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Heimwerker-Berater

Hygrometer

Werkzeugvon Christoph5 Min. · 9 Abschnitte
Hygrometer
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was relative Luftfeuchte bedeutet
  2. Die Bauarten
  3. Welche Werte in welchen Räumen
  4. Wo das Hygrometer hingehört
  5. Die Salzprobe: Genauigkeit selbst prüfen
  6. Keller, Gewächshaus, Humidor
  7. Worauf man beim Kauf achten sollte
  8. Was tun bei falschen Werten
  9. Häufige Fragen

Ein Hygrometer misst die relative Luftfeuchtigkeit – also wie viel Prozent des Wasserdampfs, den die Luft bei der aktuellen Temperatur aufnehmen könnte, sie tatsächlich enthält. In Wohnräumen sind 40 bis 60 Prozent der Zielbereich. Liegt der Wert dauerhaft darüber, wächst die Schimmelgefahr, liegt er darunter, trocknen Schleimhäute und Holz aus. Ein Hygrometer ist der einfachste Weg herauszufinden, wo man steht.

Was relative Luftfeuchte bedeutet

Warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Deshalb hängt die relative Feuchte von der Temperatur ab: Dieselbe Menge Wasser in der Luft ergibt bei 22 Grad vielleicht 50 Prozent, an einer kalten Außenwand mit 14 Grad aber deutlich über 70 Prozent. Genau dort, an den kältesten Stellen des Raums, beginnt Schimmel. Wer die Luftfeuchte beurteilt, sollte deshalb immer auch die Temperatur im Blick haben – die meisten Hygrometer zeigen beides an.

Die Bauarten

BauartPrinzipEinsatz
Haarhygrometer (analog)Haar oder Kunstfaser dehnt sich bei FeuchteWohnräume, Weinkeller, Humidor
Elektronisches Hygrometerkapazitiver Sensor ändert seine KapazitätStandard im Haushalt
PsychrometerVergleich von trockenem und feuchtem ThermometerMesstechnik, Referenz
Taupunktspiegelhygrometergekühlter Spiegel beschlägt am TaupunktLabor, Kalibrierung

Für den Haushalt kommen nur die ersten beiden in Frage. Analoge Haarhygrometer sehen schön aus und brauchen keine Batterie, müssen aber regelmäßig nachgestellt werden. Digitale Geräte mit kapazitivem Sensor sind günstig, reagieren schnell und sind meist genauer. Chemische, optische und coulometrische Verfahren gibt es auch, sie spielen aber nur in Industrie und Forschung eine Rolle.

Digitales Hygrometer
Digitales Hygrometer | Foto: agephotography / Depositphotos.com

Welche Werte in welchen Räumen

Wohn- und Arbeitsräume: 40 bis 60 Prozent bei etwa 20 bis 22 Grad.

Schlafzimmer: ebenfalls 40 bis 60 Prozent, bei niedrigerer Temperatur eher im unteren Bereich. Nachts steigt die Feuchte durch Atmen deutlich an; morgens lüften.

Bad und Küche: kurzzeitig nach dem Duschen oder Kochen weit über 70 Prozent. Entscheidend ist, dass der Wert innerhalb von etwa einer Stunde wieder sinkt. Ein Badlüfter mit Feuchtigkeitssensor übernimmt das automatisch.

Keller: stark abhängig von Bauweise und Jahreszeit. Im Sommer ist Kellerlüften oft kontraproduktiv, weil warme Außenluft an kalten Wänden kondensiert.

Wo das Hygrometer hingehört

  1. An eine Innenwand, nicht an die kalte Außenwand und nicht ans Fenster.
  2. In etwa 1 bis 1,5 m Höhe, dort, wo man sich aufhält.
  3. Nicht in die Sonne und nicht über die Heizung. Beides verfälscht die Temperatur und damit die relative Feuchte.
  4. Nicht direkt neben Pflanzen, Aquarium oder Wäscheständer, sonst misst es die Quelle statt den Raum.

Nach dem Aufstellen braucht das Gerät eine Weile, bis es sich angepasst hat. Analoge Geräte können dafür mehrere Stunden brauchen.

Die Salzprobe: Genauigkeit selbst prüfen

Günstige Hygrometer weichen oft um 3 bis 5 Prozentpunkte ab, manche mehr. Mit einer einfachen Probe lässt sich das prüfen:

  1. Einen Esslöffel Kochsalz mit wenigen Tropfen Wasser zu einem feuchten Brei anrühren, in einen Deckel oder eine kleine Schale geben.
  2. Hygrometer und Salzschale zusammen in einen luftdichten Behälter oder Gefrierbeutel legen.
  3. Bei Zimmertemperatur mindestens 8 bis 12 Stunden warten.
  4. Ablesen. Über gesättigter Kochsalzlösung stellt sich eine relative Feuchte von etwa 75 Prozent ein. Die Differenz ist die Abweichung des Geräts.

Analoge Geräte lassen sich an einer kleinen Schraube auf der Rückseite nachstellen. Bei digitalen Geräten merkt man sich die Abweichung und rechnet sie beim Ablesen ein.

Keller, Gewächshaus, Humidor

Hygrometer sind nicht nur für Wohnräume nützlich. Im Keller zeigt ein Gerät mit Min-/Max-Speicher, ob Lüften hilft oder schadet: Steigt die Feuchte nach dem Lüften an warmen Tagen, bleibt das Fenster besser zu. Im Gewächshaus und Wintergarten hilft es, Pilzkrankheiten vorzubeugen, die bei dauerhaft hoher Feuchte auftreten. Im Humidor und Weinkeller kommt es auf wenige Prozentpunkte an; Zigarren lagern meist bei etwa 65 bis 70 Prozent, Weinkorken brauchen eine gewisse Feuchte, damit sie nicht austrocknen. Für solche Zwecke lohnt ein Gerät mit guter Genauigkeitsangabe, das regelmäßig mit der Salzprobe kontrolliert wird. In Instrumentenkoffern und Lagerräumen für Holz schützt es vor Rissen durch zu trockene Luft, denn Holz nimmt die Feuchte der Umgebung an – bei Brennholz und Bauholz misst man sie mit dem Holzfeuchtemessgerät.

Worauf man beim Kauf achten sollte

  • Genauigkeit: Angaben von plus/minus 2 bis 3 Prozent sind im Haushalt gut. Werte ohne Angabe sind meist schlechter.
  • Min-/Max-Speicher, damit man sieht, was nachts oder während der Abwesenheit passiert.
  • Außensensor oder mehrere Funk-Sensoren, um Räume zu vergleichen.
  • Schimmel- oder Komfortanzeige: Ein Smiley-Symbol ist nett, ersetzt aber nicht den Blick auf die Zahl.
  • App-Anbindung für Verläufe über Wochen, was bei Schimmelproblemen sehr hilfreich ist.

Was tun bei falschen Werten

Zu feucht: Stoßlüften mehrmals täglich für 5 bis 10 Minuten mit ganz geöffnetem Fenster, Wäsche nicht in der Wohnung trocknen, Möbel mit etwas Abstand zur Außenwand stellen. Bleibt die Feuchte hoch oder zeigen sich dunkle Flecken, hilft der Beitrag Schimmel feststellen.

Zu trocken: Im Winter bei starker Heizung häufig. Weniger heizen und kürzer lüften hilft, notfalls ein Raumbefeuchter, der dann aber regelmäßig gereinigt werden muss.

Häufige Fragen

Was kostet ein Hygrometer?

Einfache digitale Geräte gibt es ab etwa 10 Euro, gute Thermo-Hygrometer mit Speicher und Funk-Außensensor zwischen 20 und 60 Euro. Analoge Geräte in guter Qualität kosten ähnlich.

Warum zeigen zwei Hygrometer unterschiedliche Werte?

Weil beide Toleranzen haben und oft an unterschiedlichen Stellen hängen. Legen Sie sie für einige Stunden nebeneinander und machen Sie die Salzprobe.

Brauche ich eins im Schlafzimmer?

Gerade dort, denn nachts entsteht viel Feuchte, und die Räume sind oft kühler als der Rest der Wohnung – beides erhöht das Schimmelrisiko.

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