Schweißverfahren und Schweißgeräte unter die Lupe genommen

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Für Heimwerker gibt es im Wesentlichen fünf Schweißverfahren: Gas, Elektrode, Schutzgas (MAG/MIG), Fülldraht und WIG. Welches passt, hängt vom Material, der Blechstärke und davon ab, ob draußen oder in der Werkstatt geschweißt wird. Für den Einstieg an Stahl ist ein MAG-Gerät meist die beste Wahl, weil es schnell saubere Nähte liefert und am leichtesten zu lernen ist.
Die Verfahren im Überblick
| Verfahren | Material | Blechstärke ca. | Lernaufwand |
| Gasschweißen (Autogen) | Stahl, Hartlöten | dünn bis mittel | hoch |
| Elektrode (E-Hand) | Stahl, Guss mit Sonderelektroden | ab etwa 1,5–2 mm | mittel bis hoch |
| MAG mit Schutzgas | Stahl | ab etwa 0,8 mm | niedrig |
| Fülldraht ohne Gas | Stahl | ab etwa 1 mm | niedrig |
| MIG | Aluminium, Kupferlegierungen | ab etwa 1 mm | mittel |
| WIG | alle Metalle, auch Edelstahl und Alu | ab etwa 0,5 mm | hoch |
Die Angaben sind Richtwerte. Dünnere Bleche gehen mit Übung und passenden Einstellungen fast immer, allerdings mit Durchbrenngefahr.
Gasschweißen
Beim Autogenschweißen erhitzt eine Flamme aus Acetylen und Sauerstoff das Metall, die Flammentemperatur liegt bei etwa 3100 Grad. Ein Zusatzdraht wird von Hand zugeführt. Das Verfahren ist langsam, braucht viel Übung und wird heute vor allem noch für Reparaturen an alten Karosserien, zum Hartlöten und für Rohrleitungen verwendet. Der Vorteil: Das Gerät kann auch schneiden, wärmen und löten. Die Nachteile: Zwei Gasflaschen, Umgang mit Acetylen und Sauerstoff, und die Flammrückschlagsicherung ist Pflicht. Für Heimwerker ist das eher ein Werkzeug für Spezialfälle.
Elektrodenschweißen
Ein Lichtbogen brennt zwischen einer umhüllten Stabelektrode und dem Werkstück. Die Umhüllung verbrennt und bildet Schutzgas und Schlacke. Kein Gas, einfache Technik, funktioniert auch draußen bei Wind. Moderne Inverter-Geräte sind leicht und laufen an der normalen Steckdose. Dafür muss nach jeder Naht die Schlacke abgeklopft werden, der Lichtbogen ist schwerer zu halten, und dünne Bleche brennen schnell durch. Ideal für Zaunpfosten, Gartentore, Stahlträger und Reparaturen im Freien.
MAG-Schweißen
Beim Metall-Aktivgas-Schweißen kommt ein Draht automatisch aus dem Brenner, umgeben von einem Schutzgas aus Argon und CO2. Man drückt den Taster, und das Gerät liefert gleichmäßig Draht und Gas. Die Nähte sind sauber, fast ohne Schlacke, und das Verfahren lernt man in wenigen Stunden. Nachteile sind die Gasflasche und die Windempfindlichkeit: Draußen weht das Schutzgas weg. Details zur Flasche unter Schutzgasflasche, zum Gerät unter Schutzgasschweißgerät.

Fülldraht
Viele günstige Schutzgasgeräte arbeiten auch oder nur mit Fülldraht. Der hohle Draht ist mit Pulver gefüllt, das beim Schweißen selbst Schutzgas und Schlacke bildet. Das spart die Gasflasche und funktioniert im Freien. Dafür spritzt es mehr, die Naht ist rauer und muss von Schlacke befreit werden. Für Heimwerker, die nur gelegentlich schweißen, ist das ein guter Kompromiss, siehe Fülldraht-Schweißgerät.
MIG-Schweißen
Technisch dasselbe Gerät wie MAG, aber mit inertem Gas, meist reinem Argon. Es wird vor allem für Aluminium eingesetzt. Aluminiumdraht ist weich und knickt im Schlauchpaket, deshalb braucht man passende Drahtrollen, Führungsseelen aus Kunststoff und oft einen kurzen Brenner. Für gelegentliche Aluminiumarbeiten ist das machbar, für Präzision ist WIG besser.
WIG-Schweißen
Beim Wolfram-Inertgas-Schweißen brennt der Lichtbogen zwischen einer nicht abschmelzenden Wolframelektrode und dem Werkstück, geschützt von Argon. Der Zusatzdraht wird von Hand zugeführt. Das Ergebnis sind die saubersten und schönsten Nähte, auf Edelstahl, Aluminium, Kupfer und sehr dünnen Blechen. Das Verfahren ist langsam und verlangt Koordination beider Hände, bei vielen Geräten auch des Fußes. Für Aluminium braucht man ein Gerät mit Wechselstrom (AC). Mehr unter WIG-Schweißgerät.
Worauf es beim Gerät ankommt
Schweißstrom. Für Heimwerkerarbeiten an Stahl bis etwa 5 mm reichen Geräte mit 150 bis 200 Ampere.
Einschaltdauer. Sie gibt an, wie lange das Gerät bei einem bestimmten Strom innerhalb von zehn Minuten schweißen kann, bevor es abkühlen muss. 30 Prozent bei 150 A bedeutet drei Minuten schweißen, sieben Minuten Pause.
Netzanschluss. Viele Inverter laufen an 230 V. Größere Geräte brauchen Starkstrom. Ein Schweißgerät an einer 16-A-Steckdose kann den Leitungsschutzschalter auslösen; ein Elektriker weiß, was die Hausinstallation hergibt.
Kombigeräte. Viele Geräte können MAG, Fülldraht und Elektrode, manche zusätzlich WIG mit Lift-Arc-Zündung. Für den Einstieg ist das flexibel, die Einzeldisziplinen sind aber oft schwächer als bei Spezialgeräten.
Sicherheit
Schweißen erzeugt UV-Strahlung, Funken, heiße Werkstücke und Rauch. Unverzichtbar sind ein Schweißhelm mit passender Schutzstufe, am besten ein Automatikhelm (siehe Schweißhelm), schwer entflammbare Kleidung ohne Kunstfaser, Lederhandschuhe und feste Schuhe. Schweißrauch ist gesundheitsschädlich, besonders bei verzinkten und beschichteten Teilen – nur bei guter Lüftung oder mit Absaugung arbeiten. Brennbares aus der Umgebung entfernen und nach dem Schweißen noch eine Weile auf Glutnester achten. Behälter, die Brennstoffe enthalten haben, nie schweißen.
Häufige Fragen
Was kostet ein Schweißgerät?
Einfache Elektroden-Inverter gibt es ab etwa 100 Euro, brauchbare MAG- oder Kombigeräte meist ab 300 Euro, WIG-Geräte mit AC für Aluminium ab mehreren Hundert Euro. Helm, Handschuhe, Gas und Zubehör kommen dazu.
Welches Verfahren lernt man am schnellsten?
MAG und Fülldraht. Nach einigen Übungsstunden gelingen brauchbare Nähte an Stahl.
Kann ich Edelstahl mit einem MAG-Gerät schweißen?
Ja, mit Edelstahldraht und passendem Gas. Die schönsten Ergebnisse auf Edelstahl liefert aber WIG.



