Kalkzementputz

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Kalkzementputz ist der Standardputz im Wohnungsbau: Kalk macht ihn geschmeidig und diffusionsoffen, Zement macht ihn fest und witterungsbeständig. Er ist innen wie außen einsetzbar, auch in Küche, Bad und Keller – überall dort, wo Gipsputz an seine Grenzen kommt. Meist dient er als Unterputz, auf den ein Oberputz oder Anstrich folgt.
Eigenschaften
| Bindemittel | Kalkhydrat und Zement in wechselnden Anteilen |
| Festigkeit | meist Klasse CS II nach DIN EN 998-1, früher Putzgruppe P II |
| Einsatz | innen und außen, als Unter- und teils als Oberputz |
| Schichtdicke | innen üblich um 15 mm, außen um 20 mm |
| Trocknung | Faustregel ein Tag je Millimeter vor dem Überarbeiten |
Kalkzement oder Gips?
Gipsputz lässt sich leichter glätten und ist innen der bequemere Putz für trockene Räume. Kalkzementputz ist feuchtebeständig, härter und kann außen eingesetzt werden. Er ist die richtige Wahl für Räume mit Feuchtebelastung, als Untergrund für Fliesen im Nassbereich und für jede Fassade. Wer innen nur schnell eine Wand glätten will, findet unter Haftputz die gipsgebundene Alternative.
Geeignete Untergründe
Kalkzementputz haftet auf Ziegel, Kalksandstein, Beton, Porenbeton und Mischmauerwerk. Der Untergrund muss tragfähig, sauber und frostfrei sein. Stark saugende Steine wie Porenbeton werden vorgenässt oder mit einer passenden Grundierung vorbehandelt. Glatter Beton braucht einen Spritzbewurf oder eine Haftbrücke. Nicht geeignet sind Holz, Gipsuntergründe und alte Anstriche ohne Vorbehandlung.
Arten
Es gibt Kalkzementputz als Unterputz mit gröberer Körnung, als Leichtputz mit leichten Zuschlägen für Wärmedämmsteine und als Oberputz in feinerer Körnung, der gefilzt oder strukturiert werden kann. Für Maschinenverarbeitung gibt es eigene Maschinenputze, die sich mit der Verputzmaschine fördern lassen.
Vorbereitung
- Untergrund säubern, lose Teile entfernen, Fugen über 5 mm vorab schließen. Aus Mauerwerksfugen herausquellender Mörtel wird abgestoßen, Nägel, Dübel und Metallteile entfernt oder mit Rostschutz versehen.
- Grundieren oder vornässen, je nach Saugfähigkeit.
- Profile setzen: Eckschutzschienen an Kanten, Putzabschlussprofile an Übergängen, bei Bedarf Putzschienen als Lehren. Sie werden mit Putzbatzen angesetzt und ausgerichtet.
- Temperatur prüfen: mindestens 5 °C für Luft, Untergrund und Material, auch in der Nacht danach.
Anrühren und auftragen
Der Trockenmörtel wird mit der angegebenen Wassermenge klumpenfrei angerührt. Die Verarbeitungszeit liegt je nach Produkt und Wetter oft bei 30 bis 45 Minuten, bei manchen Produkten auch länger.
Aufgetragen wird mit der Kelle oder der Maschine, von unten nach oben, zunächst in Laibungen und an Kanten, dann in der Fläche. Die Schicht wird etwas dicker aufgetragen als das Sollmaß. Bei Schichten über etwa 20 mm wird in zwei Lagen gearbeitet: Die erste Lage wird aufgeraut und muss anziehen, bevor die zweite folgt. Zu dicke Einzellagen sacken ab oder reißen. Mit der Kartätsche ziehen Sie über die Profile ab, Mulden füllen Sie nach und ziehen erneut ab.

Armierung an Öffnungsecken
An den Ecken von Fenster- und Türöffnungen entstehen Spannungen, die zu diagonalen Rissen führen. Deshalb werden dort Gewebestreifen, etwa 30 × 25 cm groß, diagonal in den frischen Putz eingebettet. Bei Mischmauerwerk, Materialwechseln und Rollladenkästen empfiehlt sich ein Armierungsgewebe über den ganzen Übergang.
Oberfläche: rabotieren, filzen, glätten
Kommt ein Oberputz darauf, wird der angesteifte Unterputz mit dem Rabot oder Gitterrabot eben geschnitten und aufgeraut. So haftet die nächste Schicht besser. Soll der Kalkzementputz selbst die Oberfläche bilden, wird er nach dem Anziehen gefilzt, siehe Putz filzen, oder mit der Glättkelle verdichtet.
Trocknen und Standzeiten
Rechnen Sie mit etwa einem Tag Standzeit je Millimeter Putzdicke, bevor Oberputz oder Anstrich folgen – bei 15 mm also gut zwei Wochen, bei kühlem, feuchtem Wetter länger. Der Putz muss in den ersten Tagen vor Sonne, Wind und Schlagregen geschützt und bei Bedarf feucht gehalten werden. Zu schnelles Austrocknen erzeugt Schwindrisse, Frost zerstört den frischen Putz. Im Innenraum hilft gleichmäßiges Lüften mehr als Heizen: Fenster regelmäßig öffnen, damit die Feuchte abziehen kann, aber keine Heizlüfter direkt auf die Wand richten. Ein Bautrockner ist in den ersten Tagen eher schädlich und erst sinnvoll, wenn der Putz angezogen hat.
Welche Farbe darauf?
Kalkzementputz verträgt diffusionsoffene Anstriche am besten: Silikatfarbe, Dispersionssilikatfarbe, Silikonharzfarbe und Kalkfarbe. Dispersionsfarbe geht innen ebenfalls, macht die Oberfläche aber dichter. Außen sollte die Farbe zur Putzfestigkeit passen, eine Grundierung gleicht die Saugfähigkeit an.
Die Nachteile von Kalkzementputz
So vielseitig der Putz ist – er hat Schwächen, die man vor der Entscheidung kennen sollte:
- Hart und spröde. Der Zementanteil macht den Putz fest, aber wenig elastisch. Auf weichem oder arbeitendem Untergrund wie altem Bruchsteinmauerwerk, Fachwerk oder Lehm entstehen Risse und Hohlstellen. Dort gehört ein weicherer Kalk- oder Lehmputz hin. Die Regel lautet: Der Putz darf nie härter sein als sein Untergrund.
- Schwerer zu verarbeiten als Gips. Er lässt sich nicht so glatt ziehen, die Oberfläche bleibt körniger, und für tapezierfähige Wände ist ein Feinputz oder eine Spachtelung nötig.
- Lange Standzeit. Zwei Wochen und mehr, bevor gestrichen oder gefliest wird, bremsen jede Renovierung. Gipsputz ist nach wenigen Tagen so weit.
- Schwindrisse. Zu dick, zu schnell getrocknet oder zu nass angerührt, reißt Kalkzementputz netzartig.
- Weniger Feuchteausgleich als reiner Kalkputz. Er ist diffusionsoffen, puffert Luftfeuchte aber schlechter als Kalk- oder Lehmputz.
- Kein Mittel gegen nasse, salzbelastete Wände. Im feuchten Altbaukeller blüht und sandet er nach wenigen Jahren ab; dafür gibt es Sanierputz.
- Alkalisch im frischen Zustand. Der nasse Mörtel reizt Haut und Augen stark. Handschuhe und Schutzbrille sind Pflicht.
Keiner dieser Nachteile spricht gegen den Putz an sich. Sie sprechen dagegen, ihn überall einzusetzen: Im trockenen Wohnraum ist Gips bequemer, im historischen Gebäude ist Kalk schonender.
Häufige Fragen
Was kostet Kalkzementputz?
Ein Sack mit 25 bis 30 kg kostet im Baustoffhandel meist etwa 8 bis 15 Euro. Der Verbrauch liegt grob bei 1,3 bis 1,5 kg je Quadratmeter und Millimeter; eine 15 mm dicke Putzschicht braucht also um 20 kg je Quadratmeter.
Kann ich Kalkzementputz selbst auftragen?
Kleine Flächen und Ausbesserungen gelingen mit Übung. Für ganze Fassaden lohnt ein Fachbetrieb mit Maschine und Gerüst. Hinweise zur Fassade stehen unter Eine Außenwand verputzen.
Brauche ich eine Grundierung?
Bei stark oder ungleichmäßig saugenden Untergründen ja, bei glattem Beton eine Haftbrücke. Normal saugendes Mauerwerk wird oft nur vorgenässt. Maßgeblich ist das technische Merkblatt des Putzes.



