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Heimwerker-Berater

Nachhaltige Wärmedämmung: Ökologische Dämmstoffe für die Fassade

Haus & Bauvon Christoph4 Min. · 10 Abschnitte
Nachhaltige Wärmedämmung: Ökologische Dämmstoffe für die Fassade
Inhalt10 Abschnitte
  1. Warum ökologisch dämmen
  2. Die Materialien im Überblick
  3. Holzfaser: der Klassiker
  4. Kork, Hanf und Zellulose
  5. Weitere Naturdämmstoffe
  6. Die Systeme
  7. Brandschutz beachten
  8. Ausführung: nicht für Einsteiger
  9. Kosten und Förderung
  10. Häufige Fragen

Ökologische Dämmstoffe für die Fassade bestehen aus nachwachsenden oder recycelten Rohstoffen: Holzfaser, Hanf, Kork, Zellulose, Stroh oder Schafwolle. Sie dämmen im Winter ähnlich gut wie konventionelle Materialien, schützen im Sommer besser vor Hitze und haben eine günstigere Ökobilanz. Dafür sind sie meist dicker, teurer und stellen höhere Ansprüche an Planung und Brandschutz. An der Fassade entscheidet nicht der Dämmstoff allein, sondern das zugelassene System, in dem er verbaut wird.

Warum ökologisch dämmen

Die Herstellung von Dämmstoffen braucht Energie. Bei Naturdämmstoffen ist dieser Aufwand meist geringer, und der Rohstoff hat beim Wachsen Kohlendioxid gebunden. Viele sind am Ende ihrer Nutzung einfacher zu entsorgen oder wiederzuverwenden. Dazu kommen zwei bauphysikalische Vorteile: Die meisten Naturdämmstoffe sind diffusionsoffen und können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, und sie haben eine hohe Wärmespeicherfähigkeit. Die Sommerhitze kommt dadurch erst mit mehreren Stunden Verzögerung im Innenraum an.

Die Materialien im Überblick

DämmstoffWärmeleitfähigkeit (ca.)Typischer Einsatz Fassade
Holzfaser0,038–0,050 W/(mK)WDVS, Holzbau, hinterlüftete Fassade
Zellulose0,038–0,040 W/(mK)Einblasdämmung in Holzständerwerk
Hanf0,040–0,045 W/(mK)Matten zwischen Ständern, Platten
Kork0,040–0,050 W/(mK)WDVS, Sockel, feuchte Bereiche
Schafwolle0,035–0,040 W/(mK)Holzbau, hinterlüftete Fassade
Strohca. 0,050 W/(mK)Strohballenbau, Holzbau

Zum Vergleich: Standard-Mineralwolle und EPS liegen bei 0,032 bis 0,040 W/(mK). Mit Naturdämmstoffen brauchen Sie also für denselben U-Wert oft einige Zentimeter mehr.

Hanf-Pflanze
Hanf als Dämmstoff für die Fassade vereint Umweltfreundlichkeit mit herausragenden isolierenden Eigenschaften, wodurch nicht nur eine nachhaltige Bauweise gefördert wird, sondern auch eine effektive Wärmedämmung erreicht wird. | Foto: Sonyachny / Depositphotos.com

Holzfaser: der Klassiker

Holzfaserdämmplatten sind der am weitesten verbreitete ökologische Fassadendämmstoff. Es gibt sie als putzfähige Platten für Wärmedämm-Verbundsysteme auf Mauerwerk und Holzbau. Sie sind druckfest, diffusionsoffen und bieten sehr guten sommerlichen Hitzeschutz. Weitere Einzelheiten bei Holzfaserdämmplatte.

Kork, Hanf und Zellulose

Kork ist feuchteunempfindlich, verrottungsfest und formstabil. Backkork wird ohne zusätzliche Bindemittel hergestellt. Er eignet sich auch für Sockelbereiche und ist entsprechend teurer.

Hanf wird als Matte oder Platte angeboten. Er ist robust, schimmelresistent und wächst ohne Pflanzenschutzmittel. An der Fassade kommt er vor allem im Holzbau zwischen Ständern und in hinterlüfteten Konstruktionen zum Einsatz.

Zellulose besteht aus recyceltem Zeitungspapier und wird in Hohlräume eingeblasen. Sie füllt jede Fuge und ist sehr günstig, eignet sich aber nur für geschlossene Konstruktionen wie Holzständerwände oder vorgehängte Fassaden.

Die Wiesengras-Zellulose-Dämmung
Die Wiesengras-Zellulose-Dämmung als Fassadendämmstoff zeichnet sich durch ihre ökologische Herkunft und hohe Wirksamkeit aus, indem sie nicht nur effektiv Wärme isoliert, sondern auch eine nachhaltige Alternative für umweltbewusstes Bauen darstellt. | Foto: Smileus / Depositphotos.com

Weitere Naturdämmstoffe

Schafwolle, Jute, Flachs, Seegras, Schilf, Stroh und Wiesengras werden ebenfalls als Dämmstoffe angeboten. Einige sind Nischenprodukte mit begrenzter Verfügbarkeit und nicht für jede Konstruktion zugelassen. Ein Dämmstoff an der Fassade braucht einen bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweis für genau diesen Einsatz. Fragen Sie beim Hersteller oder Fachbetrieb nach, bevor Sie sich auf ein exotisches Material festlegen.

Die Systeme

  • Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS): Dämmplatten werden auf die Wand geklebt, gedübelt, armiert und verputzt. Nur als geprüftes System eines Herstellers mit allen Komponenten zulässig.
  • Vorgehängte hinterlüftete Fassade: Dämmung zwischen einer Unterkonstruktion, davor eine Luftschicht und eine Bekleidung aus Holz, Faserzement oder Schiefer. Robust, aber teurer.
  • Holzbau: Dämmung im Ständerwerk plus außen eine Holzfaserplatte als Putzträger oder Windschutz.

Brandschutz beachten

Die meisten Naturdämmstoffe sind normal entflammbar. An Gebäuden geringer Höhe, also den meisten Einfamilienhäusern, ist das in der Regel zulässig. Bei höheren Gebäuden gelten strengere Anforderungen, etwa Brandriegel oder nichtbrennbare Materialien. Das regelt das jeweilige Landesbaurecht und die Zulassung des Systems – nicht der Wunsch des Bauherrn.

Ausführung: nicht für Einsteiger

Eine Fassadendämmung ist eine Gewerkegrenze, die Heimwerker meist nicht allein überschreiten sollten. Anschlüsse an Fenster, Fensterbänke, Sockel und Dach entscheiden über Dichtheit und Feuchteschutz. Fehler zeigen sich als Risse im Putz, Feuchteflecken oder Algen. Sinnvoll in Eigenleistung sind Vorarbeiten wie Demontage, Gerüstaufbau nach Anleitung des Verleihers oder Nebenarbeiten. Wie Außenputz grundsätzlich funktioniert, beschreibt Außenwand verputzen.

Kosten und Förderung

Eine komplette Fassadendämmung kostet grob 150 bis 250 Euro je Quadratmeter einschließlich Gerüst, Dämmung, Putz und Anschlüssen. Ökologische Systeme liegen meist im oberen Bereich. Für Fassadendämmung gibt es in der Regel Förderung über BAFA oder KfW oder den Steuerbonus nach § 35c EStG, wenn bestimmte U-Werte erreicht werden. Wie sich das in einen Gesamtplan einfügt, steht bei nachhaltige Modernisierung.

Häufige Fragen

Welcher ökologische Dämmstoff ist der beste für die Fassade?

Für WDVS auf Mauerwerk meist Holzfaser, für feuchtere Sockelbereiche Kork, für Holzständerwände Zellulose oder Hanf. Entscheidend ist die Konstruktion.

Wie dick muss die Dämmung sein?

Um die Anforderungen für Förderung zu erfüllen, sind je nach Material und Wand meist 14 bis 20 cm nötig, bei Naturdämmstoffen eher mehr.

Schimmeln Naturdämmstoffe?

Richtig eingebaut nicht. Viele sind mit Borsalzen oder Soda behandelt, Kork und Hanf sind von Natur aus widerstandsfähig. Dauerhafte Feuchte schadet aber jedem Dämmstoff.

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