Zum Inhalt springen
Heimwerker-Berater

Balkonmarkisen

Haus & Bauvon Christoph5 Min. · 11 Abschnitte
Balkonmarkisen
Inhalt11 Abschnitte
  1. Was eine Balkonmarkise leistet
  2. Die Bauarten im Überblick
  3. Klemmmarkise: ohne Bohren
  4. Fallarm- und Senkrechtmarkise
  5. Gelenkarm und Kassette
  6. Das Tuch entscheidet über die Lebensdauer
  7. Wind, Regen und die Windklasse
  8. Montage und Befestigung
  9. Mietwohnung und Eigentum
  10. Pflege
  11. Häufige Fragen

Eine Balkonmarkise macht einen Südbalkon im Hochsommer überhaupt erst benutzbar. Welche Bauart passt, entscheidet sich weniger am Geschmack als an drei Fragen: Darf gebohrt werden, wie tief ist der Balkon, und gibt es eine Decke darüber?

Was eine Balkonmarkise leistet

Eine Markise wirft Schatten, senkt die Temperatur auf dem Balkon spürbar und hält einen Teil der Hitze von den Fenstern dahinter fern. Ein guter Tuchstoff blockt den größten Teil der UV-Strahlung. Gegen Regen hilft sie nur bedingt: Bei Schauern schützt sie kurz, bei Dauerregen sammelt sich Wasser im Tuch, und das hält keine Markise auf Dauer aus. Bei Wind gehört jede Markise eingefahren.

Die Bauarten im Überblick

BauartMontageGeeignet für
Klemmmarkisezwischen Boden und Decke geklemmtMietwohnung mit Balkon darüber
Fallarmmarkisean Wand oder BrüstungSchatten und Sichtschutz nach vorn
Gelenkarmmarkisean Wand oder Decketiefe Balkone und Terrassen
Kassettenmarkisewie Gelenkarm, Tuch im Gehäuselanger Tuchschutz, wetterexponiert
Senkrechtmarkisean Wand oder Geländertief stehende Sonne, seitlicher Schutz
Freistehende Markiseohne WandbefestigungDachterrassen ohne Bohrmöglichkeit

Klemmmarkise: ohne Bohren

Die Klemmmarkise steht auf zwei Stützen, die zwischen Balkonboden und der Decke darüber verspannt werden. Das Tuch läuft über eine Welle, die per Kurbel ausgefahren wird. Weil nichts gebohrt wird, ist sie in Mietwohnungen die übliche Lösung. Voraussetzung ist eine Decke über dem Balkon – auf dem obersten Stock ohne Überdachung funktioniert sie nicht. Die Stützen passen meist für Raumhöhen von etwa 2 bis 3,5 m; die genaue Spanne steht beim Modell.

Fallarm- und Senkrechtmarkise

Bei der Fallarmmarkise klappen zwei Arme vorn nach unten, das Tuch hängt schräg vor dem Balkon. Sie schützt vor tief stehender Sonne und bietet zugleich Sichtschutz, braucht aber wenig Tiefe. Die Vertikalmarkise geht noch einen Schritt weiter: Sie rollt senkrecht ab wie ein Rollo und schirmt die Seite oder die ganze Front ab.

Große Balkonmarkise
Große Balkonmarkise | Foto: ronstik / Depositphotos.com

Gelenkarm und Kassette

Die Gelenkarmmarkise ist die klassische Terrassenmarkise: Federnde Knickarme schieben das Tuch waagerecht nach vorn, Ausfall von 1,5 bis 3 m und mehr sind möglich. Sie braucht eine tragfähige Wand oder Decke, weil die Arme erhebliche Kräfte auf die Konsolen übertragen. Bei der Kassettenmarkise verschwinden Tuch und Arme im eingefahrenen Zustand in einem geschlossenen Gehäuse. Das schützt vor Schmutz, Laub und Vogelkot und verlängert die Lebensdauer des Tuchs. Halbkassetten schützen nur von oben.

Für besondere Lagen gibt es noch die Pergolamarkise auf eigenem Gestell, die Seilspannmarkise für Liebhaber des Handbetriebs und die Standmarkise, die ganz ohne Befestigung am Haus auskommt.

Das Tuch entscheidet über die Lebensdauer

Hochwertige Markisentücher bestehen aus spinndüsengefärbtem Polyacryl. Die Farbe steckt dabei in der Faser selbst, nicht nur auf der Oberfläche, und bleicht deshalb kaum aus. Übliche Tücher wiegen rund 290 bis 320 g/m². Polyestertücher sind günstiger und leichter, bleichen aber schneller aus. Eine Imprägnierung macht das Tuch wasser- und schmutzabweisend, aber nicht wasserdicht.

Auf den UV-Schutz achten: Viele Tücher erreichen einen Schutzfaktor von 50 und mehr. Dunkle Tücher schützen besser vor UV, heizen sich aber auf; helle wirken freundlicher, lassen aber mehr Licht durch.

Wind, Regen und die Windklasse

Markisen werden nach DIN EN 13561 in Windwiderstandsklassen von 0 bis 3 eingeteilt. Klasse 0 bedeutet keine geprüfte Windfestigkeit, Klasse 2 und 3 halten deutlich mehr aus. Keine Klasse heißt, dass die Markise bei Sturm draußen bleiben darf. Ein Windwächter, der bei Böen automatisch einfährt, ist bei Motorantrieb eine sinnvolle Ergänzung – und rettet die Markise, wenn niemand zu Hause ist.

Bei Regen muss das Wasser ablaufen können. Dafür braucht das Tuch eine ausreichende Neigung; eine flach eingestellte Markise bildet einen Wassersack, der Tuch und Arme verbiegt.

Montage und Befestigung

Klemmmarkisen stellen Heimwerker selbst auf: Stützen einstellen, verspannen, Markise einhängen. Bei allen gebohrten Varianten entscheidet die Befestigung. Beton hält viel, Porenbeton und Lochziegel brauchen spezielle Dübel oder Injektionsmörtel. Bei einer gedämmten Fassade sitzt unter dem Putz eine weiche Dämmschicht; dort helfen nur Abstandsmontagesysteme, die durch die Dämmung ins tragende Mauerwerk reichen. Eine große Gelenkarmmarkise sollte ein Fachbetrieb montieren – die Montage kostet dann je nach Aufwand meist bis etwa 200 Euro.

Ein Motor erfordert einen Stromanschluss im Außenbereich; der ist Sache der Elektrofachkraft.

Mietwohnung und Eigentum

Bohren in die Fassade verändert die Gebäudesubstanz und braucht im Mietverhältnis die Zustimmung des Vermieters. Auch Farbe und Form können vorgegeben sein, damit die Fassade einheitlich bleibt. Bei Eigentumswohnungen entscheidet oft die Gemeinschaft über eine einheitliche Gestaltung. Klemmmarkisen und freistehende Lösungen sind die unkomplizierten Varianten, weil sie keine Spuren hinterlassen.

Pflege

Das Tuch nur trocken aufrollen, sonst droht Stockfleckigkeit. Wurde es nass eingefahren, bei nächster Gelegenheit ausfahren und trocknen lassen. Schmutz und Vogelkot mit weicher Bürste und lauwarmem Wasser entfernen, ohne Hochdruckreiniger – der zerstört die Imprägnierung. Gelenke und Kurbelgetriebe einmal im Jahr prüfen, Schrauben der Konsolen nachziehen. Über den Winter bleibt das Tuch eingefahren oder wird bei Klemmmarkisen ganz abgebaut.

Häufige Fragen

Was kostet eine Balkonmarkise?

Einfache Klemmmarkisen gibt es ab etwa 100 Euro, solide Gelenkarmmarkisen ab einigen hundert Euro. Kassettenmarkisen mit Motor und Windwächter kosten 1.000 Euro und mehr. Einen breiteren Überblick gibt Markisen für Garten, Balkon und Terrasse.

Welche Breite brauche ich?

So breit wie der Bereich, der beschattet werden soll, plus etwas Zugabe, weil die Sonne wandert. Die Ausfalltiefe richtet sich nach der Balkontiefe.

Kann ich die Markise selbst montieren?

Klemm- und freistehende Modelle ja. Gelenkarm- und Kassettenmarkisen sind schwer und müssen sicher verankert werden; ohne Erfahrung mit Schwerlastdübeln ist der Fachbetrieb die bessere Wahl.

Das könnte Sie auch interessieren