet, loser Putz kommt herunter. Bei großflächigem Befall über etwa einen halben Quadratmeter empfiehlt sich ein Fachbetrieb.

Kann ich darauf tapezieren?

Nur mit diffusionsoffenen Tapeten ohne Kunststoffbeschichtung, etwa Raufaser mit Silikatfarbe. Besser ist ein Anstrich direkt auf der Platte.

Gibt es Alternativen?

Mineralische Dämmplatten aus Kalziumsilikathydrat, Holzfaserplatten mit Kalkputz oder Kalkputze mit Dämmzuschlag verfolgen dasselbe Prinzip. Einen Überblick gibt Dämmplatten innen gegen Schimmel anbringen.

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