Flüssige Rauhfaser
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Flüssige Rauhfaser ist eine Wandfarbe mit eingemischten Holzfasern oder Füllstoffen. Sie wird mit der Rolle aufgetragen und hinterlässt eine Struktur, die der klassischen Rauhfasertapete ähnelt. Tapezieren entfällt, doch die Oberfläche sieht nicht exakt gleich aus – und später wieder herunter bekommt man sie nur mit Mühe.
Was drin ist
Grundlage ist meist eine Dispersionsfarbe. Ihr sind Holzfasern, Zellulose oder mineralische Körnungen beigemischt, die beim Rollen eine unregelmäßige Oberfläche bilden. Hersteller bieten feine, mittlere und grobe Körnungen an; die Angabe steht auf dem Eimer. Manche Produkte sind ohne Konservierungsstoffe wie Isothiazolinone erhältlich, was für Allergiker eine Rolle spielen kann.
Tapete oder flüssig: der Vergleich
| Flüssige Rauhfaser | Rauhfasertapete | |
| Auftrag | rollen, ein Arbeitsgang | zuschneiden, einkleistern, kleben, dann streichen |
| Ecken, Dachschrägen, Heizkörpernischen | einfach | mühsam |
| Struktur | gleichmäßiger, etwas flacher | die bekannte, deutliche Körnung |
| Entfernen | schwierig, nur mit Schleifen oder Abstoßen | einweichen und abziehen |
| Nähte | keine | können sich öffnen |
Wann sie sich lohnt
Flüssige Rauhfaser spielt ihre Stärken bei verwinkelten Räumen aus: Dachschrägen, Treppenhäuser, Nischen hinter Heizkörpern und Flächen mit vielen Steckdosen und Schaltern. Sehr praktisch ist sie auch zum Ausbessern, wenn in einer Rauhfaserwand Löcher gespachtelt wurden und die glatten Stellen wieder Struktur bekommen sollen. Eine Fläche aus einem Guss wird es damit allerdings erst, wenn die ganze Wand gestrichen wird.
Wann nicht
Wer die typische Rauhfaser-Optik exakt erwartet, wird enttäuscht sein: Die Struktur ist flacher und gleichmäßiger. In Mietwohnungen sollten Sie bedenken, dass die Schicht fest mit dem Untergrund verbunden ist. Eine Tapete lässt sich beim nächsten Renovieren einweichen und abziehen, siehe Tapeten ablösen. Die Faserfarbe muss man dagegen überstreichen oder mühsam abschleifen.
Werkzeug und Material
Für ein Zimmer brauchen Sie neben der Faserfarbe eine Lammfell- oder Strukturrolle mit Teleskopstiel, einen Rührquirl für die Bohrmaschine, einen Pinsel für Ecken, ein Abstreifgitter und reichlich Abdeckfolie. Kaufen Sie die ganze benötigte Menge auf einmal, am besten aus einer Charge. Eine nachgekaufte Lieferung kann sich in Farbton oder Körnung leicht unterscheiden, und das sieht man an der Wand, sobald Streiflicht darauf fällt. Da die Masse spritzt, gehören Steckdosen und Schalter abgeklebt, Böden vollständig abgedeckt.
Den Untergrund vorbereiten
Der Untergrund muss sauber, trocken, tragfähig und gleichmäßig saugend sein. Dübellöcher und Risse werden vorher gespachtelt und nach dem Trocknen geschliffen. Die Struktur füllt kleine Unebenheiten, aber keine Löcher und keine Risse, die sich bewegen.
Stark saugende Flächen wie frischer Putz oder Gipskarton bekommen eine Grundierung, sonst trocknet die Farbe fleckig. Auf dunklen oder fleckigen Untergründen hilft ein weißer Voranstrich. Alte Tapeten dürfen nur überstrichen werden, wenn sie fest haften – die Feuchtigkeit der Farbe löst lose Bahnen sonst ab.
Auftragen Schritt für Schritt
- Gründlich aufrühren. Die Fasern setzen sich im Eimer ab. Nur verdünnen, wenn und so weit der Hersteller es erlaubt.
- Ecken und Kanten vorlegen, mit einem Pinsel oder einer kleinen Rolle.
- Mit der Lammfell- oder Strukturrolle arbeiten. Sie nimmt die Fasern gut auf und verteilt sie gleichmäßig. Kurzflorige Rollen streifen die Fasern eher ab.
- Kreuzweise auftragen, erst senkrecht, dann waagerecht verteilen, zum Schluss in eine Richtung abrollen.
- Nass in nass arbeiten und eine Wand ohne Pause fertigstellen. Angetrocknete Ansätze bleiben als Streifen sichtbar.
Bei großen Flächen geht es mit einem Spritzgerät schneller, sofern es für gefüllte Farben geeignet ist, siehe Airlessgerät.
Einmal oder zweimal
Auf gleichmäßigen, hellen Untergründen reicht oft ein Anstrich. Deckt er nicht oder ist die Struktur zu flach, folgt nach dem Trocknen ein zweiter. Der Verbrauch liegt deutlich über dem normaler Wandfarbe, weil die Schicht dicker ist; die Angabe in Quadratmetern je Eimer steht auf dem Gebinde. Später lässt sich die Wand mit normaler Dispersionsfarbe überstreichen, ganz wie eine Rauhfasertapete, siehe Rauhfaserfarbe.
Schimmel und Raumklima
Im Original dieses Beitrags galt flüssige Rauhfaser als schimmelhemmend und luftreinigend. Das ist so pauschal nicht haltbar. Eine diffusionsoffene Beschichtung lässt Feuchtigkeit durch, verhindert aber keinen Schimmel, wenn die Wand zu kalt oder zu feucht ist. Bei Schimmel hilft nur, die Ursache zu beseitigen – meist Wärmebrücken oder zu wenig Lüften. Gegen den Belag selbst gibt es Anti-Schimmel-Farbe.
Typische Fehler
- Nicht aufgerührt. Der erste Teil der Wand bekommt nur Farbe, der letzte nur Fasern.
- Pause mitten in der Wand. Der Ansatz bleibt sichtbar.
- Löcher nicht gespachtelt. Die Struktur deckt sie nicht zu.
- Falsche Rolle. Ohne langen Flor wird die Oberfläche fleckig.
Häufige Fragen
Ist flüssige Rauhfaser teurer als Tapete?
Meist ja, je Quadratmeter liegt sie über Rauhfasertapete und Farbe zusammen. Dafür sparen Sie Kleister und viel Arbeitszeit.
Kann ich sie auf Rauhfasertapete streichen?
Ja, wenn die Tapete fest haftet. Die Struktur wird dadurch etwas voller.
Gibt es Alternativen?
Wer Struktur ohne Tapete möchte, kann zu Rollputz oder feinem Streichputz greifen. Eine ähnliche Idee mit anderer Optik ist die Flüssigtapete.


