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Heimwerker-Berater

Feuchtraumfarbe

Haus & Bauvon Christoph4 Min. · 7 Abschnitte
Feuchtraumfarbe
Inhalt7 Abschnitte
  1. Die Zahlen auf dem Eimer
  2. Nicht jede Feuchtigkeit ist dieselbe
  3. Feuchtraumfarbe oder Anti-Schimmel-Farbe?
  4. Wo im Bad Farbe reicht – und wo nicht
  5. Richtig streichen
  6. Typische Fehler
  7. Häufige Fragen

Feuchtraumfarbe ist Dispersionsfarbe mit höherem Bindemittelanteil. Der dichtere Film lässt Spritzwasser abperlen und hält dem Abwischen stand, statt sich aufzulösen.

Sie ist damit die Antwort auf Spritzwasser und Kondensat – nicht auf ein Feuchteproblem in der Wand. Wo Feuchte von hinten kommt, ist sie das falsche Mittel und schließt die Nässe sogar ein.

Die Zahlen auf dem Eimer

Zwei Angaben nach DIN EN 13300 sagen mehr als jede Produktbeschreibung.

NassabriebklasseBedeutungGeeignet für
Klasse 1scheuerbeständigBad, Küche, Flur – hier greifen
Klasse 2waschbeständigBad mit guter Lüftung
Klasse 3abwaschbarWohnräume
Klasse 4–5gering bis nicht abriebfestDecken, Schlafzimmer

Niedrige Zahl heißt besser – das ist die häufigste Verwechslung im Farbenregal. Für Feuchträume gehört Klasse 1 oder 2 in den Einkaufswagen.

Die zweite Angabe ist das Deckvermögen, ebenfalls in vier Klassen. Klasse 1 deckt bei 7 m² je Liter; Klasse 3 braucht für dasselbe Ergebnis oft drei Anstriche. Billige Farbe wird dadurch teurer als teure.

Nicht jede Feuchtigkeit ist dieselbe

SpritzwasserDusche, Waschbecken, Spüle. Hier ist Feuchtraumfarbe richtig – oberhalb des gefliesten Bereichs.
KondensatWarme Luft an kalter Wand. Feuchtraumfarbe hilft gegen die Folgen, nicht gegen die Ursache.
Feuchte aus der WandAufsteigend oder von außen. Hier ist ein dichter Anstrich schädlich: Die Wand kann nicht mehr austrocknen, der Putz platzt ab.

Im dritten Fall gehört die Ursache behoben und ein diffusionsoffener Aufbau gewählt – Sanierputz mit Kalkfarbe etwa. Wie Sie die Fälle unterscheiden, steht unter Schimmel feststellen.

Feuchtraumfarbe oder Anti-Schimmel-Farbe?

Die beiden werden ständig verwechselt, lösen aber verschiedene Aufgaben.

Feuchtraumfarbe ist mechanisch dicht: Sie verhindert, dass Wasser in den Anstrich zieht. Sie enthält keine Fungizide gegen bestehenden Befall.

Anti-Schimmel-Farbe arbeitet chemisch, mit Bioziden, die nach einigen Jahren aufgebraucht sind.

Im normalen Bad ist Feuchtraumfarbe die richtige Wahl. Zur Anti-Schimmel-Farbe greift man erst, wenn tatsächlich Befall da war – und auch dann nur befristet.

Wo im Bad Farbe reicht – und wo nicht

Die DIN 18534 teilt Innenräume nach der Wassereinwirkung ein. Das klingt nach Norm, beantwortet aber genau die Frage, die man vor dem Streichen hat.

KlasseWoWas nötig ist
W0-IWände im Wohnbad außerhalb des Spritzbereichs, DeckeFeuchtraumfarbe genügt
W1-IWände im Spritzbereich von Dusche und WanneVerbundabdichtung plus Fliesen
W2-IBodenbereich der Dusche, GemeinschaftsbäderAbdichtung zwingend

Für das übliche Familienbad heißt das: Alles außerhalb von etwa 20 cm um Dusche und Wanne herum darf gestrichen werden. Der unmittelbare Spritzbereich braucht Abdichtung und Fliesen – dort ist keine Farbe zugelassen, so dicht sie auch beworben wird.

Die Decke über der Dusche ist ein Grenzfall: Dort trifft kein Spritzwasser auf, aber viel Kondensat. Feuchtraumfarbe der Nassabriebklasse 1 ist hier richtig.

Richtig streichen

  1. Untergrund prüfen. Tragfähig, trocken, sauber, fettfrei. Alte Leimfarbe muss herunter, sie hält keine Dispersionsfarbe.
  2. Reste von Schimmel entfernen, nicht überstreichen – notfalls mit Schimmelspray oder 70-prozentigem Alkohol.
  3. Grundieren. Stark saugende Untergründe mit Tiefengrund, glatte oder glänzende Flächen mit Haftgrund.
  4. Zweimal streichen, immer nass in nass innerhalb einer Fläche. Ansätze, die antrocknen, bleiben als Streifen sichtbar.
  5. Mindesttemperatur 8 °C bei Wand und Luft, sonst bildet sich kein geschlossener Film.
  6. Vollständig durchtrocknen lassen, bevor geduscht wird – bei hoher Luftfeuchte dauert das deutlich länger als die angegebenen Stunden.

Für große Flächen geht das mit einem Airlessgerät schneller; im Bad mit seinen vielen Kanten und Anschlüssen lohnt das Abkleben aber selten.

Typische Fehler

  • Über Fliesen streichen. Normale Feuchtraumfarbe haftet darauf nicht. Dafür gibt es eigene Fliesenlacke mit Grundierung.
  • Direkt in der Dusche. Der unmittelbare Spritzbereich braucht eine Abdichtung und Fliesen, keine Farbe.
  • Auf feuchtem Putz. Die Farbe blättert und schließt die Feuchte ein.
  • Silikonfugen mitstreichen. Farbe haftet nicht auf Silikon. Fugen vorher abkleben oder nach dem Streichen erneuern.
  • Zu dünn aufgetragen. Gerade bei Feuchtraumfarbe entsteht die Dichtigkeit erst durch die volle Schichtdicke.

Häufige Fragen

Was kostet Feuchtraumfarbe?

15 bis 40 Euro für 5 Liter. Achten Sie auf die Reichweite: Eine Farbe mit Deckvermögen Klasse 1 deckt bei 7 m² je Liter in zwei Anstrichen, eine billige braucht drei – dann ist die teure Farbe am Ende günstiger.

Gibt es sie auch farbig?

Ja, ab Werk und zum Abtönen. Nehmen Sie Vollton- und Abtönfarbe desselben Herstellers und mischen Sie die Menge für den ganzen Raum auf einmal an – zwei Ansätze treffen denselben Ton nie.

Kann ich Feuchtraumfarbe im Keller verwenden?

Gegen Kondensat an kalten Wänden ja. Gegen aufsteigende Feuchte im Mauerwerk nein – dort verschlimmert der dichte Film die Sache, weil die Wand nicht mehr abtrocknen kann.

Wie lange hält der Anstrich?

Im Bad bei guter Lüftung 8 bis 10 Jahre. Kürzer wird es, wenn nach dem Duschen nicht gelüftet wird – dann ist aber nicht die Farbe das Problem.

Ist Feuchtraumfarbe atmungsaktiv?

Weniger als normale Dispersionsfarbe, das ist bauartbedingt. Wo Diffusionsfähigkeit gefragt ist, sind Kalk- oder Silikatfarbe die bessere Wahl – sie sind dafür nicht abwaschbar.

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