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Heimwerker-Berater

Montagehandschuhe

Haus & Bauvon Christoph4 Min. · 9 Abschnitte
Montagehandschuhe
Inhalt9 Abschnitte
  1. Die vier Ziffern der EN 388 lesen
  2. Welches Material wofür
  3. Weitere Normen, die auf dem Handschuh stehen können
  4. Im Betrieb: Wer entscheidet, wer zahlt
  5. Wann Handschuhe gefährlich werden
  6. Wie lange ein Handschuh hält
  7. Die richtige Größe
  8. Häufige Fragen
  9. Video zum Thema

Montagehandschuhe sitzen enger als Arbeitshandschuhe und lassen mehr Gefühl in den Fingern. Sie sind für Arbeiten gemacht, bei denen man kleine Teile greifen muss – Schrauben setzen, Bauteile fügen, Leitungen verlegen – und trotzdem Schutz vor Schnitten und Abrieb braucht.

Der Unterschied zum groben Bauhandschuh liegt im Handrücken: Der ist bei Montagehandschuhen oft aus elastischem Gewebe, damit die Hand sich frei bewegt.

Die vier Ziffern der EN 388 lesen

Jeder Schutzhandschuh trägt ein Hammer-Symbol mit einer vier- bis fünfstelligen Zahl. Sie sagt genau, wogegen der Handschuh schützt – und in welchem Grad.

StelleWas sie angibtSkala
1.Abriebfestigkeit1–4
2.Schnittfestigkeit (Coup-Test)1–5
3.Weiterreißfestigkeit1–4
4.Durchstichfestigkeit1–4
5. (Buchstabe)Schnittfestigkeit nach ISO 13997A–F

Höher ist nicht automatisch besser. Ein Handschuh mit 4544 schützt gut, ist aber steif – für Feinmontage unbrauchbar. Für die meisten Montagearbeiten reicht ein Wert um 2121 bis 3131.

Der Buchstabe am Ende ist der aussagekräftigere Schnittwert: Der ältere Coup-Test verfälscht bei sehr schnittfesten Materialien, weil die Klinge darin stumpf wird. Wo mit Blech oder Glas gearbeitet wird, achten Sie auf mindestens Stufe C.

Welches Material wofür

Nitrilbeschichtung ist der Standard für Montagearbeiten: griffig auch bei Öl, beständig gegen Fett, und sie lässt die Hand atmen, wenn nur die Handfläche beschichtet ist.

PU-Beschichtung ist dünner und gibt mehr Fingerspitzengefühl. Sie ist die erste Wahl für Elektroarbeiten und Feinmontage, hält aber weniger aus.

Leder ist robust und hitzebeständiger, saugt sich aber mit Feuchtigkeit voll und trocknet langsam. Sinnvoll beim Hantieren mit rauen Kanten und scharfen Blechen.

Vollbeschichtung oder nur Handfläche? Vollbeschichtete Handschuhe schützen rundum, aber die Hand schwitzt. Für längeres Tragen ist die Teilbeschichtung angenehmer.

Weitere Normen, die auf dem Handschuh stehen können

NormWogegenErkennbar an
EN 388mechanische RisikenHammer-Symbol, 4–5 Zeichen
EN 511KälteSchneeflocke, 3 Ziffern
EN 407Hitze und FeuerFlamme, 6 Ziffern
EN ISO 374ChemikalienErlenmeyerkolben

Für normale Montagearbeiten genügt die EN 388. Die übrigen Normen werden relevant, wenn heiße Teile, Kältemittel oder Lösungsmittel ins Spiel kommen – ein nitrilbeschichteter Montagehandschuh ist kein Chemikalienschutz, auch wenn er kurzzeitig Öl abhält.

Im Betrieb: Wer entscheidet, wer zahlt

Ob im Betrieb Handschuhe getragen werden müssen, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung. Die erstellt der Arbeitgeber – in der Praxis meist mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit – für jeden Arbeitsplatz. Steht dort eine Gefährdung der Hände, ist der Schutz Pflicht.

Die Kosten trägt der Arbeitgeber. Persönliche Schutzausrüstung wird kostenfrei zur Verfügung gestellt, das gilt auch für Leiharbeiter und Praktikanten. Der Arbeitnehmer muss sie im Gegenzug benutzen und Mängel melden.

Wann Handschuhe gefährlich werden

An rotierenden Maschinen – Ständerbohrmaschine, Drehbank, Kreissäge – sind Handschuhe verboten. Wird der Stoff erfasst, zieht die Maschine die Hand mit hinein. Was ohne Handschuh eine Schürfwunde wäre, wird damit zur schweren Verletzung.

Ausgemusterte Handschuhe erkennen Sie an durchgescheuerten Fingerkuppen und rissiger Beschichtung: Beides lässt Späne und Flüssigkeiten durch, ohne dass man es merkt.

Wie lange ein Handschuh hält

Eine feste Frist gibt es nicht – entscheidend ist der Zustand. Bei täglichem Einsatz in der Montage sind zwei bis vier Wochen realistisch, bei gelegentlicher Nutzung deutlich länger.

Ersetzen sollten Sie, sobald eines davon zutrifft:

  • Die Beschichtung ist an den Fingerkuppen durchgescheuert.
  • Das Futter ist an einer Stelle steif und verhärtet (meist Öl oder Kleber).
  • Der Handschuh riecht dauerhaft – dann sitzen Keime im Futter.
  • Eine Naht ist offen: Dort greift kein Schutzwert mehr.

Zwei Paare im Wechsel halten deutlich länger als eines durchgehend, weil jedes zwischendurch durchtrocknen kann.

Die richtige Größe

Die Größen 6 bis 12 leiten sich vom Handumfang ab, gemessen über den Knöcheln ohne Daumen. Zu große Handschuhe falten sich in der Handfläche und kosten Griff; zu enge schnüren ab und ermüden die Hand. Die Fingerkuppen sollten das Ende gerade erreichen.

GrößeHandumfangEntspricht etwa
7ca. 18 cmS
8ca. 20 cmM
9ca. 22 cmL
10ca. 25 cmXL
11ca. 27 cmXXL

Messen Sie mit einem Maßband um die Handfläche über den Knöcheln, ohne den Daumen. Bei Werten zwischen zwei Größen entscheidet die Arbeit: Für Feinmontage die kleinere, für grobe Arbeiten die größere.

Häufige Fragen

Was unterscheidet Montagehandschuhe von normalen Arbeitshandschuhen?

Der Schnitt. Montagehandschuhe sitzen körpernah und sind an den Fingerkuppen dünner, damit man Kleinteile greifen kann. Arbeitshandschuhe sind weiter und robuster, geben dafür weniger Gefühl.

Kann ich Montagehandschuhe waschen?

Textile mit Beschichtung meist bei 40 Grad, aber jede Wäsche kostet Schutzwirkung – die Beschichtung wird spröde. Lederhandschuhe gehören nicht in die Maschine. Bei sicherheitsrelevanten Arbeiten lieber ersetzen als waschen.

Schützen Montagehandschuhe vor Strom?

Nein. Dafür gibt es Handschuhe nach EN 60903 mit eigener Prüfung und Spannungsklasse. Ein Montagehandschuh mit Nitrilbeschichtung isoliert nicht zuverlässig.

Gibt es Montagehandschuhe für den Winter?

Ja, gefüttert und nach EN 511 geprüft. Die Zahl dort steht für Konvektionskälte, Kontaktkälte und Wasserdichtheit. Sie sind dicker und kosten Fingerspitzengefühl – für Feinmontage bei Frost bleibt das ein Kompromiss.

Video zum Thema

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