Putz filzen: so wird das gemacht!

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Filzen ist der letzte Arbeitsgang beim Verputzen: Die frische, gerade angezogene Putzoberfläche wird mit einem Filz- oder Schwammbrett kreisend überarbeitet. Dabei entsteht die feine, gleichmäßig sandige Struktur, die man von vielen Innenwänden kennt. Alles hängt vom richtigen Zeitpunkt ab – zu früh verschmiert es, zu spät passiert gar nichts mehr.
Was gefilzter Putz ist
Beim Filzen holt das Brett die feinen Sandkörner an die Oberfläche und verteilt das Bindemittel gleichmäßig. Die Wand wird eben, leicht rau und matt. Sie lässt sich direkt streichen oder tapezieren, und kleine Unebenheiten des Unterputzes verschwinden. Gefilzte Oberflächen werden innen wie außen verwendet, außen meist mit Kalkzementputz, innen auch mit Kalk- oder Gipsputz. Der fertige Filzputz als Material wird bei Filzputz genauer beschrieben – hier geht es um die Technik.
Welche Putze sich eignen
Gefilzt werden mineralische Putze mit feiner Körnung, meist bis 0,5 oder 1 mm. Sie werden entweder als eigener dünner Oberputz von 2 bis 5 mm aufgetragen oder der Unterputz selbst wird gefilzt. Gängig sind Kalkputz, Kalkzementputz und maschinengängiger Gipsputz. Kunstharzputze aus dem Eimer eignen sich nicht; sie werden gerieben oder gerollt, nicht gefilzt.
Werkzeug
- Glättkelle aus Edelstahl, zum Auftragen und Verteilen.
- Filzbrett oder Schwammbrett. Das Schwammbrett ist härter und gröber, der Filz feiner. Viele beginnen mit dem Schwamm und gehen mit dem Filz nach.
- Kartätsche oder Richtlatte zum Abziehen größerer Flächen.
- Rührwerk und Mörteleimer, dazu ein Quirl für kleinere Mengen.
- Quast oder Sprühflasche, um die Oberfläche bei Bedarf anzunässen.
- Wasserwaage und Eckkellen für Kanten.
Den Untergrund vorbereiten
Der Unterputz muss fest, sauber und ausreichend trocken sein. Als Faustregel gilt ein Tag Standzeit je Millimeter Putzdicke bei Kalkzementputz, bei 15 mm also gut zwei Wochen. Stark saugende Untergründe werden vorgenässt oder grundiert, damit der Oberputz nicht zu schnell austrocknet. Kanten und Anschlüsse erhalten vorher Eckschutz oder Putzabschlussprofile. Fenster, Böden und Steckdosen werden abgeklebt.
Den Oberputz auftragen
- Anmischen nach Herstellerangabe, klumpenfrei und in der Konsistenz eines dicken Quarks. Nicht mehr anrühren, als Sie in der Verarbeitungszeit schaffen.
- Auftragen mit der Glättkelle in gleichmäßiger Schichtdicke, von oben nach unten.
- Abziehen und glätten, sodass keine Kellenkanten und Grate stehen bleiben.
- Anziehen lassen. Der Putz muss so weit abbinden, dass er beim Filzen nicht mehr verschmiert.
Der richtige Zeitpunkt
Das ist die Stelle, an der sich gute von misslungenen Flächen trennen. Drücken Sie mit dem Daumen auf den Putz: Hinterlässt er eine tiefe, nasse Mulde, ist es zu früh. Gibt er kaum noch nach, bleibt aber ein leichter Abdruck und der Daumen bleibt sauber, ist es Zeit. Je nach Putz, Temperatur, Luftfeuchte und Saugfähigkeit des Untergrunds sind das 20 Minuten bis mehrere Stunden. Bei Sonne oder Zugluft zieht die Fläche ungleichmäßig an, die Ränder schneller als die Mitte – beginnen Sie dann an den trockeneren Stellen.
So wird gefilzt
- Brett leicht anfeuchten, nicht triefend nass.
- In kleinen Kreisen arbeiten, mit gleichmäßigem, leichtem Druck. Das Brett liegt flach auf.
- Überlappend vorgehen, damit keine Übergänge sichtbar werden.
- Bei Bedarf annässen. Ist eine Stelle schon zu trocken, mit der Sprühflasche leicht befeuchten.
- Brett regelmäßig ausspülen, damit sich kein Putz ansammelt, der Striche zieht.
Arbeiten Sie eine Wand immer ohne Unterbrechung durch. Eine Pause mitten in der Fläche bleibt sichtbar, auch unter Farbe.
Nachbehandlung
Frisch gefilzter mineralischer Putz darf nicht zu schnell austrocknen. Im Sommer, bei Wind oder direkter Sonne wird er in den ersten Tagen feucht gehalten, außen mit Netz oder Plane beschattet. Innen reicht es meist, nicht zu heizen und nicht stark quer zu lüften. Gestrichen wird erst, wenn der Putz durchgetrocknet ist, bei Kalkputz eher Wochen als Tage.
Typische Fehler
- Zu früh gefilzt. Das Bindemittel wird an die Oberfläche gezogen, es entstehen glatte, fleckige Stellen und Haarrisse.
- Zu spät gefilzt. Das Brett rutscht nur noch darüber, die Struktur bleibt ungleichmäßig.
- Zu viel Wasser. Nasses Filzen schwemmt Bindemittel aus und macht die Oberfläche mehlig.
- Unterschiedlicher Druck. Die Fläche sieht im Streiflicht wolkig aus.
- Große Fläche allein. Bei mehr als einer Wand braucht es zwei Leute: einer trägt auf, einer filzt.
Was es kostet
Das Material für einen dünnen Oberputz kostet nur wenige Euro je Quadratmeter. Werkzeug für den Einstieg liegt bei 30 bis 60 Euro. Vom Handwerker ausgeführt, hängt der Preis stark von Region, Untergrund und Fläche ab und liegt deutlich höher, weil vor allem Arbeitszeit bezahlt wird.
Häufige Fragen
Kann ich Gipsputz filzen?
Ja, maschinengängige Gipsputze lassen sich filzen, viele werden aber eher geglättet. Die Verarbeitungszeit ist kurz, daher zügig arbeiten.
Muss gefilzter Putz grundiert werden?
Vor dem Streichen meist nicht, sofern er fest und gleichmäßig saugt. Bei sandender Oberfläche oder unterschiedlichem Saugverhalten hilft eine Grundierung.
Filzbrett oder Schwammbrett?
Für die gröbere Struktur und den ersten Gang das Schwammbrett, für eine feinere, dichte Oberfläche das Filzbrett. Beide kosten nur wenige Euro.



