Styrodurplatten

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„Styrodur“ ist ein Markenname der BASF. Gemeint ist extrudiertes Polystyrol, kurz XPS – die blauen, grünen oder gelben Dämmplatten mit der geschlossenen, harten Oberfläche.
Der Unterschied zum bekannteren weißen Styropor (EPS) ist nicht kosmetisch: XPS hat eine geschlossene Zellstruktur. Es nimmt kaum Wasser auf und hält Druck aus. Genau deshalb sitzt es dort, wo EPS versagt.
XPS oder EPS – wo liegt der Unterschied
| XPS (Styrodur) | EPS (Styropor) | |
| Zellstruktur | geschlossen | verschweißte Kügelchen |
| Wasseraufnahme | sehr gering | deutlich höher |
| Druckfestigkeit | 150–700 kPa | 60–200 kPa |
| Wärmeleitfähigkeit λ | 0,030–0,040 W/(m·K) | 0,032–0,045 W/(m·K) |
| Preis je m² (60 mm) | 12–20 € | 6–12 € |
| Typischer Einsatz | Perimeter, Sockel, Umkehrdach, Boden | Fassade, Innendämmung, Dach |
Die Regel ist einfach: Wo Wasser oder Last hinkommt, XPS. Unter dem Estrich, gegen erdberührte Kellerwände, im Sockelbereich. An der trockenen Fassade tut es EPS für die Hälfte des Preises.
Was die Dämmwerte bedeuten
Die Wärmeleitfähigkeit λ steht auf jeder Platte. Je kleiner, desto besser. Daraus ergibt sich der U-Wert des Bauteils – und der ist das, was zählt.
| Dicke | R-Wert bei λ 0,035 | Typische Anwendung |
| 30 mm | 0,86 m²K/W | Innendämmung Laibung |
| 60 mm | 1,71 m²K/W | Sockel, Perimeter leicht |
| 100 mm | 2,86 m²K/W | Kellerwand, Bodenplatte |
| 140 mm | 4,00 m²K/W | Fassade nach heutigem Standard |
Für einen U-Wert von 0,24 W/(m²K) an einer Außenwand – das ist der Richtwert des Gebäudeenergiegesetzes bei einer Sanierung – braucht man auf üblichem Mauerwerk etwa 140 mm XPS.
Doppelte Dicke bringt nicht doppelte Wirkung. Von 60 auf 120 mm sinkt der Wärmeverlust um gut ein Drittel, von 120 auf 180 mm nur noch um ein Achtel. Der erste Zentimeter ist immer der wirksamste.
Die Kanten kennen
- Stumpfe Kante. Einfachste Form, aber jede Fuge ist eine Wärmebrücke.
- Stufenfalz. Die Platten überlappen sich – der Standard für gedämmte Flächen, weil kein durchgehender Spalt entsteht.
- Nut und Feder. Für Böden und Umkehrdächer.
- Gewaffelte Oberfläche. Aufgeraute Struktur, damit Kleber und Putz haften. Glatte Platten müssen dafür angeschliffen werden.
Schneiden
XPS lässt sich sauber trennen, wenn man das richtige Werkzeug nimmt.
- Cuttermesser bis etwa 30 mm: anritzen und brechen. Klinge oft wechseln.
- Fuchsschwanz oder Dämmstoffsäge bei dickeren Platten – die grobe Zahnung reißt weniger als eine feine.
- Thermosäge oder Styroporschneidegerät für den glattesten Schnitt. Dabei gut lüften: Beim Schmelzen entstehen Dämpfe.
- Nicht mit der Stichsäge. Das Blatt erhitzt sich, verklebt und reißt die Platte auf.
Weitere Handgriffe stehen unter Styropor einfach schneiden.
Kleben und Dübeln
Nur lösemittelfreie Kleber. Das ist keine Empfehlung, sondern zwingend: Lösemittel lösen Polystyrol buchstäblich auf. Geeignet sind Dispersionskleber, mineralische Klebespachtel und PU-Dämmstoffkleber.
Aufgetragen wird im Rand-Punkt-Verfahren: ein umlaufender Wulst plus drei bis fünf Batzen in der Fläche. So bleibt die Platte auch auf unebenem Untergrund in einer Ebene.
Ab etwa 100 mm Dämmdicke und generell an Fassaden kommen Tellerdübel dazu, meist 6 bis 8 Stück je Quadratmeter. Die Verankerungstiefe im tragenden Untergrund muss mindestens 25 bis 35 mm betragen – siehe auch Trockenbaudübel für leichte Untergründe.
Im erdberührten Perimeterbereich wird nicht gedübelt: Jede Durchdringung ist ein Loch in der Abdichtung. Dort hält die Platte über Kleber und das Erdreich.
Verputzen
XPS bewegt sich mit der Temperatur. Putz direkt darauf reißt an jeder Fuge.
- Oberfläche anrauen, falls nicht gewaffelt.
- Armierungsmörtel etwa 3 bis 5 mm dick aufziehen.
- Armierungsgewebe im oberen Drittel einbetten, Bahnen 10 cm überlappen. An Ecken und Öffnungen zusätzliche Diagonalstreifen.
- Zweite Lage Mörtel, das Gewebe muss vollständig bedeckt sein.
- Trocknen lassen, dann Oberputz.
An Anschlüssen zu Fenstern und Türen gehören Anputzleisten hinein – sie nehmen die Bewegung auf und verhindern den Riss, der sonst zuverlässig kommt.
Typische Fehler
- Lösemittelhaltiger Kleber oder Lack. Die Platte löst sich auf. Auch Bauschaum muss ausdrücklich für Polystyrol freigegeben sein.
- UV-Strahlung. XPS vergilbt und versprödet im Sonnenlicht. Platten nicht wochenlang unverputzt stehen lassen.
- Ohne Armierungsgewebe verputzt. Risse innerhalb eines Jahres.
- Fugen offen gelassen. Jeder Spalt ist eine Wärmebrücke und im schlimmsten Fall der Ort, an dem später Schimmel sitzt.
- Brandschutz übersehen. Polystyrol ist brennbar (Baustoffklasse B1, normal entflammbar). An Fassaden über 7 m Höhe gelten besondere Anforderungen.
Häufige Fragen
Welche Formate gibt es?
Üblich sind 1250 × 600 mm, daneben 2500 × 600 mm. Dicken von 20 bis 200 mm, meist in 10er- oder 20er-Schritten. Ein Quadratmeter 60-mm-Platte wiegt nur etwa 2 kg – ein ganzes Paket trägt eine Person.
Dämmt Styrodur auch gegen Lärm?
Kaum. XPS ist steif und hart, und genau das ist für Schallschutz ungünstig. Gegen Trittschall braucht es weichfedernde Dämmung, gegen Luftschall Masse. Wer beides will, kombiniert.
Kann ich Styrodurplatten streichen?
Ja, mit lösemittelfreier Dispersionsfarbe oder Silikatfarbe. Alles auf Lösemittelbasis – auch viele Sprühlacke – zerstört die Platte. Im Zweifel an einem Reststück testen.
Was kostet die Dämmung insgesamt?
Material für eine 140-mm-Fassadendämmung liegt bei 25 bis 40 Euro je Quadratmeter samt Kleber, Dübeln, Gewebe und Putz. Mit Fachbetrieb und Gerüst kommen 100 bis 180 Euro je Quadratmeter zusammen.
Ist XPS recycelbar?
Sortenreines XPS ja, verklebtes und verputztes praktisch nicht. Verschnitt von der Baustelle nehmen manche Hersteller zurück; Reste aus dem Rückbau gehen in die Verbrennung.



