Wie Sie als Heimwerker Strom sparen

Inhalt10 Abschnitte
Die gute Nachricht zuerst: Elektrowerkzeuge verbrauchen weniger Strom, als ihre Wattzahl vermuten lässt, weil sie nur kurz laufen. Die großen Posten in der Werkstatt sind andere – Heizlüfter, Kompressor mit Leck, Dauerlicht und Ladegeräte im Standby. Wer diese vier im Griff hat, spart mehr als mit jedem sparsamen Akkuschrauber.
Was Maschinen wirklich kosten
Strom wird nach Kilowattstunden abgerechnet: Leistung in Kilowatt mal Laufzeit in Stunden. Bei einem Preis von grob 30 bis 40 Cent je Kilowattstunde ergeben sich folgende Größenordnungen:
| Gerät | Leistung | Laufzeit | Verbrauch | Kosten ca. |
| Kreissäge | 1.400 W | 20 min | 0,47 kWh | 15 Cent |
| Schlagbohrmaschine | 800 W | 15 min | 0,2 kWh | 7 Cent |
| Werkstattsauger | 1.200 W | 1 h | 1,2 kWh | 40 Cent |
| Kompressor | 1.500 W | 1 h Laufzeit | 1,5 kWh | 50 Cent |
| Heizlüfter | 2.000 W | 4 h | 8 kWh | 2,70 Euro |
Ein Nachmittag an der Säge kostet also Cent-Beträge. Ein Winterabend mit dem Heizlüfter kostet mehr als alle Maschinen zusammen.
Die Heizung ist der größte Posten
Wer eine Garage oder einen ungedämmten Kellerraum elektrisch heizt, verbraucht schnell mehrere Hundert Kilowattstunden im Winter. Hier liegt das größte Sparpotenzial:
- Nur den Arbeitsplatz wärmen. Ein Infrarotstrahler auf den Arbeitsplatz gerichtet wärmt den Menschen statt der Luft und wird nur eingeschaltet, solange man dort steht.
- Tür und Tor abdichten. Ein Garagentor ohne Dichtung lässt die Wärme schneller hinaus, als ein Heizlüfter sie nachliefern kann.
- Dämmen, wo es einfach geht. Decke und Tor zuerst, Wände später. Mehr zur Werkstatt als Energiefresser steht bei 7 Tipps zum Energiesparen in der Werkstatt.
- Thermostat nutzen. Heizlüfter ohne Thermostat laufen durch, auch wenn es längst warm ist.

Der Kompressor und seine Lecks
Ein Kompressor verbraucht nur dann Strom, wenn er Luft nachpumpt. Undichte Kupplungen, Schläuche und Werkzeuge sorgen aber dafür, dass er das ständig tut, auch wenn niemand arbeitet. Hören Sie nach Feierabend genau hin: Zischt es irgendwo, oder springt der Kompressor ohne Luftentnahme an, ist ein Leck da. Abhilfe: Kupplungen prüfen, Gewinde mit Teflonband abdichten und den Kompressor nach der Arbeit ausschalten und den Kessel entlüften. Das schützt ihn auch vor Kondenswasser.
Standby und Ladegeräte
Akku-Ladegeräte, Radio, Kompressor im Bereitschaftsmodus, Absauganlagen mit Einschaltautomatik – jedes für sich braucht nur wenige Watt. Zusammen können sie aber das ganze Jahr über 20 bis 40 Watt ziehen. Das sind bei 8.760 Stunden im Jahr 175 bis 350 Kilowattstunden, also leicht 50 bis 120 Euro für nichts.
Die einfachste Lösung ist eine schaltbare Steckdosenleiste, die beim Verlassen der Werkstatt alles vom Netz trennt. Wer es bequemer will, nimmt eine Steckdosenleiste mit Fußschalter oder eine Zeitschaltuhr für die Ladestation.
Licht
Alte Leuchtstoffröhren mit konventionellem Vorschaltgerät oder gar Halogenstrahler sind echte Verbraucher. LED-Röhren und -Flächenleuchten liefern dieselbe Helligkeit mit etwa der Hälfte bis einem Drittel der Leistung und sind sofort voll hell, auch bei Kälte. In der Werkstatt lohnt eine Aufteilung: helles Arbeitslicht direkt über der Werkbank, schwächeres Grundlicht für den Raum. Beides getrennt schaltbar.
Beim Gerätekauf
Die Leistungsangabe auf dem Karton ist keine Effizienzangabe. Eine 1.400-W-Kreissäge ist nicht verschwenderischer als eine mit 1.200 W; sie schafft das Werkstück nur mit mehr Reserve. Entscheidend ist, dass das Gerät zur Aufgabe passt: Eine übergroße Maschine läuft die meiste Zeit im Teillastbereich, eine zu kleine quält sich und braucht länger.
Worauf es wirklich ankommt:
- Scharfe Werkzeuge. Ein stumpfes Sägeblatt oder ein stumpfer Bohrer verdoppelt die Laufzeit und belastet den Motor.
- Bürstenlose Motoren bei Akkugeräten nutzen die Energie besser und halten länger.
- Sanftanlauf und Drehzahlregelung sparen zwar kaum Strom, schonen aber Sicherung und Getriebe.

Akku oder Kabel?
Akkugeräte sind beim Stromverbrauch nicht sparsamer als Kabelgeräte, denn beim Laden gehen einige Prozent als Wärme verloren. Ihr Vorteil liegt woanders: Sie laufen nur, wenn wirklich gearbeitet wird, und es gibt keine Verlängerungskabel mit Verlusten. Der Unterschied auf der Stromrechnung ist in beide Richtungen gering. Mehr zur Einordnung bei Akkugeräte im Handwerk.
Verbrauch messen statt schätzen
Ein Energiekostenmessgerät zwischen Steckdose und Gerät zeigt, was wirklich fließt – im Betrieb, im Leerlauf und im Standby. Für 10 bis 30 Euro erfährt man so in einer Woche, welche Geräte heimlich zu Buche schlagen. Besonders aufschlussreich ist eine Messung über 24 Stunden an der Steckdosenleiste, an der Ladegeräte und Radio hängen.
Der Tarif
Neben dem Verbrauch zählt der Preis je Kilowattstunde. Wer seit Jahren im Grundversorgungstarif ist, zahlt häufig deutlich mehr als nötig. Ein Tarifwechsel ist in wenigen Minuten erledigt und bringt bei gleichem Verbrauch oft mehr als alle Sparmaßnahmen in der Werkstatt zusammen. Vergleichsportale helfen bei der Suche; achten Sie auf Preisgarantie, Kündigungsfrist und darauf, ob ein Neukundenbonus den Preis im ersten Jahr nur schönrechnet.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine eigene Unterverteilung mit Zähler für die Werkstatt?
Nur bei großem Verbrauch oder gewerblicher Nutzung. Für Hobbywerkstätten reicht ein Zwischenstecker-Messgerät, um den Überblick zu behalten.
Verbraucht ein Werkstattsauger mit Einschaltautomatik mehr?
Im Betrieb nicht, eher weniger, weil er nur läuft, wenn die Maschine läuft. Im Bereitschaftsmodus zieht er aber ein paar Watt – also nach der Arbeit ausschalten.
Was bringt eine Photovoltaikanlage für die Werkstatt?
Wer tagsüber arbeitet, kann einen guten Teil des Werkstattstroms selbst erzeugen. Hintergründe unter Photovoltaik für Selbsterzeuger.



