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Heimwerker-Berater

Schimmel feststellen - das müssen Sie wissen!

Reinigungvon Christoph4 Min. · 8 Abschnitte
Schimmel feststellen
Inhalt8 Abschnitte
  1. Die kritische Wandtemperatur bestimmen
  2. Wo Schimmel zuerst auftritt
  3. Verdeckten Befall finden
  4. Die Ursache bestimmen – erst danach handeln
  5. Richtig lüften
  6. Ab wann ein Fachbetrieb ran muss
  7. Häufige Fragen
  8. Video zum Thema

Schimmel wächst nicht dort, wo es feucht riecht, sondern dort, wo eine Oberfläche zu kalt ist. Warme Raumluft trifft auf eine kühle Wand, kühlt sich ab, und weil kalte Luft weniger Wasser halten kann, steigt die relative Feuchte direkt an der Wandoberfläche an. Ab etwa 80 Prozent über mehrere Tage beginnt der Bewuchs – lange bevor sich Tropfen bilden.

Diesen Zusammenhang kann man messen. Dafür braucht es zwei Geräte für zusammen keine dreißig Euro.

Die kritische Wandtemperatur bestimmen

Messen Sie die Raumluft mit einem Hygrometer und die Wandoberfläche mit einem Infrarot-Thermometer – an der kältesten Stelle, also in der Außenecke, in der Fensterlaibung oder hinter dem Schrank.

Raumluft 20 °C beiTaupunktAb dieser Wandtemperatur droht Schimmel
40 % rel. Feuchte6,0 °Cunter 9,3 °C
50 % rel. Feuchte9,3 °Cunter 12,6 °C
60 % rel. Feuchte12,0 °Cunter 15,6 °C
70 % rel. Feuchte14,4 °Cunter 18,0 °C

Die rechte Spalte ist die eigentliche Antwort. Bei 60 Prozent Raumfeuchte genügt eine Wandecke mit 15 Grad – und 15 Grad in einer ungedämmten Außenecke sind im Januar völlig normal.

Daraus folgt beides: Feuchte senken und kalte Stellen wärmer bekommen. Eines allein reicht selten.

Wo Schimmel zuerst auftritt

  • Außenecken hinter Möbeln. Ein Schrank vor der Außenwand senkt die Oberflächentemperatur dort um mehrere Grad. Mindestens 5 cm Abstand halten.
  • Fensterlaibungen und Rollladenkästen. Klassische Wärmebrücken.
  • Hinter Fußleisten und unter Fensterbänken.
  • Deckenanschlüsse im Obergeschoss, besonders bei nachträglicher Dämmung.
  • Bad und Küche, wenn nach dem Duschen oder Kochen nicht gelüftet wird.

Der Geruch kommt vor dem Bild. Ein modrig-erdiger Geruch, der nach dem Lüften wiederkehrt, ist ein ernstes Zeichen – auch wenn nichts zu sehen ist. Er stammt von flüchtigen Stoffwechselprodukten der Pilze und deutet oft auf verdeckten Befall hin.

Verdeckten Befall finden

Sichtbare Flecken sind der einfache Fall. Schwieriger ist Schimmel, der unter Tapeten, hinter Vorsatzschalen oder in der Dämmung sitzt.

  • Tapete an einer unauffälligen Stelle anheben. Dunkle Punkte auf der Rückseite sind eindeutig.
  • Feuchtemessung in der Wand mit einem Feuchtigkeitsmesser. Die üblichen kapazitiven Geräte liefern nur Vergleichswerte: Messen Sie mehrere Stellen und achten Sie auf Ausreißer, nicht auf den Absolutwert.
  • Fußleiste abnehmen. Der häufigste Fundort nach Wasserschäden.
  • Raumluftmessung auf Sporen oder eine MVOC-Messung führt ein Labor durch. Sinnvoll erst, wenn Geruch und Beschwerden da sind, aber nichts zu finden ist.

Die Ursache bestimmen – erst danach handeln

Ohne geklärte Ursache kommt der Schimmel zurück. Vier Möglichkeiten:

WärmebrückeBefall immer an derselben kalten Stelle, meist Außenecke oder Laibung. Bauliche Ursache.
Zu hohe RaumfeuchteBefall an mehreren Stellen, Hygrometer dauerhaft über 60 %. Lüftung und Nutzung.
BaufeuchteNeubau oder frischer Estrich. Verschwindet nach der Trocknungszeit.
WasserschadenÖrtlich begrenzt, oft an Leitungen, Dach oder Sockel. Steigende Werte über Wochen.

Ein einfacher Test unterscheidet die ersten beiden: Notieren Sie zwei Wochen lang morgens und abends die Raumfeuchte. Liegt sie im Winter dauerhaft über 60 Prozent, ist Lüften ein Teil des Problems. Liegt sie bei 45 Prozent und es schimmelt trotzdem, ist die Wand zu kalt – dann hilft kein Lüften der Welt.

Richtig lüften

Stoßlüften statt Kipplüften. Fenster ganz auf, quer durch die Wohnung: im Winter 5 Minuten, in der Übergangszeit 10 bis 15, im Sommer länger. Ein gekipptes Fenster tauscht kaum Luft, kühlt aber die Laibung stark ab – es erzeugt genau die kalte Stelle, die man vermeiden will.

Nach dem Duschen und Kochen sofort, nicht später. Die Feuchte verteilt sich sonst in der ganzen Wohnung.

Im Sommer Kellerräume nur nachts lüften. Warme Sommerluft schlägt sich an kalten Kellerwänden nieder – Lüften am Mittag macht es dort schlimmer.

Wo das nicht reicht, helfen ein Badlüfter mit Feuchtesensor oder ein Adsorptionstrockner, der auch bei niedrigen Temperaturen arbeitet.

Ab wann ein Fachbetrieb ran muss

Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes nennt als Orientierung: Bis etwa einen halben Quadratmeter oberflächlichen Befall auf festem Untergrund können Laien selbst entfernen. Darüber hinaus – und in jedem dieser Fälle – gehört die Sache in Fachhand:

  • Der Befall sitzt in der Konstruktion, etwa in Dämmung, Holzbalken oder hinter einer Vorsatzschale.
  • Die Ursache ist ein Wasserschaden, dessen Ausmaß unklar ist.
  • Im Haushalt leben Menschen mit Asthma, Allergien oder geschwächtem Immunsystem, ebenso Säuglinge.
  • Der Befall kommt nach der Entfernung zurück.

Bei der Beseitigung selbst führen Schimmelspray und hochprozentiger Alkohol zum Ziel; was eine Anti-Schimmel-Farbe leisten kann und was nicht, steht dort.

Häufige Fragen

Welche Luftfeuchtigkeit ist richtig?

In Wohnräumen 40 bis 60 Prozent. Im Winter sollten Sie den unteren Bereich anstreben: Je kälter es draußen ist, desto kälter sind die Innenoberflächen – und desto weniger Feuchte verträgt der Raum.

Ist schwarzer Schimmel gefährlicher als grüner?

Die Farbe sagt nichts über die Gefährlichkeit. Sie hängt von der Art und vom Untergrund ab. Entscheidend sind Fläche, Ort und ob Sporen in die Raumluft gelangen – nicht der Farbton.

Wer haftet in der Mietwohnung?

Das hängt von der Ursache ab und ist genau deshalb der Streitpunkt. Zeigen Sie den Mangel schriftlich an, dokumentieren Sie mit Fotos und einem Feuchteprotokoll. Ein unabhängiges Gutachten klärt, ob eine Wärmebrücke oder das Nutzungsverhalten dahintersteckt.

Reicht ein Luftentfeuchter?

Er senkt die Raumfeuchte und nimmt damit einen von zwei Faktoren weg. Gegen eine kalte Außenecke richtet er wenig aus – dort bleibt die Oberflächenfeuchte hoch, auch wenn die Raumluft trocken ist.

Video zum Thema

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