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Heimwerker-Berater

Baumwollputz

Haus & Bauvon Christoph4 Min. · 11 Abschnitte
Baumwollputz
Inhalt11 Abschnitte
  1. Woraus Baumwollputz besteht
  2. Wo er sich eignet – und wo nicht
  3. Die Vorteile
  4. Die Nachteile
  5. Den Untergrund vorbereiten
  6. Anrühren und Probe
  7. Auftragen mit Kelle oder Pistole
  8. Trocknen und Pflege
  9. Ausbessern und entfernen
  10. Häufige Fragen
  11. Video zum Thema

Baumwollputz ist kein Putz im klassischen Sinn, sondern eine Wandbeschichtung aus Fasern und Bindemittel, die mit Wasser angerührt und wie eine Paste aufgezogen wird. Er ergibt eine weiche, fugenlose Oberfläche mit textiler Struktur. Sein größter Vorteil ist die Reparierbarkeit: Mit Wasser angefeuchtet, lässt er sich wieder lösen und neu verarbeiten.

Woraus Baumwollputz besteht

Die Mischung besteht zum Großteil aus Baumwoll- und Zellulosefasern, dazu kommen ein Bindemittel auf Zellulosebasis, bei manchen Produkten Seidenfasern, Glimmer oder farbige Flocken für Effekte. Geliefert wird er als trockene, flockige Masse im Beutel. Im Handel heißt er auch Flüssigtapete oder Seidenputz; die Produkte ähneln sich, unterscheiden sich aber in Faseranteil und Struktur. Eine allgemeine Einordnung steht unter Flüssigtapete.

Die Idee ist nicht neu: Faserbeschichtungen auf Wänden sind seit Jahrhunderten bekannt, die heutige Form wurde vor allem ab den 1990er-Jahren verbreitet.

Wo er sich eignet – und wo nicht

Gut geeignet
  • Wohn- und Schlafräume
  • Flure und Treppenhäuser im privaten Bereich
  • Leicht unebene Wände, Altbau, Dachschrägen
  • Räume, in denen die Akustik etwas gedämpft werden soll
Weniger geeignet
  • Bad und Dusche, Spritzbereich der Küche
  • Räume, in denen geraucht oder viel gebraten wird
  • Kinderzimmerwände in Griffhöhe
  • Flächen, die regelmäßig abgewischt werden müssen

Weil die Fasern Wasser aufnehmen, verträgt er keine dauerhafte Nässe und lässt sich nicht abwaschen. Gerüche nimmt die offene Struktur ebenfalls auf.

Die Vorteile

  • Fugenlos. Keine Tapetennähte, auch an Rundungen, Nischen und Schrägen.
  • Kaschiert Unebenheiten. Kleine Dellen und Risse verschwinden unter der Faserschicht.
  • Keine Staubentwicklung beim Auftragen. Anders als beim Schleifen von Spachtelmasse.
  • Diffusionsoffen. Der Belag nimmt Luftfeuchte auf und gibt sie wieder ab.
  • Angenehme Akustik. Die weiche Oberfläche dämpft Hall ein wenig.
  • Reparabel und wiederverwendbar. Beschädigte Stellen lassen sich ausbessern, abgetragenes Material kann erneut verarbeitet werden.

Die Nachteile

Der Hauptnachteil ist der Preis. Rechnen Sie mit etwa 3 bis 4 Euro Material je Quadratmeter, eine gute Raufasertapete kostet einen Bruchteil davon. Dazu kommt die Trockenzeit: Eine frisch beschichtete Wand braucht je nach Raumklima ein bis drei Tage, bis sie fest ist. Und wer Baumwollputz einmal überstreicht, verliert seine Vorteile – Struktur, Diffusionsoffenheit und die Möglichkeit, ihn mit Wasser zu lösen.

Den Untergrund vorbereiten

Die Vorbereitung ist wichtiger als bei einer Tapete, weil Baumwollputz leicht durchscheint und Feuchtigkeit aus dem Material Flecken aus der Wand löst.

  1. Alte Tapeten entfernen, lose Teile abkratzen, Risse und Löcher spachteln.
  2. Schimmel beseitigen. Auf befallenen Flächen hat Baumwollputz nichts zu suchen.
  3. Metall schützen. Nägel, Schrauben und Metallprofile punktuell mit Lack oder Rostschutz überstreichen, sonst entstehen durch die Feuchtigkeit Rostflecken.
  4. Grundieren. Eine weiß pigmentierte, sperrende Grundierung gleicht die Saugfähigkeit aus und verhindert, dass dunkle Stellen, Spachtelflecken oder Nikotin durchschlagen.
  5. Trocknen lassen. Die Grundierung muss vollständig durchgetrocknet sein.

Anrühren und Probe

Die Masse wird in einem Eimer mit der vom Hersteller angegebenen Wassermenge vermischt – mit den Händen, nicht mit dem Rührquirl, der die Fasern zerreißt. Danach muss sie einige Stunden quellen, oft über Nacht. Ein Beutel reicht meist für einige Quadratmeter; rechnen Sie mit etwa 200 bis 250 g Trockenmasse je Quadratmeter bei mittlerer Schichtdicke.

Machen Sie vorab eine Probe auf einem Stück Karton oder in einer unauffälligen Ecke. So sehen Sie, wie Farbe und Struktur nach dem Trocknen wirken, und üben die Kellenführung.

Auftragen mit Kelle oder Pistole

Mit der Glättkelle aus Kunststoff wird die Masse portionsweise aufgenommen und in kreisenden oder geraden Bewegungen dünn auf die Wand gezogen, meist 1 bis 3 mm stark. Arbeiten Sie von einer Ecke aus und immer nass in nass, damit keine Ansätze entstehen. Eine Wand sollte in einem Zug fertig werden.

Baumwollputz verarbeiten
Baumwollputz lässt sich leicht auftragen! | Foto: Syda_Productions / Depositphotos.com

Mit der Trichterpistole geht es bei großen Flächen deutlich schneller. Sie wird an einen Kompressor angeschlossen und sprüht die Masse auf; danach wird mit der Kelle geglättet. Düsen von 4 bis 8 mm sind üblich. Siehe Putzpistole.

Trocknen und Pflege

Während der Trocknung gut lüften und nicht heizen, bis die Wand trocken ist; zu schnelles Trocknen kann zu Rissen führen. Im Winter bei trockener Heizungsluft dauert es kürzer, bei feuchtem Wetter länger. Danach reicht zur Pflege Staubsaugen mit weicher Bürste. Flecken lassen sich punktuell ausbessern statt abwaschen.

Ausbessern und entfernen

Ein Loch, ein Fleck oder ein neuer Dübel: Die betroffene Stelle wird mit Wasser angefeuchtet, das Material mit dem Spachtel herausgelöst, mit frischer oder aufbewahrter Masse gefüllt und angeglichen. Legen Sie deshalb beim ersten Auftragen einen kleinen Beutel Reste zurück. Wer den Belag ganz loswerden will, feuchtet großflächig an und schabt ihn ab; das Material lässt sich getrocknet aufbewahren und wiederverwenden.

Häufige Fragen

Kann ich Baumwollputz überstreichen?

Technisch ja, mit einer diffusionsoffenen Farbe. Damit verlieren Sie aber Struktur und Reparierbarkeit. Wer Farbe will, wählt besser gleich eine farbige Mischung.

Eignet er sich gegen Schimmel?

Nein. Er nimmt Feuchte auf, beseitigt aber keine Ursache. Bei Feuchteproblemen helfen eher Maßnahmen wie unter Anti-Schimmel-Farbe beschrieben.

Wie unterscheidet er sich von Filzputz?

Filzputz ist ein mineralischer Putz, der mit dem Filzbrett verrieben wird. Baumwollputz ist eine Faserbeschichtung ohne Kalk oder Zement. Mehr unter Filzputz.

Video zum Thema

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Ein Leserkommentar

  1. Horst Siemann

    Die störenden Gerüche treten nur bei bestimmten Naturklebern auf. Ich verwende seit fast 20 Jahren Kleber, die gar nicht riechen. Die lange Trockenzeit kann man beim Spritzauftrag deutlich verkürzen, indem man zweimal dünn spritzt. Man hat dann pro Beschichtung ein bis drei Tage Trockenzeit.

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