Einen Stuhl leimen – so gelingt es einfach, schnell und unkompliziert

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Ein Stuhl wackelt fast immer aus demselben Grund: Die Leimverbindungen zwischen Beinen, Zargen und Streben haben nachgegeben. Nachleimen hilft nur, wenn die Verbindung vorher auseinander und der alte Leim raus ist – Leim auf altem Leim hält nicht. Mit Zwingen und etwas Geduld ist das an einem Nachmittag erledigt.

Warum Stühle wackeln
Stühle werden bei jedem Hinsetzen, Kippeln und Verrücken auf Hebel beansprucht. Die Kräfte konzentrieren sich an den Stellen, an denen Beine und Zargen verbunden sind. Dazu kommt das Holz selbst: Es quillt bei hoher Luftfeuchtigkeit und schwindet in trockener Heizungsluft. Über die Jahre wird die Leimfuge spröde, reißt an einer Stelle, und ab dann arbeitet die Verbindung bei jeder Bewegung weiter. Wer früh reagiert, spart sich einen gebrochenen Zapfen.
Schrauben nachzuziehen hilft nur bei Stühlen, die tatsächlich verschraubt sind. Bei gezapften oder gedübelten Verbindungen ist Leim das Einzige, was sie zusammenhält.
Was Sie brauchen
- Weißleim (PVAc) der Klasse D2 für Innenmöbel, bei antiken Stühlen eventuell Glutinleim
- Gummi- oder Holzhammer
- Cuttermesser, Stechbeitel oder Ziehklinge
- Pinsel oder Leimspachtel
- Vier Korpuszwingen oder Spanngurte
- Feuchtes Tuch, Unterlage, Schraubendreher
Welche Zwingen sich eignen, zeigt Korpuszwingen. Mehr zu den Leimsorten lesen Sie unter Holz leimen.
Schritt 1: Sitzfläche abnehmen
Bei den meisten Stühlen ist die Sitzfläche von unten verschraubt oder mit Metallwinkeln an den Zargen befestigt. Drehen Sie den Stuhl um und legen Sie ihn auf eine weiche Unterlage.


Die Anzahl der Schrauben ist je nach Modell verschieden. Legen Sie sie in eine Schale, damit später keine fehlt.

Schritt 2: Stuhl zerlegen
Klopfen Sie die lockeren Verbindungen mit dem Gummihammer vorsichtig auseinander, immer nahe an der Verbindung und mit einem Zwischenholz. Zerlegen Sie nur, was sich löst. Feste Verbindungen mit Gewalt zu öffnen, bricht eher einen Zapfen, als dass es hilft. Markieren Sie die Teile mit Bleistift oder Klebeband, damit jeder Zapfen später wieder in sein Loch kommt.
Schritt 3: Alten Leim entfernen
Das ist die wichtigste und langwierigste Arbeit. Frischer Leim verbindet sich nicht mit altem, ausgehärtetem Leim, sondern nur mit Holz. Bleibt die alte Schicht, hält die neue Verbindung nicht lange.

Kratzen Sie den alten Leim von Zapfen und Lochwänden mit Cutter, Stechbeitel oder Ziehklinge ab. Nehmen Sie dabei so wenig Holz wie möglich weg – jeder Zehntelmillimeter macht die Verbindung lockerer. Alter Glutinleim bei antiken Möbeln lässt sich mit warmem Wasser und Dampf anlösen; Tipps dazu stehen unter Holzleim lösen.

Sitzt ein Zapfen nach dem Säubern zu locker im Loch, kleben Sie ein dünnes Furnierstück auf den Zapfen. Füllspachtel oder zusätzliche Leimmenge gleichen Spiel nicht aus.
Schritt 4: Leim auftragen
Tragen Sie den Leim auf beide Flächen auf, Zapfen und Lochwand. Er soll die Oberfläche vollständig benetzen, aber nicht in Tropfen stehen.


Arbeiten Sie zügig: Weißleim hat eine offene Zeit von einigen Minuten. Bei einem Stuhl mit vielen Verbindungen leimen Sie besser in zwei Durchgängen – zuerst Vorder- und Hinterbeinpaar je für sich, dann die Verbindung dazwischen.
Schritt 5: Zusammenbauen und ausrichten
Stecken Sie die Teile in der gleichen Reihenfolge zusammen, in der Sie sie gelöst haben. Treiben Sie sie mit dem Gummihammer satt ein.

Stellen Sie den Stuhl auf eine ebene Fläche. Alle vier Beine müssen aufstehen. Messen Sie die Diagonalen der Zargen: Sind beide gleich lang, steht der Stuhl im Winkel. Austretenden Leim wischen Sie sofort mit einem feuchten Tuch ab. Angetrocknete Reste nehmen später Beize und Öl nicht an und bleiben als helle Flecken sichtbar.
Schritt 6: Spannen

Setzen Sie die Zwingen mit Zulagen aus Holz oder Kunststoff an, damit sie keine Druckstellen hinterlassen. Ziehen Sie sie nur so fest, dass die Fugen geschlossen sind. Zu viel Druck quetscht den Leim aus der Fuge. Prüfen Sie nach dem Spannen noch einmal die Diagonalen – Zwingen ziehen einen Stuhl gern schief.

Schritt 7: Trocknen und Sitzfläche montieren
Lassen Sie den Stuhl mehrere Stunden unter Spannung stehen, am besten über Nacht. Belastbar ist die Verleimung nach etwa 24 Stunden. Erst dann die Sitzfläche wieder aufschrauben. Sind die alten Schraublöcher ausgerissen, setzen Sie die Schrauben leicht versetzt oder füllen die Löcher mit Holzdübeln und Leim.
Häufige Fragen
Reicht es, Leim in die Fuge zu spritzen?
Nein. Leim, der in eine lockere Fuge gespritzt wird, trifft auf alten Leim und hält nur kurz. Es gibt spezielle Injektionsleime, die Holz aufquellen lassen – eine Notlösung, keine Reparatur.
Brauche ich eine Unterlage?
Ja. Sie schützt den Boden vor Leim und die Stuhloberfläche vor Kratzern.
Kann ich das selbst?
Ja, bei normalen Esszimmerstühlen ohne Weiteres. Bei wertvollen Antiquitäten mit Glutinleim und Schellackoberfläche lohnt der Restaurator.



