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Was ist dran am Hype rund um Zunftkleidung?

Für manche Personen wirkt Zunftkleidung wie ein Relikt aus der Vergangenheit. Dennoch erfährt gerade dieser Kleidungsstil im Handwerk aktuell eine große Beliebtheit. Doch was ist dran an diesem Hype, der sich schon auf ganz unterschiedliche Branchen auswirken konnte? Und was verbirgt sich hinter der aktuellen Entwicklung, die wir in vielen Regionen Deutschlands beobachten können?

Die Identifikation der Zunft

Besonders im Mittelalter war die Zunftbekleidung von großer Bedeutung. Es handelte sich um einen Kleidungsstil, der zunächst auf Funktionalität ausgerichtet war. Da sich die einzelnen Berufsgruppen sehr schnell dadurch unterscheiden konnten, entwickelte sich sogleich die traditionelle Bedeutung der Kleidung. Die Zunft selbst war ein abgeschlossener Verband der Handwerker, in den zugereiste Arbeiter oder Gesellen, deren Eltern nicht in der Zunft organisiert waren, nur sehr schwer aufgenommen werden konnten. So war es möglich, für alle Mitglieder eine hohe wirtschaftliche Sicherheit zu schaffen, die schnell zum wichtigsten Zweck des Verbands wurde. Die Kleidung selbst entwickelte sich im Laufe der Zeit zum wichtigen Erkennungsmerkmal, welches sich in leicht abgewandelter Form oft bis heute gehalten hat.

Relikte des Mittelalters

Zunftbekleidung

Zunftkleidung | Foto: pixabay.com / stux

Viele der klassischen Zünfte, wie zum Beispiel Schuster, Fischer, Weber oder Gerber, sind heute nicht mehr von Bedeutung. Besonders im Zuge der Industrialisierung veränderten sich diese Berufe so stark, dass auch die Bräuche der jeweiligen Zunft verloren gegangen sind. Wenn wir uns also über den heutigen Trend rund um Zunftkleidung unterhalten, sprechen wir von anderen Handwerksberufen, die in ähnlicher Form bis heute erhalten geblieben sind. So zum Beispiel die Zimmerer, Dachdecker, Maler oder Bäcker. Da viele Bräuche und Rituale dieser Gruppen über die Jahrhunderte hinweg konserviert werden konnten, kommen wir bis heute damit in Kontakt. Das Tragen der Zunftkleidung ist damit bis heute ein klares Zeichen für die Identifikation mit dem eigenen Beruf. Ob sie auch während des normalen Arbeitstags, und nicht nur bei feierlichen Anlässen getragen wird, steht derweil auf einem ganz anderen Blatt.

Unter dem Strich lässt sich demnach eine große Vielfalt im Zunftwesen erkennen. Gleichzeitig geht diese Differenzierung in der heutigen Arbeitswelt immer mehr verloren. Nach der zunehmenden Industrialisierung des 19. Jahrhunderts stehen wir womöglich vor dem nächsten großen Wandel in der Berufswelt. Die Digitalisierung könnte sich langfristig auch auf das Handwerk auswirken und auf diese Weise ganz traditionelle Berufe in entscheidender Form verändern. Das Tragen der Zunftkleidung ist damit ein klares Zeichen für den Zusammenhalt innerhalb der Berufsgruppe. Die Vorgänger waren schließlich bereits seit vielen hundert Jahren dafür verantwortlich, dass das Leben der Menschen in solcher Form überhaupt gelingen konnte.

Tradition und Zusammenhalt

Alles in allem mag die Rückbesinnung auf die Tradition, wie sie zur Zeit im Handwerk in Form der Zunftkleidung klar zum Ausdruck kommt, ein Zeichen des Zusammenhalts sein. So mancher handwerkliche Beruf sieht sich in Zukunft vielleicht mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert, die es zu bewältigen gilt. Dadurch kann es nicht schaden, sich noch einmal auf die gemeinsamen Wurzeln des Berufs zu konzentrieren, die bisweilen weit in der Vergangenheit liegen. Die traditionelle Kleidung bietet für genau diesen Ansatz die passende Grundlage und schafft auf diese Weise vielseitige Möglichkeiten zur neuen Gestaltung.


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