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Heimwerker-Berater

Schutzgas Schweißgerät

Werkzeugvon Christoph4 Min. · 9 Abschnitte
Schutzgas Schweißgerät
Inhalt9 Abschnitte
  1. MIG oder MAG
  2. Stromstärke und Einschaltdauer
  3. Trafo oder Inverter
  4. Draht und Drahtvorschub
  5. Vorteile und Grenzen
  6. Einstellen und erste Nähte
  7. Sicherheit
  8. Worauf Sie beim Kauf achten
  9. Häufige Fragen

Beim Schutzgasschweißen läuft eine Drahtelektrode von der Rolle durch den Brenner, schmilzt im Lichtbogen ab und wird dabei von einem Gas umhüllt, das die Schmelze vor Sauerstoff schützt. Das Verfahren ist schnell, lässt sich vergleichsweise leicht lernen und ist deshalb das häufigste Schweißverfahren in Werkstätten. Für dünne Bleche und Karosseriearbeiten ist es dem Elektrodenschweißen klar überlegen.

MIG oder MAG

Die Abkürzungen beschreiben das Gas, nicht das Gerät. Die meisten Geräte können beides.

MAG (Metall-Aktivgas)Mit Mischgas aus Argon und CO₂ oder reinem CO₂. Für unlegierten Stahl und Baustahl, der Standard in der Werkstatt.
MIG (Metall-Inertgas)Mit reinem Argon oder Argon-Helium. Für Aluminium und andere Nichteisenmetalle.
Fülldraht ohne GasEin Draht mit Flussmittelfüllung, der sein Schutzgas selbst erzeugt. Kein Flaschenbedarf, aber mehr Spritzer und Schlacke.
EdelstahlMit Edelstahldraht und passendem Mischgas mit geringem CO₂-Anteil.

Mischgas mit etwa 18 Prozent CO₂ ist für Stahl der übliche Kompromiss: weniger Spritzer als reines CO₂, bessere Naht. Reines CO₂ ist billiger, spritzt aber mehr. Mehr zu Flaschen, Größen und Miete finden Sie bei der Schutzgasflasche, zum gaslosen Verfahren beim Fülldraht-Schweißgerät.

Stromstärke und Einschaltdauer

Die Stromstärke bestimmt, welche Blechdicken Sie schweißen können. Geräte um 150 A reichen für Karosseriebleche und typische Hobbyarbeiten an Gestellen, Toren und Anhängern bis in den Bereich weniger Millimeter. Wer regelmäßig dickere Profile schweißt, braucht 200 A und mehr – und dafür oft einen Starkstromanschluss.

Die Einschaltdauer ist die unterschätzte Zahl. Sie gibt an, wie viele Minuten eines 10-Minuten-Zyklus das Gerät bei einer bestimmten Stromstärke schweißen kann, bevor es abkühlen muss. „35 % bei 150 A“ heißt: dreieinhalb Minuten schweißen, sechseinhalb Minuten Pause. Für lange Nähte ist eine hohe Einschaltdauer wichtiger als ein hoher Spitzenstrom.

Trafo oder Inverter

Transformatorgeräte sind schwer, robust und einfach aufgebaut. Die Spannung wird meist über Stufenschalter eingestellt.

Inverter sind leicht, stromsparend und regeln die Leistung stufenlos. Viele haben eine Synergic-Funktion: Sie wählen Material und Blechdicke, das Gerät stellt Spannung und Drahtvorschub passend ein. Das hilft Anfängern erheblich. Inverter sind heute im Hobbybereich die Regel.

Draht und Drahtvorschub

Üblich sind Drahtdurchmesser von 0,6, 0,8 und 1,0 mm. Mit 0,8 mm liegen Sie für Stahl im Hobbybereich fast immer richtig. Die Drahtspule sitzt im Gerät, kleine Geräte nehmen Spulen um 5 kg, größere bis 15 kg.

Der Vorschub wird von Rollen geschoben. Ein Vierrollenantrieb schiebt gleichmäßiger als zwei Rollen, besonders bei langem Schlauchpaket. Für Aluminium brauchen Sie U-Nut-Rollen und eine Kunststoffseele im Schlauchpaket, weil der weiche Draht sonst staucht. Aluminium mit einem einfachen Hobbygerät zu schweißen ist möglich, aber mühsam. Für dünnes Aluminium ist ein WIG-Schweißgerät die bessere Wahl.

In vielen Arbeitsfeldern der Metallverarbietung werden Schutzgas Schweißgeräte gebraucht
In vielen Arbeitsfeldern der Metallverarbietung werden Schutzgas Schweißgeräte gebraucht. | Foto: Gerain0812 / Depositphotos.com

Vorteile und Grenzen

Dafür
  • Schnell und leicht zu erlernen
  • Kaum Schlacke, saubere Naht
  • Gut für dünne Bleche
  • Beide Hände führen den Brenner
Dagegen
  • Im Freien bläst Wind das Gas weg
  • Gasflasche nötig und zu transportieren
  • Aufwendiger als ein Elektrodengerät
  • Rost und Farbe müssen vorher runter

Draußen bei Wind ist ein Elektroden- oder Fülldrahtgerät überlegen. Einen Überblick über die Verfahren bietet Schweißverfahren im Vergleich.

Einstellen und erste Nähte

  1. Werkstück blank schleifen, etwa zwei Zentimeter rund um die Naht. Rost, Zunder, Farbe und Öl verursachen Poren.
  2. Masseklemme nah an der Naht auf blankem Metall anschließen.
  3. Gas einstellen. Als Richtwert gilt etwa das Zehnfache des Drahtdurchmessers in Litern pro Minute, bei 0,8 mm also rund 8 bis 10 l/min.
  4. Spannung und Vorschub nach Tabelle am Gerät oder per Synergic wählen und auf Probeblechen gleicher Dicke testen.
  5. Brenner im Winkel von etwa 10 bis 20 Grad führen, Abstand zwischen Düse und Blech etwa 10 mm.
  6. Heften statt durchziehen. Bleche zuerst an mehreren Punkten heften, dann die Naht abschnittsweise setzen, damit sich das Blech nicht verzieht.

Ein gleichmäßiges, leise knisterndes Geräusch – oft mit brutzelndem Speck verglichen – zeigt, dass die Einstellung stimmt. Knallt und spritzt es, ist der Vorschub zu hoch oder die Spannung zu niedrig.

Sicherheit

  • Automatik-Schweißhelm mit passender Schutzstufe, siehe Schweißhelm.
  • Lederhandschuhe und Kleidung aus Baumwolle oder Leder. Kunstfasern schmelzen und brennen sich in die Haut.
  • Schweißrauch absaugen oder gut lüften. Verzinkte Bleche setzen Zinkrauch frei, der Fieber und Übelkeit auslöst. Zinkschicht vorher abschleifen.
  • Brandschutz. Funken fliegen mehrere Meter. Brennbares entfernen, Feuerlöscher bereithalten, nach der Arbeit die Umgebung noch eine Weile kontrollieren.
  • Gasflasche gegen Umfallen sichern, mit Kette oder Halter.

Worauf Sie beim Kauf achten

Achten Sie auf eine ehrliche Angabe der Einschaltdauer, einen Vierrollenantrieb, einen Brenner mit Euro-Zentralanschluss, damit Ersatzteile leicht zu bekommen sind, und auf die Verfügbarkeit von Verschleißteilen wie Stromdüsen und Gasdüsen. Einfache Geräte beginnen bei etwa 150 Euro, solide Inverter für die Hobbywerkstatt kosten 400 bis 900 Euro, Profigeräte deutlich mehr.

Häufige Fragen

Kann ich ein Schutzgasschweißgerät an der normalen Steckdose betreiben?

Kleinere Geräte ja, an 230 V mit 16 A Absicherung. Bei hohen Strömen kann die Sicherung auslösen; größere Geräte brauchen 400 V.

Warum hat meine Naht Poren?

Meist zu wenig Gas, Zugluft, eine verschmutzte Gasdüse oder ein nicht blankes Werkstück. Auch ein zu großer Brennerabstand lässt Luft an die Schmelze.

Ist Schutzgasschweißen für Anfänger geeignet?

Ja, es gilt als das am leichtesten zu erlernende Verfahren. Ein Kurs bei der Volkshochschule oder einer Handwerkskammer spart viel Frust und Material.

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