Styropor ganz einfach schneiden – Ein paar Tipps

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Styropor lässt sich mit fast jedem scharfen Werkzeug schneiden – die Frage ist nur, wie viele Krümel dabei im ganzen Raum landen. Für gerade Schnitte in dünnen Platten genügt ein Cuttermesser, für dicke Dämmplatten ein Dämmstoffmesser oder eine Säge, für glatte Kanten und Formen ein Heißdrahtschneider. Die Wahl hängt von Dicke, Menge und gewünschter Kante ab.
Was Styropor eigentlich ist
Styropor ist der bekannteste Markenname für expandiertes Polystyrol, kurz EPS. Es besteht aus kleinen Schaumkügelchen von wenigen Millimetern Durchmesser, die miteinander verschweißt sind. Beim Schneiden brechen diese Kügelchen auseinander, und genau das erzeugt die typischen Krümel, die statisch aufgeladen an Kleidung und Werkzeug haften.
Nicht zu verwechseln ist es mit extrudiertem Polystyrol, kurz XPS, das oft unter dem Namen Styrodur bekannt ist. XPS ist dichter, meist farbig und hat keine Kügelchenstruktur. Es krümelt kaum, ist aber härter zu schneiden. Mehr dazu unter Styrodurplatten.
Die Werkzeuge im Vergleich
| Werkzeug | Für | Schnittkante |
| Cuttermesser | dünne Platten bis etwa 3 cm | gut, bei stumpfer Klinge krümelig |
| Dämmstoffmesser | dicke Dämmplatten | ordentlich, etwas rau |
| Feinzahnsäge, Fuchsschwanz | dicke Platten, grobe Zuschnitte | rau, viele Krümel |
| Heißdrahtschneider | alle Stärken, Formen, Serien | glatt, versiegelt |
| Thermomesser (Heißmesser) | Details, Aussparungen | glatt |
Mit dem Cuttermesser
Für dünne Platten, Deckenplatten und Bastelarbeiten ist das Cuttermesser das Werkzeug der Wahl. Entscheidend ist eine frische, scharfe Klinge. Stumpfe Klingen reißen die Kügelchen heraus statt sie zu durchtrennen. Brechen Sie das vorderste Segment der Abbrechklinge regelmäßig ab, bei größeren Mengen schon nach wenigen Metern Schnitt.
Führen Sie das Messer an einem Metalllineal entlang und schneiden Sie in mehreren flachen Zügen statt in einem kräftigen. Bei dünnen Platten genügt es oft, einmal tief anzuritzen und die Platte über eine Tischkante zu brechen.
Mit Dämmstoffmesser oder Säge
Für Dämmplatten mit 10 cm und mehr reicht eine Cutterklinge nicht. Ein Dämmstoffmesser hat eine lange, gewellte oder gezahnte Klinge, mit der Sie die Platte in einem Zug durchtrennen. Es ist das Standardwerkzeug auf der Baustelle beim Anbringen von Wärmedämmung, siehe Dämmstoffmesser.
Eine Feinzahnsäge oder ein Fuchsschwanz mit kleinen Zähnen funktioniert ebenfalls. Sägen Sie mit wenig Druck und flachem Winkel, das reduziert die Krümel. Grobe Sägen reißen das Material auf und sind ungeeignet.
Mit Heißdraht
Ein Heißdrahtschneider schmilzt sich durch das Material. Ein dünner Draht wird elektrisch erhitzt und gleitet fast ohne Widerstand durch den Schaum. Das Ergebnis ist eine glatte, versiegelte Kante ohne Krümel. Das Verfahren eignet sich für exakte Zuschnitte, Rundungen, Buchstaben und Modellbau. Für den Heimgebrauch gibt es Handgeräte und Tischgeräte mit Führung, beschrieben unter Styroporschneidegerät. Wer basteln mag, findet unter Styroporschneider selber bauen eine Anleitung.
Dämpfe beim thermischen Schneiden
Beim Schmelzen von Polystyrol entstehen Dämpfe, unter anderem Styrol. Arbeiten Sie mit Heißdraht nur in gut belüfteten Räumen oder im Freien und halten Sie die Temperatur so niedrig wie möglich: Der Draht soll schmelzen, nicht verbrennen. Raucht es sichtbar oder wird die Kante braun, ist er zu heiß. Bei längeren Arbeiten ist eine Absaugung oder zumindest ein offenes Fenster mit Durchzug Pflicht.
Gerade Schnitte gelingen so
- Anreißen. Mit einem weichen Bleistift oder Filzstift, Kugelschreiber drückt ein.
- Führen. Ein Metalllineal oder eine Wasserwaage als Anschlag auflegen und fest andrücken.
- Rechtwinklig halten. Das Messer senkrecht zur Oberfläche führen, sonst wird die Kante schräg – bei Dämmplatten entstehen so Fugen.
- Mehrfach ziehen. Lieber drei flache Züge als ein kräftiger.
- Kante prüfen. Überstehende Kügelchen mit feinem Schleifpapier oder einem Schleifklotz abnehmen.
Weniger Krümel
- Werkzeug scharf halten. Die wichtigste Maßnahme überhaupt.
- Klinge leicht anwärmen, etwa in heißem Wasser, und gut abtrocknen. Das glättet den Schnitt bei dünnen Platten.
- Staubsauger bereithalten. Styroporkrümel sind statisch geladen und fliegen beim Fegen davon.
- Antistatik-Tuch oder ein feuchtes Tuch auf der Arbeitsfläche hält die Krümel fest.
- Im Freien arbeiten, wenn viele Platten zu schneiden sind.
Aussparungen und Ausschnitte
Für Steckdosen, Rohrdurchführungen oder Fensterlaibungen zeichnen Sie den Ausschnitt auf beiden Seiten der Platte an. Schneiden Sie mit einem schmalen Cutter oder einem Thermomesser von beiden Seiten zur Mitte hin, dann reißt das Material an der Rückseite nicht aus. Runde Löcher gelingen mit einer passenden Dose als Schablone und kurzen, senkrechten Schnitten rundherum.
Entsorgung
Sauberes Styropor aus Verpackungen gehört in die Wertstofftonne oder den gelben Sack. Dämmplatten aus Bau und Renovierung sind dagegen Bauabfall und müssen über den Wertstoffhof oder einen Entsorger abgegeben werden. Ältere Dämmplatten enthalten teils das Flammschutzmittel HBCD, für das besondere Entsorgungsregeln gelten; die örtliche Abfallberatung weiß, was bei Ihnen gilt.
Häufige Fragen
Kann ich Styropor mit der Stichsäge schneiden?
Mit einem feinen Sägeblatt ja, allerdings entstehen viele Krümel und die Kante wird rau. Für dicke Platten gibt es Wellenschliffblätter, die sauberer schneiden.
Wie klebe ich Styropor?
Nur mit lösemittelfreien Klebern, die für Polystyrol freigegeben sind. Viele Sprühkleber lösen den Schaum an, siehe Sprühkleber.
Wie schneide ich Rundungen?
Am saubersten mit einem Heißdrahtschneider. Mit dem Messer geht es in kleinen Schritten mit einer Schablone und viel Geduld.



