Glattputz

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Glattputz ergibt eine ebene, fast strukturlose Wandoberfläche, die gestrichen oder tapeziert werden kann. Er verlangt mehr Übung als ein Strukturputz, weil er nichts versteckt: Jede Kellenspur, jede Delle und jeder Ansatz ist später im Streiflicht zu sehen. Mit der richtigen Vorbereitung und etwas Geduld gelingt er aber auch Heimwerkern.
Was Glattputz ist
Unter dem Begriff laufen mehrere Produkte. Im engeren Sinn ist Glattputz ein feinkörniger Putz, meist auf Gips-, Kalk- oder Kalkzementbasis, der nach dem Auftragen mit der Glättkelle oder dem Flächenspachtel geglättet wird. Die Körnung ist sehr fein, oft unter einem Millimeter. Im Heimwerkermarkt heißen auch Flächenspachtel und Glättspachtel gern Glattputz; sie werden dünner aufgetragen und dienen vor allem dazu, bestehende Wände zu glätten.
Glattputz und Reibeputz
Beim Reibeputz enthält der Mörtel ein Grobkorn, das beim Verreiben Rillen oder Kratzspuren erzeugt, siehe Reibeputz. Er verzeiht Unebenheiten und ist robust. Glattputz hat keine solche Körnung; die Fläche wird glatt gezogen und oft nachgefilzt oder geschliffen. Die Wirkung ist moderner und ruhiger, verlangt aber einen ebenen Untergrund und saubere Arbeit.
Wo er hingehört
Glattputz ist vor allem ein Putz für Innenräume: Wohnräume, Schlafzimmer, Flure. Gipsglattputze regulieren die Raumfeuchte, gehören aber nicht in Nassbereiche. Für Bäder und Küchen gibt es Kalk- oder Kalkzementputze, die Feuchte besser vertragen. Außen werden glatte Oberflächen meist mit mineralischen oder kunstharzgebundenen Oberputzen erzeugt, die auf das jeweilige Putzsystem abgestimmt sind, siehe Außenwand verputzen.
Die Qualitätsstufen
| Q1 | geschlossene Fläche, für Fliesen oder Verkleidungen |
| Q2 | Standard, für grobe Tapeten und strukturierte Anstriche |
| Q3 | erhöhte Anforderungen, für feine Tapeten und matte Anstriche |
| Q4 | höchste Stufe, vollflächig geglättet, für Glanz und Streiflicht |
Wer glatt und matt streichen will, braucht mindestens Q3. Die Stufe sollte vor Beginn feststehen, bei Handwerkern auch im Angebot. Der Unterschied zwischen Q2 und Q4 ist erheblich, beim Aufwand wie beim Preis.
Vor- und Nachteile
Dafür
| Dagegen
|
Den Untergrund vorbereiten
Die Wand muss tragfähig, sauber und trocken sein. Lose Putzstellen abklopfen, alte Tapeten entfernen, Kalkfarben abwaschen. Löcher und größere Ausbrüche vorher mit Putz oder Spachtel füllen und trocknen lassen. Anschließend eine Grundierung passend zum Untergrund: Tiefgrund für stark saugende Flächen, Haftgrund mit Quarzsand für glatte Flächen wie Beton oder alte Lackanstriche. Ohne sie haftet der Putz schlecht oder trocknet zu schnell.

Schritt für Schritt
- Anrühren. Das Pulver in sauberes Wasser einstreuen, mit dem Rührquirl klumpenfrei mischen, kurz reifen lassen und noch einmal durchrühren. Nur so viel anmischen, wie Sie in der Verarbeitungszeit schaffen.
- Auftragen. Mit der Glättkelle von unten nach oben in gleichmäßiger Schicht aufziehen. Ecken und Kanten zuerst, dann die Fläche.
- Abziehen. Mit einer langen Richtlatte oder einem Flächenspachtel die Fläche ebnen, überschüssiges Material abnehmen.
- Glätten. Sobald der Putz angezogen hat – er glänzt nicht mehr und gibt auf Fingerdruck kaum nach –, mit der Kelle in flachem Winkel glätten. Bei Gipsputz nach Herstellerangabe eventuell anfeuchten und ein zweites Mal glätten.
- Trocknen lassen. Nicht heizen, nicht kräftig lüften, keine Zugluft. Zu schnelles Trocknen gibt Risse.
Nach dem Durchtrocknen können kleine Grate mit Schleifgitter entfernt werden, siehe Putz schleifen.
Verbrauch und Kosten
Als Faustwert rechnen Sie bei Gipsputzen mit rund 1 kg Trockenmörtel je Quadratmeter und Millimeter Schichtdicke; die genaue Angabe steht auf dem Sack. Bei 3 mm Schichtdicke sind das etwa 3 kg je Quadratmeter, eine dünne Glättspachtelung braucht deutlich weniger. Ein Sack Glattputz oder Flächenspachtel kostet je nach Größe und Marke meist 15 bis 50 Euro.
Selbst machen oder Profi
Kleine Flächen, Ausbesserungen und Wände, die später tapeziert werden, sind gut für Heimwerker machbar. Für große, glatt gestrichene Wände in Q4 lohnt sich der Stuckateur, denn der Unterschied zwischen ordentlich und perfekt liegt in jahrelanger Übung. Eine Zwischenlösung ist eine Glattvliestapete, die kleinere Unebenheiten ausgleicht.
Typische Fehler
- Keine Grundierung. Der Putz verdurstet, bekommt Risse oder löst sich.
- Zu früh geglättet. Die Oberfläche wird schmierig und wellig.
- Zu spät geglättet. Der Putz ist hart, die Kelle kratzt.
- Zu schnell getrocknet. Heizlüfter und Zugluft machen feine Risse.
Häufige Fragen
Kann ich Glattputz außen verwenden?
Innenglattputz auf Gipsbasis nicht. Außen braucht es witterungsbeständige Oberputze, die zum Putzsystem der Fassade passen.
Wann kann ich streichen?
Nach dem vollständigen Durchtrocknen, bei Gipsputz je nach Schichtdicke und Raumklima meist nach einigen Tagen bis zwei Wochen.
Kann ich auf alte Fliesen putzen?
Mit einem geeigneten Haftgrund ist das möglich, bei Fliesen im Bad aber selten sinnvoll. Oft ist es einfacher, die Fliesen zu entfernen.



