Rauputz

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Rauputz ist der Sammelbegriff für alle Putze mit sichtbarer, körniger oder strukturierter Oberfläche – im Gegensatz zum glatten oder gefilzten Putz. Die Struktur entsteht durch das Korn im Material und durch das Werkzeug, mit dem der Putz bearbeitet wird. Rauputz ist robust, kaschiert Unebenheiten und war jahrzehntelang der Standard an deutschen Fassaden.
Die wichtigsten Strukturen
| Reibeputz | Das Korn wird mit dem Reibebrett gezogen und hinterlässt Rillen. Siehe Reibeputz. |
| Scheibenputz | Kreisend verrieben, gleichmäßige Kornstruktur ohne Rillen. Siehe Scheibenputz. |
| Kratzputz | Nach dem Anziehen mit einem Nagelbrett aufgekratzt, sehr lebendige Oberfläche. |
| Spritzputz | Mit Putzwerfer aufgespritzt und nicht weiter bearbeitet. |
| Rollputz | Mit Strukturrolle aufgetragen, meist dünn, vor allem innen. |
Körnung und Wirkung
Die Körnung gibt die Größe des größten Korns an und bestimmt, wie grob die Struktur wird. Innen sind 1 bis 1,5 mm üblich, feinere Putze um 0,5 mm wirken fast glatt. Außen liegen typische Körnungen bei 2 bis 3 mm, Kratzputze auch darüber. Ein gröberes Korn verzeiht mehr Unebenheiten im Untergrund und zeigt weniger Verschmutzung, sammelt aber in den Vertiefungen mehr Staub und Algen. Die Schichtdicke entspricht in der Regel etwa der Korngröße.
Mineralisch oder Kunstharz
Mineralische Rauputze auf Kalk-, Zement- oder Silikatbasis sind diffusionsoffen, nicht brennbar und wirken durch ihre Alkalität gegen Schimmel und Algen. Sie werden als Trockenmörtel angerührt und müssen anschließend meist gestrichen werden. Kunstharzputze kommen gebrauchsfertig und durchgefärbt aus dem Eimer, sind elastischer und weniger rissanfällig, aber weniger diffusionsoffen. Dazwischen liegen Silikonharzputze, die wasserabweisend und trotzdem recht offen sind – außen heute sehr verbreitet.

Wo er eingesetzt wird
Außen ist Rauputz der Klassiker als Oberputz auf Mauerwerk und auf Wärmedämmverbundsystemen. Er ist widerstandsfähig gegen Stöße und Witterung und lässt kleine Haarrisse im Untergrund optisch verschwinden. Innen findet man ihn in Fluren, Treppenhäusern, Kellern und Räumen, in denen die Wand etwas aushalten muss. In Wohnräumen ist er aus der Mode gekommen, weil er sich schwer reinigen lässt und Möbel an ihm scheuern.
Vorteile und Nachteile
Rauputz ist langlebig, kaschiert Unebenheiten, braucht keinen perfekt glatten Untergrund und ist handwerklich gut beherrschbar. Dem stehen gegenüber: Er sammelt Staub, ist rau an der Haut, lässt sich schwer abwischen und ist mühsam zu entfernen oder zu glätten, wenn man später eine glatte Wand möchte. Streichen braucht mehr Farbe als bei glatten Flächen.
Auftragen in Kürze
- Untergrund vorbereiten. Fest, sauber, trocken, passend grundiert. Bei Kunstharzputz ist eine Putzgrundierung mit Quarzsand üblich.
- Auftragen mit der Glättkelle in Kornstärke.
- Strukturieren, solange der Putz frisch ist, mit Reibebrett, Scheibe oder Nagelbrett.
- Ohne Pause eine Fläche von Ecke zu Ecke fertigstellen, sonst bleiben Ansätze.
Die Einzelheiten stehen bei Reibeputz auftragen und Scheibenputz auftragen.
Ausbessern
Kleine Schäden lassen sich mit demselben Putz ausbessern. Die Fehlstelle wird gesäubert und vorgenässt oder grundiert, der Putz eingebracht und innerhalb weniger Minuten mit dem passenden Werkzeug an die umgebende Struktur angepasst. Ganz unsichtbar gelingt das selten, weil sich Farbton und Struktur mit dem Alter verändern. Oft hilft ein Anstrich der ganzen Wandfläche, die Ausbesserung verschwinden zu lassen.
Glätten und überputzen
Eine Rauputzwand wird nicht durch Schleifen glatt, sondern durch Überputzen oder Überspachteln. Nach einer Haftgrundierung wird eine Ausgleichs- oder Spachtelschicht aufgetragen, die die Täler füllt, bei grobem Korn in zwei Lagen, bei Bedarf mit Armierungsgewebe. Darauf folgt die gewünschte glatte Oberfläche. Das ist viel Material, aber meist weniger Arbeit als das komplette Abschlagen. Wie Sie ihn doch ganz entfernen, steht bei Putz entfernen.
Streichen
Mineralischer Rauputz braucht meist einen Anstrich, Kunstharzputz ist durchgefärbt, kann aber später überstrichen werden. Die Struktur schluckt mehr Farbe und verlangt passende Rollen. Alles dazu steht bei Rauputz streichen.
Typische Fehler
- Putz auf ungrundiertem Untergrund. Stark saugende Flächen entziehen dem Putz Wasser, er brennt auf, reißt oder lässt sich nicht mehr strukturieren.
- Zu große Fläche allein. Beim Reiben und Kratzen muss jemand hinterherkommen. Ab einer Hauswand sind zwei Leute Pflicht.
- Ansätze mitten in der Wand. Pausen nur an Ecken, Fallrohren oder Kanten einlegen, notfalls mit Klebeband eine gerade Arbeitsgrenze schaffen.
- Verschiedene Chargen gemischt. Durchgefärbte Kunstharzputze können von Eimer zu Eimer leicht abweichen. Vorher alle Eimer einer Fläche in einem großen Kübel durchmischen.
- Bei Frost oder praller Sonne gearbeitet. Unter etwa 5 °C bindet der Putz nicht richtig ab, in der Sonne trocknet er zu schnell und bekommt Flecken.
- Falsches Werkzeug. Ein Reibebrett aus Holz statt Kunststoff zieht bei Kunstharzputz unregelmäßig. Für jede Struktur gibt es das passende Brett.
Häufige Fragen
Wie viel Rauputz brauche ich?
Der Verbrauch hängt vom Korn ab, als grober Anhalt etwa 1,5 kg je Quadratmeter und Millimeter Korn bei mineralischen Putzen. Kunstharzputze geben den Verbrauch je Körnung auf dem Eimer an.
Kann ich Rauputz auf Gipskarton auftragen?
Ja, mit passender Grundierung und einem für Gipskarton geeigneten Putz. Die Fugen müssen vorher gespachtelt sein.



