Kalkfarbe

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Kalkfarbe ist eine der ältesten Wandfarben überhaupt: gelöschter Kalk, Wasser, etwas Zusatz. Sie ist stark alkalisch, dadurch schimmelhemmend, und diffusionsoffen, sodass Feuchte aus der Wand entweichen kann. Ihr großer Haken: Sie hält nur auf mineralischen Untergründen. Auf Dispersionsfarbe oder Raufaser kreidet sie ab oder blättert.
Was Kalkfarbe ausmacht
Grundlage ist Kalkhydrat oder eingesumpfter Kalk. Nach dem Streichen reagiert der Kalk mit dem Kohlendioxid der Luft und wird wieder zu Kalkstein – er verkieselt nicht, er versteinert. Dadurch verbindet sich die Farbe mit einem mineralischen Putz zu einer Einheit, statt nur als Film obenauf zu liegen.
Der pH-Wert frischer Kalkfarbe liegt um 12 bis 13. In diesem Milieu können Schimmelpilze und Bakterien nicht wachsen. Deshalb wurden Ställe, Keller und Speisekammern traditionell gekalkt.
Stärken und Schwächen
Dafür
| Dagegen
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Geeignete Untergründe
Gut geeignet sind Kalkputz, Kalkzementputz, Kalksandstein, Ziegel, Naturstein und alte Kalkanstriche. Lehmputz ist möglich, wenn er fest ist; hier wird meist eine Kalkkaseinfarbe verwendet. Gipsputz nimmt Kalkfarbe mit geeigneter Grundierung an, die Schimmelhemmung ist aber geringer.
Ungeeignet sind Dispersionsanstriche, Latexfarben, Tapeten einschließlich Raufaser, Gipskarton ohne passende Vorbehandlung, Holz und Metall. Alte Dispersionsfarbe muss vollständig entfernt werden, sonst bleibt der Kalk nicht haften und kann seine Wirkung nicht entfalten. Ob eine Wand noch Dispersionsfarbe trägt, zeigt ein Wassertropfen: Perlt er ab oder zieht nur zögernd ein, ist eine Kunststoffschicht vorhanden.
Innen, außen und im Garten
Innen passt Kalkfarbe in Wohnräume, Schlafzimmer, Keller, Bad und Küche, besonders dort, wo Feuchte ein Thema ist. Außen eignet sie sich für mineralische Fassaden, historische Gebäude und Mauern; dort braucht sie häufiger Erneuerung als moderne Silikatfarben, weil Regen die Oberfläche langsam abträgt.
Im Garten ist der Kalkanstrich an Obstbäumen bekannt. Er reflektiert die Wintersonne und schützt die Rinde vor Frostrissen, die entstehen, wenn die Südseite des Stamms tagsüber erwärmt wird und nachts wieder gefriert.

Schutz bei der Verarbeitung
Kalk ist ätzend. Ein Spritzer ins Auge kann die Hornhaut dauerhaft schädigen. Tragen Sie beim Anrühren und Streichen eine dicht schließende Schutzbrille, Handschuhe und lange Ärmel, besonders beim Streichen von Decken. Stellen Sie eine Augenspülflasche oder zumindest klares Wasser bereit. Gelangt Kalk ins Auge: sofort minutenlang mit viel Wasser spülen und ärztliche Hilfe suchen.
Verarbeitung, Schritt für Schritt
- Untergrund prüfen und vorbereiten. Lose Teile entfernen, Staub abkehren, alte Dispersionsfarbe abschleifen oder abbeizen.
- Vornässen. Stark saugende Untergründe mit Wasser anfeuchten, damit die Farbe nicht zu schnell austrocknet.
- Farbe anrühren nach Herstellerangabe, meist dünnflüssig. Fertige Kalkfarben nur aufrühren.
- Dünn streichen mit einer breiten Bürste, der Quast ist das klassische Werkzeug. Rollen funktioniert, ergibt aber eine andere Struktur.
- Mehrere Anstriche, meist drei, jeweils nach dem Antrocknen. Frische Kalkfarbe ist fast durchsichtig und deckt erst nach dem Trocknen.
- Nicht bei Hitze oder Frost. Unter 5 °C und in praller Sonne oder Zugluft wird der Anstrich mürbe und kreidet.
Kalkfarbe abtönen
Kalkfarbe lässt sich mit kalkechten Pigmenten, meist Erdpigmenten, abtönen. Nicht jedes Pigment verträgt die starke Alkalität; organische Abtönfarben aus dem Baumarkt können ausbleichen. Kräftige Töne sind schwierig, Kalk ergibt eher gedeckte, pastellige Farben, die beim Trocknen deutlich heller werden. Streichen Sie eine Probefläche und lassen Sie sie ganz durchtrocknen.
Kalkfarbe gegen Schimmel
Kalkfarbe verhindert nicht, dass eine Wand feucht wird. Sie sorgt dafür, dass sich auf ihrer Oberfläche kein Schimmel ansiedelt, solange sie alkalisch ist. Die Ursache – Wärmebrücke, mangelndes Lüften, aufsteigende Feuchte – muss trotzdem behoben werden. Wo die Wand dauerhaft kalt ist, sind Maßnahmen wie Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten sinnvoller. Vergleiche mit anderen Anstrichen stehen unter Anti-Schimmel-Farbe.
Typische Fehler
- Auf Dispersionsfarbe gestrichen. Der Kalk kreidet ab oder blättert in Schollen.
- Zu dick aufgetragen. Dicke Schichten reißen beim Trocknen und sanden ab. Lieber drei dünne Anstriche als einen satten.
- Zu schnell getrocknet. Sonne, Heizlüfter oder Durchzug entziehen dem Kalk das Wasser, bevor er Kohlendioxid aufnehmen kann.
- Ohne Schutzbrille über Kopf gestrichen. Der häufigste Unfall mit Kalkfarbe.
Häufige Fragen
Wie gesund ist Kalkfarbe?
Nach dem Aushärten ist sie emissionsarm und frei von Lösemitteln und Konservierungsstoffen – eine gute Wahl für Allergiker. Gefährlich ist sie nur im nassen Zustand für Augen und Haut.
Kann ich Kalkfarbe mit einem Sprühgerät verarbeiten?
Mit geeigneten Geräten ja, sofern die Farbe dafür freigegeben und fein genug ist. Der Sprühnebel ist ätzend, Atemschutz und Schutzbrille sind dann zwingend.
Kann ich Kalkfarbe selbst anrühren?
Aus Weißkalkhydrat oder Sumpfkalk und Wasser, mit etwas Zusatz für die Haftung, ist das möglich. Fertige Kalkfarben sind in Verarbeitung und Haftung aber berechenbarer.



