Fülldraht Schweißgerät

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Ein Fülldraht-Schweißgerät arbeitet wie ein MIG/MAG-Gerät, nur dass der Schweißdraht innen hohl und mit Pulver gefüllt ist. Beim selbstschützenden Fülldraht erzeugt dieses Pulver die Schutzgasglocke gleich selbst – eine Gasflasche ist dann nicht nötig. Das macht die Geräte leicht, günstig und windunempfindlich, und genau deshalb sind sie bei Heimwerkern beliebt.
Wie es funktioniert
Ein Motor schiebt den Draht von der Rolle durch das Schlauchpaket zum Brenner. Zwischen Drahtspitze und Werkstück brennt der Lichtbogen, der Draht schmilzt ab und bildet zusammen mit dem Grundwerkstoff die Naht. Die Füllung im Draht enthält Stoffe, die den Lichtbogen stabilisieren, Gase bilden, legieren und eine Schlackeschicht erzeugen.
Die Schlacke schützt die Naht beim Abkühlen vor Luft und wird danach mit Schlackehammer und Drahtbürste entfernt.
Die Drahtarten
| Selbstschützender Fülldraht | Ohne Schutzgas. Die Füllung erzeugt Gas und Schlacke. Windunempfindlich, mehr Spritzer und Rauch, unruhigerer Lichtbogen. |
| Gasgeschützter Fülldraht | Mit zusätzlichem Schutzgas. Die Füllung liefert vor allem Schlacke und Legierung. Sehr gute Nahtqualität, in der Industrie verbreitet. |
| Metallpulverdraht | Mit Schutzgas, Füllung aus Metallpulver, kaum Schlacke. Hohe Abschmelzleistung für Serienfertigung. |
| Massivdraht | Der normale MAG-Draht, immer mit Schutzgas. Saubere, schlackefreie Nähte. |
Für den Heimwerker ist der selbstschützende Draht der Grund, ein solches Gerät zu kaufen. Üblich sind Durchmesser von 0,8 bis 0,9 mm auf kleinen Spulen.

Stärken und Grenzen
Stärken: Keine Gasflasche, kein Druckminderer, keine Miete. Das Gerät lässt sich in den Garten tragen und dort bei Wind benutzen, wo Schutzgas einfach weggeblasen würde. Auch auf leicht rostigem oder verschmutztem Stahl verzeiht der Fülldraht mehr als Massivdraht.
Grenzen: Der Lichtbogen spritzt mehr, die Naht ist rauer, und es entsteht deutlich mehr Rauch. Für dünnes Blech unter etwa 1 mm, etwa an der Karosserie, ist Fülldraht schlecht geeignet, weil der Wärmeeintrag hoch ist und schnell Löcher entstehen. Für Edelstahl und Aluminium gibt es kaum geeignete selbstschützende Drähte für Hobbygeräte. Dafür sind Schutzgas-Schweißgeräte oder das WIG-Schweißgerät die richtige Wahl.
Polung und Drahtvorschub
Selbstschützender Fülldraht wird mit dem Brenner am Minuspol verschweißt, Massivdraht mit Schutzgas dagegen am Pluspol. Viele Kombigeräte, die beides können, haben dafür umsteckbare Anschlüsse. Wer das vergisst, bekommt einen unruhigen Lichtbogen, starke Spritzer und schlechte Durchdringung.
Weil Fülldraht weicher ist als Massivdraht, braucht er Vorschubrollen mit Rändelung oder Kerbe, die nicht zu fest angezogen werden. Eine zu stark gespannte glatte Rolle drückt das Röhrchen platt, und die Füllung rieselt heraus.
Einstellung am Gerät
Einfache Geräte haben zwei Regler: Spannung in Stufen und Drahtvorschub. Die Faustregel: Mit steigender Blechstärke beides erhöhen. Das richtige Verhältnis hört man. Ein gleichmäßiges Knistern wie brutzelnder Speck ist gut; Knallen und Stottern bedeutet zu viel Draht, ein langer, zischender Lichtbogen zu wenig.
Brennerhaltung: leicht stechend gezogen, also den Brenner in Schweißrichtung geneigt und die Naht hinter sich herziehen. So bleibt die Schlacke hinter dem Schmelzbad und wird nicht eingeschweißt.
Arbeitsablauf
- Werkstück blank schleifen, mindestens an der Stelle der Masseklemme und entlang der Naht.
- Masseklemme nah an die Naht, auf blankes Metall.
- Heften. Kurze Punkte an beiden Enden und in der Mitte halten die Teile in Position.
- Schweißen in Abschnitten, um Verzug zu begrenzen.
- Schlacke entfernen nach jeder Lage, bevor die nächste kommt.

Schutzausrüstung
- Automatik-Schweißhelm mit einer Schutzstufe, die zum Schweißstrom passt; mehr dazu beim Schweißhelm.
- Lederhandschuhe und schwer entflammbare Kleidung aus Baumwolle oder Leder, keine Kunstfaser.
- Absaugung oder gute Lüftung. Fülldraht erzeugt viel Schweißrauch. In geschlossenen Räumen ist eine Absaugung Pflicht, im Freien stellen Sie sich so, dass der Rauch vom Gesicht wegzieht.
- Brandschutz. Funken fliegen mehrere Meter. Brennbares wegräumen, einen Feuerlöscher bereitstellen.
Verzinkten Stahl nicht ohne Absaugung schweißen. Die Zinkdämpfe verursachen grippeähnliche Beschwerden, das sogenannte Zinkfieber.
Typische Fehler
- Rost und Farbe nicht entfernt. Der Fülldraht verzeiht viel, aber nicht alles. Poren und Bindefehler sind die Folge.
- Draht feucht gelagert. Die Füllung zieht Feuchtigkeit, dann spritzt und poriert die Naht. Angebrochene Spulen trocken und verpackt aufbewahren.
- Stromdüse verschlissen. Ein ausgeleiertes Loch lässt den Draht flattern, der Lichtbogen wird unruhig. Stromdüsen sind Verschleißteile und kosten wenig.
Was ein Gerät kostet
Einfache Fülldraht-Geräte für den Hobbybereich gibt es ab etwa 100 Euro. Inverter-Kombigeräte, die Fülldraht, Massivdraht mit Gas und oft auch Elektrode beherrschen, liegen meist bei 200 bis 600 Euro. Für den Einstieg ist ein solches Kombigerät sinnvoll: Man beginnt ohne Gas und kann später aufrüsten.
Einen Überblick über alle Verfahren bietet der Beitrag Schweißverfahren und Schweißgeräte.
Häufige Fragen
Ist eine Fülldrahtnaht so fest wie eine Schutzgasnaht?
Bei richtiger Einstellung und sauberer Arbeit ja. Die Oberfläche ist rauer, und Schlackeeinschlüsse sind häufiger, wenn zwischen den Lagen nicht sauber gereinigt wird.
Warum spritzt es so stark?
Oft ist die Polung falsch, der Draht zu schnell oder der Abstand zu groß. Ein Antispritzspray auf Düse und Werkstück erleichtert das Säubern.
Kann ich mit dem Gerät Massivdraht verwenden?
Nur wenn das Gerät einen Gasanschluss hat. Reine Fülldraht-Geräte ohne Gasventil können das nicht.



