Zum Inhalt springen
Heimwerker-Berater

Rollputz

Haus & Bauvon Christoph4 Min. · 9 Abschnitte
Rollputz
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was Rollputz eigentlich ist
  2. Wofür er sich eignet
  3. Auf welchen Untergründen er hält
  4. Die Grundierung entscheidet
  5. Welches Werkzeug
  6. Verbrauch und Kosten
  7. Vorteile und Grenzen
  8. Rollputz im Bad und außen
  9. Häufige Fragen

Rollputz ist ein streichfertiger Strukturputz, der mit einer Rolle aufgetragen wird statt mit Kelle oder Glätter. Er liefert eine gleichmäßige, fein gekörnte Oberfläche, deckt kleine Unebenheiten ab und ist damit der einfachste Weg zu einer verputzt wirkenden Wand. Einen richtigen Unterputz ersetzt er aber nicht.

Was Rollputz eigentlich ist

Chemisch ist Rollputz meist ein Dispersionsputz: Kunstharzbindemittel, feine Füllstoffe wie Quarzsand oder Marmormehl, Wasser. Er kommt gebrauchsfertig im Eimer und hat die Konsistenz einer sehr dicken Farbe. Daneben gibt es mineralische Varianten auf Kalk- oder Silikatbasis, die atmungsaktiver sind, aber etwas mehr Übung verlangen.

Die Körnung ist fein, meist deutlich unter einem Millimeter bis etwa eineinhalb Millimeter. Das unterscheidet ihn vom klassischen Reibeputz mit zwei oder drei Millimeter Korn, der sichtbare Rillen bildet. Rollputz ergibt eine gleichmäßig raue, leicht körnige Fläche, deren Struktur vor allem von der Rolle kommt.

Wofür er sich eignet

Rollputz ist ein Oberputz für Innenräume, in wetterfester Ausführung auch für Fassaden. Er eignet sich gut für:

  • Wände mit kleinen Unebenheiten und Haarrissen, die man nicht vollflächig spachteln will,
  • Decken, bei denen eine gleichmäßige Struktur besser wirkt als eine glatte Fläche mit Streiflicht,
  • Renovierungen, bei denen es schnell gehen soll und keine Putzmaschine anrückt.

Was er nicht kann: Löcher füllen, schiefe Wände begradigen, eine Schicht von einem Zentimeter aufbauen. Dafür braucht es Unterputz oder Spachtelmasse. Rollputz trägt nur ein bis zwei Millimeter auf.

Auf welchen Untergründen er hält

Der Untergrund muss fest, sauber, trocken und tragfähig sein. Das ist bei den meisten Innenwänden der Fall, aber nicht bei allen.

UntergrundEignungVorbereitung
Kalkzement- oder GipsputzgutTiefgrund bei stark saugendem Putz
GipskartongutFugen gespachtelt, Grundierung Pflicht
Tragfähige DispersionsfarbegutHaftprobe mit Klebeband, Quarzgrund
Raufaser oder Vliestapetebedingtnur fest verklebt; besser vorher entfernen
BetongutSchalöl entfernen, Quarzgrund
OSB- und Holzplattenschwierigarbeiten stark, Risse an den Fugen; Armierung nötig
FliesenschwierigSpezialhaftgrund, glasierte Fläche anschleifen
Styropor, Holzfaser außennur im Systemmit Armierungsputz und Gewebe des Herstellers

Tapete ist der häufigste Streitpunkt. Rollputz ist schwer und feucht. Eine alte Raufaser, die nur noch locker hält, löst sich unter der nassen Schicht und wirft Blasen. Wer sicher gehen will, entfernt die Tapete vorher – siehe Tapeten ablösen.

Rollputz-Erfahrungen
Die Erfahrungen mit Rollputz sind überwiegend positiv, da dieser praktisch und dekorativ ist. | Foto: digieye / Depositphotos.com

Die Grundierung entscheidet

Fast jeder Hersteller schreibt eine Grundierung vor, und das hat zwei Gründe. Ein Tiefgrund verfestigt sandende Flächen und gleicht das Saugverhalten an, sonst trocknet der Putz an manchen Stellen zu schnell und bekommt Ansätze. Ein Quarzgrund mit eingemischtem Sand gibt dem Putz auf glatten Flächen wie alter Farbe oder Gipskarton den nötigen Griff. Welcher Grund passt, steht auf dem Putzeimer – im Zweifel nehmen Sie das System desselben Herstellers.

Welches Werkzeug

Aufgetragen wird mit einer Strukturrolle. Schaumstoff- und Moosgummirollen erzeugen eine feine Orangenhaut, Lammfell- und langflorige Rollen eine gröbere Struktur, Rollen mit eingeprägtem Muster eine regelmäßige Zeichnung. Für Ecken und Kanten brauchen Sie einen Pinsel oder eine kleine Rolle. Wie die Arbeit selbst abläuft, steht ausführlich unter Rollputz auftragen.

Verbrauch und Kosten

Der Verbrauch hängt von Körnung und Untergrund ab und liegt meist bei etwa 1 bis 2 kg je Quadratmeter und Arbeitsgang. Die genaue Angabe steht auf dem Gebinde. Ein Eimer mit 15 oder 20 kg reicht damit für ein bis zwei Wände eines normalen Zimmers. Rollputz aus dem Baumarkt kostet meist zwischen 2 und 5 Euro je Kilogramm, dazu Grundierung und Rolle.

Vorteile und Grenzen

Dafür
  • ohne Putzerfahrung zu verarbeiten
  • gebrauchsfertig, kein Anmischen
  • kaschiert Haarrisse und kleine Dellen
  • überstreichbar mit Dispersionsfarbe
Dagegen
  • kein Ersatz für Unterputz oder Spachtel
  • Dispersionsputz ist wenig diffusionsoffen
  • Ansätze bei zu langsamer Arbeit
  • raue Fläche sammelt Staub, schwer abwaschbar

Rollputz im Bad und außen

Im Bad außerhalb der direkt beregneten Bereiche ist Rollputz möglich, wenn das Produkt dafür freigegeben ist. Mineralische Varianten nehmen Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab, was dem Raumklima hilft. In der Dusche hat er nichts zu suchen. Außen muss es ausdrücklich ein Fassadenputz sein, der UV-beständig und wasserabweisend ist.

Häufige Fragen

Kann man Rollputz später wieder entfernen?

Schwierig. Er haftet fest und lässt sich nur mechanisch abtragen. Leichter ist es, die Fläche zu glätten, indem man sie mit Spachtelmasse überzieht. Hinweise dazu unter Putz entfernen.

Ist Rollputz dasselbe wie Streichputz?

Fast. Beide werden gerollt oder gestrichen, die Begriffe verschwimmen im Handel. Streichputz ist oft noch etwas feiner und flüssiger.

Muss ich ihn überstreichen?

Nein, es gibt ihn weiß und abgetönt. Wer die Farbe später ändern will, streicht einfach mit Dispersionsfarbe über, am besten mit einer langflorigen Rolle.

Das könnte Sie auch interessieren