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Dämmplatten innen gegen Schimmel anbringen

Haus & Bauvon Christoph5 Min. · 11 Abschnitte
Dämmplatten innen gegen Schimmel anbringen
Inhalt11 Abschnitte
  1. Erst die Ursache klären
  2. Welche Platten geeignet sind
  3. Wie dick die Platten sein dürfen
  4. Bestehenden Schimmel zuerst entfernen
  5. Material und Werkzeug
  6. Anbringen Schritt für Schritt
  7. Der richtige Anstrich
  8. Typische Fehler
  9. Styropor als Innendämmung: warum dahinter oft Schimmel wächst
  10. Häufige Fragen
  11. Video zum Thema

Innendämmplatten gegen Schimmel wirken, indem sie die Wandoberfläche wärmer machen, sodass dort kein Tauwasser mehr entsteht. Das funktioniert nur mit dem richtigen Material und nur, wenn die Ursache tatsächlich eine kalte Wand ist. Falsch gewählte oder falsch verklebte Platten verlagern den Schimmel nur nach hinten, wo man ihn nicht sieht.

Erst die Ursache klären

Schimmel an Außenwänden hat meist eine von drei Ursachen. Entweder ist die Wand kälter als der Raum, etwa an Ecken, Laibungen oder Deckenanschlüssen, und die Raumluft kondensiert dort. Oder es kommt zu viel Feuchtigkeit in die Luft, weil zu wenig gelüftet wird. Oder die Feuchtigkeit kommt von außen, durch Schlagregen, einen Leitungsschaden oder aufsteigende Nässe.

Nur im ersten Fall helfen Dämmplatten. Kommt die Nässe von außen, müssen Sie zuerst die Ursache beheben. Ein Hygrometer im Raum und ein Oberflächenthermometer an der Wand liefern erste Hinweise. Wie Sie Schimmel eindeutig erkennen, steht unter Schimmel feststellen.

Welche Platten geeignet sind

KalziumsilikatplattenKapillaraktiv, stark alkalisch, nicht brennbar. Nehmen Feuchtigkeit auf und geben sie wieder ab. Der Klassiker gegen Schimmel.
MineraldämmplattenAus Kalk, Sand und Zement, leicht und diffusionsoffen. Dämmen besser als Kalziumsilikat, sind aber weicher.
Holzfaser-InnendämmungMit kapillaraktiver Schicht, gute Dämmwirkung. Organisch, daher nur im geprüften System.
Polystyrol, DämmtapeteOhne Dampfbremse hinter der Platte ungeeignet. Hier bildet sich Tauwasser, wo niemand hinsieht.

Kapillaraktiv heißt: Die Platte saugt anfallende Feuchtigkeit auf, verteilt sie und gibt sie an den Raum zurück. Deshalb kommt sie ohne Dampfbremse aus. Der hohe pH-Wert von Kalziumsilikat erschwert Schimmelsporen außerdem das Wachstum. Mehr dazu unter Kalziumsilikatplatten gegen Schimmel.

Wie dick die Platten sein dürfen

Gegen Schimmel reichen oft Plattenstärken von 2,5 bis 5 cm, die Oberflächentemperatur steigt dadurch bereits deutlich. Dickere Innendämmungen verbessern den Wärmeschutz, verschieben aber den Taupunkt weiter in die Wand hinein. Ab größeren Stärken oder bei Fachwerk, Holzbalkenköpfen in der Außenwand und Wänden mit Schlagregenbelastung ist eine bauphysikalische Berechnung sinnvoll. Hersteller geprüfter Systeme stellen dafür meist Unterlagen oder eine Beratung bereit.

Bestehenden Schimmel zuerst entfernen

Die Platten kommen nur auf eine saubere, schimmelfreie Wand. Kleine Befälle entfernen Sie selbst mit Alkohol wie Brennspiritus oder Isopropanol, bei guter Lüftung, mit Handschuhen und FFP2-Maske. Befallene Tapete und loser Putz kommen herunter. Bei größeren Flächen empfiehlt das Umweltbundesamt, eine Fachfirma zu beauftragen – als Faustwert gilt ein Befall von mehr als etwa einem halben Quadratmeter.

Material und Werkzeug

  • Dämmplatten und systemzugehöriger Klebemörtel, keine Fremdprodukte mischen
  • Laibungsplatten oder Keilplatten für Fenster und Anschlüsse
  • Zahnkelle, Mörtelkübel, Rührquirl
  • Fuchsschwanz oder feine Säge zum Zuschneiden
  • Wasserwaage, Richtscheit
  • Grundierung laut System, diffusionsoffene Farbe

Anbringen Schritt für Schritt

  1. Untergrund vorbereiten. Tapete, Dispersionsfarbe, Fliesen und lose Putzteile entfernen. Dichte Schichten unterbrechen die Kapillarwirkung und machen das System wirkungslos.
  2. Untergrund prüfen. Er muss tragfähig, eben und trocken sein. Größere Unebenheiten vorher mit Kalk- oder Kalkzementputz ausgleichen.
  3. Kleber vollflächig auftragen. Mit der Zahnkelle auf die Wand und bei Bedarf auf die Platte. Es dürfen keine Hohlräume bleiben, denn dort sammelt sich Tauwasser und Schimmel wächst hinter der Platte.
  4. Platten ansetzen im Verband, also mit versetzten Fugen, und kräftig andrücken. Fugen dicht stoßen, bei vielen Systemen mit Kleber in der Fuge.
  5. Laibungen dämmen. Fensterlaibungen sind die kälteste Stelle. Dünne Laibungsplatten verhindern, dass der Schimmel nur um die Ecke wandert.
  6. Anschlüsse ausbilden. An einbindenden Innenwänden und an der Decke Keilplatten ansetzen, damit die Wärmebrücke abgemildert wird.
  7. Trocknen lassen, dann grundieren und streichen.
Heimwerker überstreicht die Dämmplatten innen gegen Schimmel. | Foto: Stockcentral / Bigstockphoto.com
Heimwerker überstreicht die Dämmplatten innen gegen Schimmel. | Foto: Stockcentral / Bigstockphoto.com

Der richtige Anstrich

Auf kapillaraktive Platten gehören nur diffusionsoffene Beschichtungen: Silikatfarbe, Kalkfarbe oder die Systemfarbe des Herstellers. Normale Dispersionsfarbe, Latexfarbe oder Tapete machen die Oberfläche dicht und heben den Vorteil der Platte auf. Aus demselben Grund gehören keine großen Schränke oder Bilder flächig auf die gedämmte Wand – mindestens einige Zentimeter Abstand halten, damit Luft zirkuliert.

Typische Fehler

  • Punktweise verklebt. Hinter der Platte bildet sich Tauwasser, der Schimmel sitzt dann unsichtbar in der Wand.
  • Laibung vergessen. Der Schimmel wandert von der Wand an die Fensterkante.
  • Mit Dispersionsfarbe gestrichen. Die Platte kann nicht mehr puffern.
  • Ursache Lüftung ignoriert. Auch eine gedämmte Wand verträgt keine Raumluft, die dauernd über 65 Prozent relative Feuchte liegt.

Styropor als Innendämmung: warum dahinter oft Schimmel wächst

Styroporplatten sind billig, leicht und schnell an die Wand geklebt – und trotzdem die häufigste Ursache für Schimmel nach einer selbst gemachten Innendämmung. Das Material selbst schimmelt nicht. Das Problem entsteht dahinter:

  • Die Wand wird kälter. Hinter der Dämmung kommt keine Raumwärme mehr an, die alte Wandoberfläche kühlt ab.
  • Feuchte Luft findet den Weg. Über Fugen, Ränder, Steckdosen und Hohlräume einer punktweisen Verklebung gelangt Raumluft hinter die Platte und kondensiert an der kalten Wand.
  • Nichts trocknet zurück. Styropor saugt nicht und lässt wenig Dampf durch. Das Tauwasser bleibt, und Kleber, alte Tapete und Staub liefern dem Schimmel die Nahrung.

Eine Styropor-Dämmung innen funktioniert nur als lückenloses System: vollflächig verklebt, alle Anschlüsse luftdicht, je nach Aufbau mit Dampfbremse. Das ist in der Fläche machbar, an Fensterlaibungen, Steckdosen und einbindenden Wänden aber fehleranfällig – eine Aufgabe für geprüfte Systeme und sorgfältige Planung, nicht für Restplatten. Dasselbe gilt in klein für die Dämmtapete.

Zeigen sich an einer bestehenden Styroporverkleidung Stockflecken an Fugen oder Rändern, oder riecht es muffig, nehmen Sie eine Platte ab und sehen Sie dahinter nach. Befallene Platten kommen herunter, die Wand wird saniert und getrocknet, bevor etwas Neues darauf kommt.

Häufige Fragen

Helfen Dämmplatten auch gegen Schimmel im Bad?

Ja, wenn die Außenwand kalt ist. Im Bad kommt es aber vor allem aufs Lüften nach dem Duschen an. Eine Anti-Schimmel-Farbe allein löst das Problem nicht dauerhaft.

Darf ich die Platten tapezieren?

Nur mit sehr diffusionsoffenen Materialien, die der Hersteller freigibt. Sicherer ist ein Kalk- oder Silikatanstrich.

Wie lange halten die Platten?

Richtig verklebt und diffusionsoffen gestrichen, so lange wie der Putz daneben. Die Platten altern praktisch nicht.

Video zum Thema

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