Lehmfarbe

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Lehmfarbe ist eine Wandfarbe mit Ton als Bindemittel. Sie ist diffusionsoffen, nimmt Feuchtigkeit aus der Raumluft auf und gibt sie wieder ab, und sie kommt ohne Kunstharze und meist ohne Konservierungsstoffe aus. Dafür ist sie empfindlicher als Dispersionsfarbe: Sie gehört auf saugende Wände in Wohn- und Schlafräumen, nicht in Flure mit Schuhabdrücken oder hinter die Dusche.
Woraus sie besteht
Lehmfarbe enthält fein aufbereitete Tonminerale als Bindemittel, dazu Füllstoffe wie Kreide, Marmor- oder Quarzmehl, farbgebende Erd- und Mineralpigmente und oft Zellulose. Sie wird entweder als Pulver verkauft, das mit Wasser angerührt wird, oder als gebrauchsfertige Farbe im Eimer. Die Pulverform braucht keine Konservierungsstoffe, weil sie trocken nicht verderben kann. Fertig angemischte Produkte enthalten dagegen meist geringe Mengen, um im Eimer haltbar zu bleiben.
Was sie im Raum bewirkt
Feuchtepuffer. Ton nimmt Wasserdampf aus der Luft auf und gibt ihn wieder ab, wenn die Luft trockener wird. Das dämpft Feuchtespitzen, etwa morgens im Schlafzimmer. Eine dünne Farbschicht hat aber nur begrenzte Wirkung – den größten Effekt hat Lehm als Putz in mehreren Millimetern Stärke.
Diffusionsoffenheit. Die Wand bleibt atmungsaktiv, Feuchte kann aus dem Putz nach innen abtrocknen.
Geruch und Emissionen. Lehmfarbe riecht kaum und gibt nach dem Trocknen praktisch nichts an die Raumluft ab. Für Allergiker und Kinderzimmer wird sie deshalb gern gewählt.
Optik. Die Oberfläche ist tief matt, leicht samtig, mit natürlich wirkenden Farbtönen. Kleine Unregelmäßigkeiten sind gewollt.

Grenzen der Lehmfarbe
Gut geeignet
| Weniger geeignet
|
Lehmfarbe ist nicht wasserfest. Ein nasser Lappen löst sie an, Spritzer hinterlassen Flecken. Sie ist wischbeständig, aber nicht scheuerbeständig. Dafür lässt sie sich punktuell ausbessern, ohne dass Ansätze sichtbar bleiben.
Der richtige Untergrund
Lehmfarbe haftet auf saugenden, mineralischen Untergründen: Lehmputz, Kalkputz, Kalkzementputz, Gipsputz. Auf Gipskarton, Raufaser und alten matten Dispersionsanstrichen braucht sie eine Grundierung, meist eine Lehm-Streichgrundierung mit feinem Quarzsand, die für Griffigkeit und gleichmäßiges Saugen sorgt.
Auf Latex, Lack, Öl- oder Kunstharzfarben hält sie nicht. Diese Schichten müssen vorher entfernt werden. Wie man Latex erkennt, steht unter Latexfarbe überstreichen.
Anrühren und streichen
- Untergrund vorbereiten. Staub, lose Teile und alte Tapetenreste entfernen, Löcher mit mineralischer Spachtelmasse schließen.
- Grundieren, falls nötig, und durchtrocknen lassen.
- Pulver anrühren. Wasser vorlegen, Pulver langsam einstreuen und mit dem Rührquirl klumpenfrei mischen. Dann etwa 30 Minuten quellen lassen und nochmals durchrühren. Die Wassermenge steht auf dem Gebinde.
- Erster Anstrich. Mit Bürste oder Rolle kreuzweise auftragen, zügig arbeiten.
- Trocknen lassen. Mindestens 12 Stunden, bei hoher Luftfeuchte länger.
- Zweiter Anstrich. Gleichmäßig in eine Richtung abrollen oder mit der Bürste strukturiert auftragen.
Angerührte Pulverfarbe hält nur begrenzt, oft ein bis wenige Tage. Rühren Sie nur so viel an, wie Sie verbrauchen. Werkzeug lässt sich mit Wasser reinigen.
Abtönen
Die meisten Hersteller bieten Lehmfarben in fertigen Farbtönen an, von Weiß über Sand- und Ockertöne bis zu Grün und Blau. Selbst abtönen lässt sich mit Erd- und Mineralpigmenten, die vorher in wenig Wasser eingesumpft werden. Die Pigmentmenge ist begrenzt, weil zu viel Pigment die Bindekraft schwächt – die Obergrenze gibt der Hersteller an. Abtönkonzentrate für Dispersionsfarbe sind nicht geeignet.
Mischen Sie für eine Wand immer die ganze benötigte Menge auf einmal an. Nachgemischte Farbe trifft den Ton selten exakt.
Lehmfarbe oder Kalkfarbe
Beide gelten als ökologische, diffusionsoffene Alternativen zur Dispersionsfarbe, unterscheiden sich aber deutlich. Kalkfarbe ist stark alkalisch, wirkt dadurch schimmelhemmend und bindet an der Luft zu einer festen, mineralischen Schicht ab. Sie ist etwas robuster gegen Feuchtigkeit, kann aber beim Streichen die Haut reizen und ist in kräftigen Farbtönen schwieriger. Lehmfarbe ist pH-neutral, angenehm zu verarbeiten und in warmen, erdigen Tönen stark. Dafür bleibt sie wasserlöslich.
Die Faustregel: Kalk für Keller, Bad außerhalb der Spritzzone und schimmelgefährdete Ecken, Lehm für Wohn- und Schlafräume. Beide vertragen sich nicht mit Latex- oder Kunstharzuntergründen und brauchen einen saugfähigen, mineralischen Grund.
Typische Fehler
- Auf nicht saugendem Grund gestrichen. Die Farbe blättert oder kreidet stark ab.
- Grundierung vergessen. Auf Gipskarton entstehen Flecken, weil Spachtelstellen anders saugen.
- Zu dick aufgetragen. Lehmfarbe reißt bei zu dicken Schichten.
- Mit Dispersion verwechselt. Nass abwischen ist bei Lehmfarbe keine gute Idee.
Häufige Fragen
Was kostet Lehmfarbe?
Einfache Produkte kosten etwa 25 bis 40 Euro für 10 bis 12,5 Liter, hochwertige Farben mit besonderen Pigmenten auch 80 bis 100 Euro. Pulverprodukte sind oft günstiger im Verhältnis zur Fläche.
Wie sieht Lehmfarbe aus?
Tief matt, samtig, mit leicht wolkiger Wirkung, besonders bei Bürstenauftrag. Wer eine ganz gleichmäßige Wand möchte, nimmt die Rolle.
Ist Lehmfarbe gegen Schimmel wirksam?
Sie beugt vor, weil sie Feuchte puffert und keine organischen Kunstharze enthält. Gegen eine kalte, nasse Wand hilft aber auch sie nicht. Stärker alkalisch und damit schimmelhemmender ist Kalkfarbe.
Kann ich Lehmfarbe überstreichen?
Ja, mit Lehmfarbe jederzeit. Andere Farben halten auf Lehm schlecht, weil die Oberfläche sandet.



