Scheibenputz

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Scheibenputz ist ein Oberputz, dessen Körner fast alle gleich groß sind. Beim Verreiben mit dem Reibebrett bleibt deshalb eine gleichmäßige, körnige Oberfläche ohne Rillen stehen – anders als beim Rillenputz, bei dem einzelne grobe Körner Furchen ziehen. Er ist innen wie außen verbreitet, vor allem auf Wärmedämmverbundsystemen.
Was Scheibenputz ausmacht
Die Bezeichnung kommt von der Arbeitsweise: Der Putz wird mit dem Reibebrett in kreisenden Bewegungen strukturiert, als würde man eine Scheibe drehen. Fachlich heißt er auch Kornputz oder Voll-Abrieb. Das Größtkorn bestimmt die Schichtdicke: Der Putz wird in Kornstärke aufgezogen, sodass nur eine einzige Kornlage auf der Wand liegt.
Das Gegenstück ist der Reibeputz als Rillenputz, bei dem wenige grobe Körner in einer feineren Masse beim Reiben Rillen ziehen. Beide werden im Handel oft unter dem Oberbegriff Reibeputz geführt, was zu Verwechslungen führt.
Die drei gängigen Körnungen
| Körnung | Wirkung | Typischer Einsatz | Verbrauch ca. |
| 1 mm | fein, fast glatt | Innenräume, kleine Flächen | 1,5–2 kg/m² |
| 2 mm | mittel, deutlich körnig | innen und außen, der Standard | 2,5–3 kg/m² |
| 3 mm | grob, rustikal | Fassaden, große Flächen | 3,5–4 kg/m² |
Die Verbrauchswerte sind Richtwerte; der Hersteller nennt die genauen Mengen, und auf rauem Untergrund liegt man eher darüber. Je gröber die Körnung, desto besser verzeiht der Putz Unebenheiten und desto unempfindlicher ist er gegen Ansätze. Auf großen Fassaden werden deshalb meist 2 oder 3 mm gewählt.
Mineralisch oder pastös
Mineralischer Scheibenputz kommt als Trockenmörtel im Sack, gebunden mit Kalk und Zement. Er ist diffusionsoffen, nicht brennbar und günstig, muss aber angemischt werden und wird meist nachträglich gestrichen.
Pastöser Scheibenputz auf Basis von Kunstharz, Silikat oder Silikonharz kommt gebrauchsfertig im Eimer, oft schon durchgefärbt. Er ist elastischer, weniger rissanfällig und wird häufig auf Wärmedämmverbundsystemen eingesetzt. Silikonharzputz ist stark wasserabweisend und bleibt länger sauber.

Wo er eingesetzt wird
- Fassaden auf Unterputz oder Armierungsschicht von Dämmsystemen.
- Innenwände in Fluren, Treppenhäusern und Wohnräumen, wenn eine strukturierte, robuste Oberfläche gewünscht ist.
- Sockel und Kellerräume, wenn eine spezielle Sockelausführung verwendet wird.
Nicht geeignet ist er als Ausgleichsschicht: Er trägt nur in Kornstärke auf. Unebenheiten müssen vorher mit Unterputz oder Spachtel ausgeglichen sein.
Scheibenputz, Kratzputz, Rillenputz
Kratzputz wird dicker aufgetragen und nach dem Anziehen mit einem Nagelbrett abgekratzt. Er ist aufwendiger, gilt aber als besonders robust und rissunempfindlich. Rillenputz hat die typischen Furchen. Scheibenputz liegt dazwischen: gleichmäßig, gut zu verarbeiten, auch für Heimwerker beherrschbar. Welche Oberfläche schöner ist, ist Geschmackssache. Technisch spricht bei Heimwerkerprojekten viel für Scheibenputz, weil er weniger Übung verlangt als Kratzputz.
Wann gerieben wird
Der Zeitpunkt entscheidet über das Ergebnis. Gerieben wird, sobald der Putz leicht angezogen hat, er also nicht mehr am Brett klebt, aber noch nicht fest ist. Je nach Temperatur, Wind und Untergrund sind das wenige Minuten bis etwa eine Viertelstunde. Wer zu früh reibt, schmiert. Wer zu spät reibt, reißt Körner heraus. Wie das in der Praxis abläuft, steht ausführlich unter Scheibenputz auftragen.
Überstreichen
Mineralischer Scheibenputz wird meist gestrichen, um eine gleichmäßige Farbe zu bekommen. Dafür muss er vollständig durchgetrocknet und carbonatisiert sein; Hersteller nennen oft einen Tag je Millimeter Schichtdicke als Mindestwert, außen meist länger. Geeignet sind Silikat-, Silikonharz- oder Dispersionsfarben, je nach Putz. Durchgefärbte Pastenputze brauchen keinen Anstrich, können aber später überstrichen werden.
Schäden und ihre Ursachen
Risse im Putz kommen selten vom Oberputz selbst. Meist reißt der Untergrund, etwa an Plattenstößen, Rollladenkästen oder Fensterecken, und der Putz zeichnet das nach. Dagegen hilft nur eine Armierungsschicht mit Gewebe unter dem Oberputz, an Fensterecken zusätzlich diagonal eingelegte Gewebestreifen.
Algen und grüne Beläge auf Fassaden treten vor allem auf gedämmten Wänden an der Nordseite auf, weil die Oberfläche nachts stark abkühlt und lange feucht bleibt. Grobe Körnung hält die Feuchtigkeit länger in den Zwischenräumen. Silikonharzputz oder ein Anstrich mit Filmschutz verzögern den Bewuchs, verhindern ihn aber nicht dauerhaft.
Helle Flecken und Wolken bei mineralischem Putz entstehen durch ungleichmäßiges Trocknen: Sonne auf einem Teil der Wand, unterschiedlich saugender Untergrund oder wechselnde Wassermengen beim Anmischen. Ein Anstrich gleicht das aus.
Kosten
Mineralischer Scheibenputz im Sack gehört zu den günstigsten Oberputzen, oft unter einem Euro je Kilogramm. Pastöse Putze kosten ein Mehrfaches, dafür entfallen Anmischen und häufig der Anstrich. Bei 2 mm Körnung und rund 3 kg je Quadratmeter liegen die reinen Materialkosten für mineralischen Putz bei wenigen Euro je Quadratmeter, für Silikonharzputz deutlich darüber.
Häufige Fragen
Ist Scheibenputz dasselbe wie Reibeputz?
Im Handel oft ja, fachlich nein. Scheibenputz ist ein Kornputz ohne Rillen, Reibeputz im engeren Sinn ein Rillenputz. Achten Sie auf Bild und Beschreibung.
Kann ich Scheibenputz auf Tapete auftragen?
Nicht zu empfehlen. Das Gewicht und die Feuchtigkeit lösen die Tapete. Der Putz gehört auf mineralischen Untergrund, Gipskarton oder tragfähige Farbe mit Grundierung.
Wie entferne ich Scheibenputz?
Nur mechanisch, mit Hammer und Meißel oder einer Putzfräse. Soll die Wand glatt werden, ist Überspachteln oft einfacher. Hinweise unter Putz entfernen.



