Der neue Wintergarten: Planung, Durchführung & Kreditfinanzierung

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Ein Wintergarten ist ein Anbau aus Glas, und wie jeder Anbau braucht er Planung, Fundament und meist eine Baugenehmigung. Die wichtigste Entscheidung fällt ganz am Anfang: Soll er ein unbeheizter Kaltwintergarten werden oder ein beheizter Wohnraum? Davon hängen Glas, Profile, Kosten und Finanzierung ab – und die Frage, ob Sie ihn im Juli überhaupt betreten können.
Kaltwintergarten oder Wohnwintergarten
Der Kaltwintergarten ist unbeheizt oder wird nur frostfrei gehalten. Er verlängert die Terrassensaison, dient als Pufferzone vor dem Haus und ist ein guter Ort zum Überwintern von Kübelpflanzen. Einfachere Profile und Verglasungen genügen, die Kosten bleiben überschaubar.
Der Wohnwintergarten wird ganzjährig beheizt und ist Teil der Wohnfläche. Er braucht wärmegedämmte Profile, Isolierglas mit gutem Dämmwert, eine thermisch getrennte Konstruktion und eine Heizung. Für beheizte Anbauten gelten die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes. Das macht ihn deutlich teurer, aber auch vielseitiger.
Eine Mischform ist nicht zu empfehlen: Wer einen Kaltwintergarten später dauerhaft beheizt, heizt durch dünnes Glas zum Fenster hinaus und riskiert Tauwasser an den Profilen.

Die Himmelsrichtung
Ein Wintergarten nach Süden ist im Winter angenehm und im Sommer ohne Beschattung unbenutzbar. Unter einem Glasdach steigt die Temperatur an sonnigen Tagen schnell weit über die Außentemperatur. Ost und West sind oft der bessere Kompromiss: Morgen- oder Abendsonne, weniger Überhitzung zur Mittagszeit. Ein Wintergarten nach Norden bekommt gleichmäßiges Licht und bleibt im Sommer kühl, trägt im Winter aber kaum etwas zur Erwärmung bei.
Beschattung und Lüftung
Egal wie er ausgerichtet ist: Ohne Beschattung und Lüftung funktioniert kein Wintergarten. Außenliegende Beschattung auf dem Dach hält die Sonne ab, bevor sie das Glas erwärmt, und ist deutlich wirksamer als Rollos innen. Mehr dazu unter Wintergartenbeschattung. Für die Lüftung braucht es Öffnungen unten und oben, damit die warme Luft durch das Dach abziehen kann und kühlere nachströmt. Automatische Dachfenster mit Temperatursensor sind keine Spielerei, sondern verhindern, dass sich der Raum an einem Arbeitstag unbemerkt aufheizt.
Baugenehmigung und Nachbarn
Ein Wintergarten ist ein Anbau und in den meisten Bundesländern genehmigungspflichtig. Ausnahmen gibt es teils für kleine, unbeheizte Konstruktionen, aber die Regeln sind Ländersache. Zu klären sind außerdem Abstandsflächen zur Grundstücksgrenze, die Vorgaben des Bebauungsplans und bei Eigentumswohnungen die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft. Fragen Sie beim Bauamt, bevor Sie Angebote einholen, damit Sie nicht einen Wintergarten planen, der so nicht gebaut werden darf.
Fundament und Boden
Der Wintergarten braucht ein tragfähiges, frostfreies Fundament, in der Regel eine Bodenplatte mit umlaufender Frostschürze oder ein Streifenfundament, das in Deutschland meist etwa 80 cm tief reicht. Darauf kommen Abdichtung gegen Erdfeuchte und beim Wohnwintergarten eine Wärmedämmung unter dem Estrich. Wer auf einer vorhandenen Terrasse bauen will, muss prüfen lassen, ob deren Unterbau das Gewicht trägt – das ist oft nicht der Fall. Wie eine Bodenplatte aufgebaut wird, steht unter Aufbau einer Bodenplatte.

Glas und Profile
Für das Dach gilt: Glas über Kopf muss so ausgeführt sein, dass Bruchstücke nicht herabfallen. Die untere Scheibe einer Überkopfverglasung ist deshalb in der Regel Verbundsicherheitsglas. Sonnenschutzglas reduziert die Aufheizung, nimmt aber auch im Winter Licht und Wärme weg.
Bei den Profilen stehen Holz, Aluminium, Kunststoff und Kombinationen zur Wahl. Aluminium ist stabil und wartungsarm, muss für beheizte Wintergärten aber thermisch getrennt sein. Holz sieht warm aus und dämmt gut, braucht aber regelmäßige Pflege. Holz-Aluminium verbindet die Vorteile und ist entsprechend teurer.
Was ein Wintergarten kostet
Einfache Bausätze für Kaltwintergärten gibt es schon für unter 4000 Euro. Realistisch sollten Sie für einen kleinen Kaltwintergarten mit Fundament und Montage aber mindestens 10.000 Euro einplanen. Wohnwintergärten vom Fachbetrieb kosten ein Vielfaches davon, je nach Größe, Ausstattung und Beschattung schnell mehrere zehntausend Euro. Rechnen Sie alle Posten zusammen: Planung und Genehmigung, Fundament, Konstruktion, Verglasung, Beschattung, Lüftung, Heizung, Elektrik, Bodenbelag und Anschluss an das Haus.
Planen Sie einen Puffer von 10 bis 20 Prozent ein. Bei Anbauten kommen fast immer Überraschungen hinzu, etwa beim Anschluss an eine alte Fassade oder bei schlechtem Baugrund.
Die Finanzierung
Kleinere Summen lassen sich aus Rücklagen oder mit einem Modernisierungskredit ohne Grundschuld finanzieren. Er ist schnell verfügbar, hat aber meist höhere Zinsen. Bei größeren Beträgen ist eine Finanzierung mit Eintragung einer Grundschuld oft günstiger, dafür fallen Notar- und Grundbuchkosten an. Wer einen Bausparvertrag hat, kann ihn einsetzen, und bei laufender Baufinanzierung lohnt die Frage nach einer Aufstockung. Vergleichen Sie immer den effektiven Jahreszins und die Gesamtkosten, nicht nur die Monatsrate. Mehr zu den Kreditformen steht im Beitrag Baufinanzierung für Renovierungsarbeiten.
Ein Wintergarten erhöht den Wert der Immobilie, aber nicht zwangsläufig um seine Baukosten. Finanzieren Sie ihn deshalb so, dass Sie ihn sich auch dann leisten können, wenn Sie das Haus in einigen Jahren verkaufen.
Die Alternative: das Gartenhaus
Wer vor allem einen geschützten Platz im Grünen sucht und keinen Wohnraum braucht, fährt mit einem Gartenhaus oder einer Terrassenüberdachung mit Seitenwänden oft günstiger. Beide brauchen kein aufwendiges Fundament und in vielen Fällen keine Baugenehmigung. Hinweise dazu finden Sie im Ratgeber Gartenhaus und unter Glas-Schiebetüren bei Terrassenüberdachungen.

Häufige Fragen
Kann ich einen Wintergarten selbst bauen?
Einen Kaltwintergarten aus dem Bausatz ja, mit handwerklicher Erfahrung und Helfern. Fundament und Anschluss ans Haus sollten sorgfältig geplant sein. Wohnwintergärten gehören in die Hände eines Fachbetriebs.
Wie verhindere ich Tauwasser?
Durch gute Lüftung, thermisch getrennte Profile und eine Heizung, die die Glasflächen im Winter nicht auskühlen lässt.



