Zum Inhalt springen
Heimwerker-Berater

Rauhfaserfarbe

Haus & Bauvon Christoph4 Min. · 9 Abschnitte
Inhalt9 Abschnitte
  1. Der Name und die Schreibweise
  2. Was in der Strukturfarbe steckt
  3. Vorteile gegenüber der Tapete
  4. Welche Untergründe geeignet sind
  5. Auftragen: Rolle oder Spritzgerät
  6. Verbrauch und Kosten
  7. Die andere Bedeutung: Farbe für Raufasertapete
  8. Typische Fehler
  9. Häufige Fragen

Unter Rauhfaserfarbe versteht man zweierlei: eine Strukturfarbe mit beigemischten Holzfasern, die an der Wand aussieht wie Raufasertapete – und umgangssprachlich die passende Wandfarbe, um eine vorhandene Raufasertapete zu überstreichen. Beides hat mit Tapezieren nichts mehr zu tun, und genau das ist der Reiz. Dieser Artikel behandelt beide Bedeutungen.

Der Name und die Schreibweise

Die Raufasertapete ist ein Papier mit eingearbeiteten Holzspänen und seit dem 19. Jahrhundert ein Klassiker deutscher Wände. Seit der Rechtschreibreform schreibt man „Raufaser“ ohne h, im Handel und in Suchanfragen hält sich die alte Form „Rauhfaser“ hartnäckig. Gemeint ist dasselbe. Die Farbe, um die es hier zuerst geht, ahmt die Optik der Tapete nach, ohne dass eine Bahn Papier an die Wand muss.

Was in der Strukturfarbe steckt

Rauhfaserfarbe im engeren Sinn ist eine Dispersionsfarbe mit Holzfasern oder Zellulosespänen. Beim Rollen verteilen sich die Fasern auf der Fläche und bilden die typische körnige Struktur. Die Farbe kommt meist gebrauchsfertig im Eimer; manche Produkte werden als Pulver geliefert und mit Wasser angerührt. Verwandt ist die flüssige Rauhfaser, die dicker aufgetragen wird und eher einem dünnen Putz ähnelt. Noch einen Schritt weiter geht Flüssigtapete aus Zellulose- und Textilfasern.

Vorteile gegenüber der Tapete

Dafür
  • kein Kleister, kein Tapeziertisch, keine Nähte
  • Ecken, Nischen, Dachschrägen und Rohre ohne Zuschnitt
  • kleine Risse im Untergrund werden kaschiert
  • ein Arbeitsgang statt tapezieren und streichen
Dagegen
  • Struktur feiner und gleichmäßiger als echte Raufaser
  • später schwer zu entfernen, wie jede Farbschicht
  • teurer je Quadratmeter als Farbe allein
  • ausbessern mit sichtbarem Unterschied möglich

Wer Raufaser vor allem wegen ihrer Fähigkeit mag, kleine Unebenheiten zu verstecken, bekommt mit der Strukturfarbe einen guten Teil davon ohne Tapetenarbeit.

Welche Untergründe geeignet sind

Rauhfaserfarbe haftet auf den meisten tragfähigen Innenflächen: Putz, Gipskarton, Beton, vorhandene Anstriche und fest haftende Tapeten. Voraussetzung ist ein sauberer, trockener, fester Untergrund. Stark oder ungleichmäßig saugende Flächen wie frischer Gipsputz, gespachtelte Gipskartonfugen oder sandende Altanstriche bekommen vorher eine Grundierung, sonst entstehen matte und glänzende Flecken. Wischen Sie mit der flachen Hand über die Wand: Bleibt Staub oder Farbe an der Hand, muss grundiert werden. Fett- und Nikotinflecken werden mit einem Isoliergrund abgesperrt, sonst schlagen sie durch.

Auftragen: Rolle oder Spritzgerät

  1. Abdecken und abkleben. Die Faserfarbe spritzt beim Rollen etwas mehr als normale Farbe.
  2. Gut aufrühren, damit die Fasern gleichmäßig verteilt sind. Sie setzen sich im Eimer schnell ab.
  3. Mit einer langflorigen Rolle auftragen, etwa Lammfell oder Polyamid mit 18 bis 20 mm Flor. Sie nimmt die Fasern gut auf und verteilt sie.
  4. In Bahnen arbeiten, nass in nass, erst quer, dann in einer Richtung ausrollen.
  5. Ecken zuerst mit dem Pinsel vorlegen und die Struktur mit der Rolle nachziehen.
  6. Trocknen lassen und bei Bedarf einen zweiten Anstrich auftragen.

Mit einem Farbsprühsystem geht es schneller, sofern die Düse groß genug für die Fasern ist. Achten Sie auf die Freigabe des Herstellers, sonst verstopft das Gerät.

Verbrauch und Kosten

Strukturfarben brauchen mehr Material als glatte Wandfarben, grob 200 bis 400 ml je Quadratmeter und Anstrich, je nach Produkt und Untergrund. Die Angabe auf dem Eimer ist verbindlich, rechnen Sie zehn Prozent Reserve dazu. Preislich liegen sie über normaler Dispersionsfarbe, bleiben aber günstiger als Tapete plus Kleister plus Anstrich – vor allem, wenn man die Arbeitszeit mitrechnet.

Die andere Bedeutung: Farbe für Raufasertapete

Wer eine vorhandene Raufasertapete überstreicht, braucht keine Spezialfarbe, sondern eine gute Innendispersionsfarbe. Achten Sie auf das Deckvermögen nach DIN EN 13300: Klasse 1 oder 2 deckt in der Regel in ein bis zwei Anstrichen. Billige Farben der Klasse 3 oder 4 brauchen oft einen dritten Gang und sparen am Ende nichts. Für Raufaser eignen sich Rollen mit mittlerem bis langem Flor, damit die Farbe auch in die Vertiefungen zwischen den Spänen kommt. Raufaser verträgt meist fünf bis acht Anstriche, dann wird die Struktur flach und die Tapete sollte runter – wie das geht, steht bei Tapeten ablösen.

Typische Fehler

  • Farbe nicht aufgerührt. Die Fasern liegen am Boden, oben kommt fast glatte Farbe heraus.
  • Zu kurze Rolle. Sie schiebt die Fasern zusammen statt sie zu verteilen.
  • Ansätze angetrocknet. Eine Wand ohne Pause fertig streichen, sonst bleiben Streifen.
  • Ohne Grundierung auf frischem Gipsputz oder Spachtel. Die Fläche wird fleckig.
  • Im Feuchtraum mit normaler Faserfarbe. Für Bad und Küche eher Feuchtraumfarbe wählen.

Häufige Fragen

Kann ich Rauhfaserfarbe auf Raufasertapete streichen?

Ja, die Struktur wird dadurch etwas kräftiger. Die Tapete muss fest sitzen; lose Stellen vorher nachkleben.

Wie bekomme ich die Farbe wieder herunter?

Wie andere Dispersionsfarben: anschleifen oder mit Sanierungsfräse abtragen, oder mit Glättspachtel überziehen. Leichter ist es, sie einfach zu überstreichen oder zu überspachteln.

Ist Rauhfaserfarbe auch für die Decke geeignet?

Ja, gerade dort spart sie viel Mühe, weil das Tapezieren über Kopf entfällt. Arbeiten Sie mit Teleskopstange und Schutzbrille.

Das könnte Sie auch interessieren