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Heimwerker-Berater

Ein Flachdach abdichten: Möglichkeiten und Vorgehensweise

Haus & Bauvon Andreas4 Min. · 9 Abschnitte
Ein Flachdach abdichten: Möglichkeiten und Vorgehensweise
Inhalt9 Abschnitte
  1. Was ein Flachdach ausmacht
  2. Wo Flachdächer undicht werden
  3. Die Materialien im Vergleich
  4. So läuft eine Abdichtung ab
  5. Schweißbahnen verlegen
  6. Was Heimwerker selbst machen können
  7. Wartung verlängert die Lebensdauer
  8. Andere Dachformen
  9. Häufige Fragen

Ein Flachdach ist nicht flach, sondern leicht geneigt – und genau daran hängt, ob es dicht bleibt. Wasser, das stehen bleibt, findet früher oder später jede Schwachstelle. Welches Material Sie wählen, ist zweitrangig gegenüber Gefälle, sauberen Anschlüssen und einem trockenen Untergrund.

Was ein Flachdach ausmacht

Als Flachdach gelten Dächer mit einer Neigung bis etwa 10 Grad, im engeren Sinn bis 5 Grad. Die Flachdachrichtlinie des Dachdeckerhandwerks empfiehlt für die Abdichtungsebene ein Gefälle von mindestens 2 Prozent, also 2 cm auf einen Meter. Darunter bilden sich Pfützen, die in Hitze und Frost das Material belasten und Schmutz ablagern.

Nach dem Aufbau unterscheidet man drei Bauarten:

WarmdachDämmung liegt direkt auf der Decke, darüber die Abdichtung. Heute der Standard, braucht eine Dampfsperre unter der Dämmung.
KaltdachZwischen Dämmung und Abdichtung liegt eine belüftete Luftschicht. Häufig bei Holzkonstruktionen und älteren Gebäuden.
UmkehrdachDie Abdichtung liegt unten, darüber eine wasserfeste Dämmung aus XPS, beschwert mit Kies. Schützt die Abdichtung vor UV und Temperatur.

Wo Flachdächer undicht werden

Die Fläche selbst ist selten das Problem. Undicht wird es an den Rändern und Durchdringungen: an der Attika, an Wandanschlüssen, an Lichtkuppeln, Lüftungsrohren und Gullys. Dazu kommen mechanische Schäden durch Begehen, Hagel oder Wurzeln bei begrünten Dächern und Blasen, wenn unter der Abdichtung Feuchtigkeit eingeschlossen wurde.

Tückisch ist, dass Wasser unter der Abdichtung wandert. Der Fleck an der Decke liegt oft Meter entfernt von der eigentlichen Undichtigkeit. Bei Warmdächern kann sich die Dämmung über Jahre vollsaugen, bevor innen etwas sichtbar wird.

Die Materialien im Vergleich

MaterialVerarbeitungLebensdauer (Richtwert)
Bitumenschweißbahnzweilagig, mit Propanbrenner verschweißt20–30 Jahre
Kaltselbstklebende Bitumenbahnohne Flamme, auf Voranstrichähnlich, stark abhängig von der Verlegung
Kunststoffbahn (PVC, FPO)heißluftverschweißt, meist mechanisch befestigt25–30 Jahre
EPDMin einem Stück, geklebt oder aufgelegt40 Jahre und mehr
Flüssigkunststoffgestrichen mit Vlieseinlageje nach System 20–30 Jahre

Bitumen ist der Klassiker und am weitesten verbreitet. EPDM-Dachfolie hat den Vorteil, dass kleinere Dächer nahtlos aus einer Bahn belegt werden können. Flüssigkunststoff spielt seine Stärke bei Details aus – um Rohre, Ecken und Lichtkuppeln herum, wo Bahnen geschnitten und gestückelt werden müssten.

Bitumenbahnen
Bitumenbahnen | Foto: leschenko.inbox.lv / Depositphotos.com

So läuft eine Abdichtung ab

  1. Alte Schicht prüfen. Ist die Dämmung darunter nass, muss sie raus. Eine neue Abdichtung auf nasser Dämmung schließt die Feuchtigkeit nur ein.
  2. Untergrund vorbereiten. Sauber, trocken, fest. Lose Kiesschüttung abräumen, Blasen aufschneiden und flach kleben.
  3. Voranstrich auftragen. Bei Bitumen ein Bitumenvoranstrich, damit die Bahn auf Beton oder Holzschalung haftet.
  4. Erste Lage verlegen. Bahnen vom tiefsten Punkt aus, damit die Überlappungen wie Dachziegel mit dem Wasser laufen. Überlappung an Längs- und Stoßnähten nach Herstellerangabe, meist 8 bis 10 cm.
  5. Zweite Lage versetzt verlegen. Die Nähte der Oberlage dürfen nicht über denen der Unterlage liegen.
  6. Anschlüsse hochführen. An Wänden und Attika wird die Abdichtung in der Regel mindestens 15 cm über die wasserführende Fläche hochgezogen und oben mit einer Kappleiste oder Klemmschiene gesichert.
  7. Durchdringungen einfassen. Mit passenden Formteilen oder Flüssigkunststoff.

Schweißbahnen verlegen

Die Bahn wird aufgerollt, ausgerichtet, wieder zurückgerollt und dann Stück für Stück mit dem Brenner an der Unterseite angeschmolzen, bis ein kleiner Bitumenwulst an der Naht austritt. Das erfordert Übung: zu wenig Hitze, und die Bahn klebt nicht; zu viel, und sie verbrennt.

Offene Flamme auf einem Dach ist eine echte Brandgefahr, besonders an Holzschalungen, Dachrändern und Dämmstoffen. Halten Sie einen Feuerlöscher bereit, und kontrollieren Sie die Arbeitsstelle nach Feierabend noch einmal – Glutnester in Dämmstoff zünden manchmal erst Stunden später.

Was Heimwerker selbst machen können

Auf einer Garage oder einem Gartenhaus ist eine Abdichtung mit selbstklebenden Bahnen oder EPDM gut machbar. Anleitungen dafür finden Sie bei Garagendach abdichten und selbstklebende Dachpappe. Kleine Schäden am Wohnhausdach lassen sich mit Flüssigabdichtung oder einem Reparaturstreifen vorläufig schließen.

Die Sanierung eines bewohnten Flachdachs mit Dämmung, Dampfsperre und Anschlüssen an Fenster und Attika gehört dagegen zum Dachdecker. Ein Fehler kostet dort schnell mehr als die gesamte Eigenleistung einspart, und ohne Absturzsicherung ist ohnehin nicht zu arbeiten.

Wartung verlängert die Lebensdauer

Zweimal im Jahr, im Frühjahr und nach dem Laubfall, sollte jemand aufs Dach: Gullys und Notüberläufe freiräumen, Pfützen notieren, Anschlüsse und Nähte ansehen. Ein verstopfter Gully verwandelt ein Flachdach bei Starkregen in ein Becken, und dafür ist keine Abdichtung gebaut.

Andere Dachformen

Wer vor der Wahl steht, findet die Unterschiede zwischen Sattel-, Pult-, Walm- und Flachdach bei Vor- und Nachteile der Dacharten. Das Flachdach ist dabei die Form mit dem höchsten Anspruch an die Ausführung, dafür nutzbar als Terrasse, Gründach oder Standort für eine Solaranlage.

Häufige Fragen

Wie lange hält ein Flachdach?

Bei guter Ausführung und regelmäßiger Wartung je nach Material 20 bis 40 Jahre, bevor eine größere Sanierung ansteht. Schlecht ausgeführte Anschlüsse verkürzen das auf wenige Jahre.

Was kostet eine Flachdachsanierung?

Das hängt vor allem daran, ob die Dämmung erneuert werden muss. Eine reine Neuabdichtung ist deutlich günstiger als ein Komplettaufbau; für eine Sanierung mit Dämmung werden häufig 150 bis 250 Euro je Quadratmeter genannt. Kleine Reparaturen liegen bei wenigen hundert Euro.

Kann ich eine neue Bahn auf die alte kleben?

Wenn die alte Abdichtung fest haftet und die Dämmung darunter trocken ist, ist das oft möglich. Bei Blasen, nasser Dämmung oder mehreren alten Lagen muss der Aufbau zurückgebaut werden.

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