Plexiglasplatte

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Plexiglas ist ein Markenname für Acrylglas, chemisch Polymethylmethacrylat oder kurz PMMA. Es ist glasklar, halb so schwer wie Glas und bruchfester – aber kratzempfindlicher und empfindlich gegenüber vielen Lösemitteln. Wer das weiß, verarbeitet es problemlos zu Abdeckungen, Schildern, Schutzwänden oder Rückwänden.
Was Acrylglas ausmacht
| Lichtdurchlässigkeit | rund 92 Prozent bei klarer Ware, etwas mehr als normales Fensterglas. |
| Dichte | etwa 1,19 g/cm³, Glas liegt bei rund 2,5 g/cm³. |
| Gebrauchstemperatur | dauerhaft bis etwa 70 bis 80 °C, erweicht über 100 °C. |
| Wärmeausdehnung | rund 0,07 mm je Meter und Kelvin, etwa das Siebenfache von Glas. |
| Brandverhalten | normal entflammbar, brennt ohne starke Rauchentwicklung. |
Acrylglas gibt es seit den 1930er-Jahren, entwickelt in Deutschland. Der Name Plexiglas ist bis heute eine eingetragene Marke, wird aber umgangssprachlich für jede Acrylglasplatte benutzt.
GS oder XT
GS steht für gegossenes Acrylglas. Es ist spannungsärmer, lässt sich besser fräsen, lasern und polieren und reißt beim Bohren seltener. XT ist extrudiert, also durch eine Düse gepresst. Es ist günstiger, maßlich gleichmäßiger in der Dicke, lässt sich leichter warm biegen und gut kleben, ist aber etwas empfindlicher gegen Spannungsrisse und Lösemittel. Für Schilder mit Gravur und Laserzuschnitt nimmt man GS, für Abdeckungen und Verglasungen reicht XT meist.
Welche Dicke wofür
| Dicke | Typischer Einsatz |
| 2–3 mm | Bilderrahmen, Modellbau, Abdeckungen ohne Last |
| 4–5 mm | Spritzschutz, Schilder, Vitrinen, Tischschutz |
| 6–8 mm | Schutzwände, Regalböden bei kurzer Spannweite, Balkonfüllungen |
| 10 mm und mehr | Tischplatten, große freistehende Flächen |
Bei großen Scheiben entscheidet oft nicht die Festigkeit, sondern die Durchbiegung. Eine 3-mm-Platte über 1 m Breite wirkt wie eine Folie.
Wo die Vorteile liegen
Acrylglas ist leicht, klar und bruchfester als Glas – es zerbricht in grobe Stücke statt in Splitter. Es vergilbt bei guter Qualität über viele Jahre kaum und ist witterungsbeständig. Man kann es mit normalem Werkzeug sägen, bohren, fräsen und bei Wärme biegen. Farbige, satinierte und spiegelnde Varianten erweitern die Einsatzmöglichkeiten.

Wo die Grenzen sind
Kratzer entstehen schnell, etwa durch trockenes Abwischen mit Staub auf der Scheibe. Lösemittel wie Aceton, Verdünnung, viele Sprühreiniger und sogar Alkohol greifen die Oberfläche an oder lösen Spannungsrisse aus, besonders an Bohrlöchern und Schnittkanten. Und die Wärmeausdehnung wird oft unterschätzt: Eine 2 m lange Platte wächst zwischen Winternacht und Sommersonne um mehrere Millimeter. Wer sie starr verschraubt, bekommt Risse oder Beulen.
Acrylglas oder Polycarbonat
Polycarbonat ist das zweite verbreitete Kunststoffglas, bekannt als Doppelstegplatte am Carport. Es ist deutlich schlagzäher und kaum zu zerbrechen, dafür weicher, kratzempfindlicher und ohne Schutzschicht nicht UV-beständig. Acrylglas ist klarer, härter an der Oberfläche und günstiger. Für Verglasungen, bei denen es auf Klarheit ankommt, nimmt man Acrylglas; wo Hagel, Bälle oder Vandalismus drohen, Polycarbonat.
Schneiden und Bohren
- Schutzfolie draufgelassen. Sie schützt beim Bearbeiten und wird erst am Schluss abgezogen.
- Dünne Platten ritzen und brechen. Bis etwa 4 mm mit einem Ritzmesser mehrmals entlang eines Lineals ziehen und über eine Tischkante brechen.
- Dickere Platten sägen. Kreissäge oder Stichsäge mit feinem Blatt für Kunststoff oder Metall, mittlere Drehzahl, Platte fest auflegen. Zu hohe Drehzahl schmilzt die Kante an.
- Bohren mit Kunststoff- oder Acrylbohrer. Er hat einen stumpferen Anschliff und hakt nicht ein. Normale Metallbohrer reißen die Platte beim Durchstoß gern.
- Bohrlöcher größer machen. Für Schrauben einige Millimeter Luft lassen, damit die Platte sich ausdehnen kann, und keine Senkkopfschrauben verwenden.
Kanten lassen sich schleifen und polieren. Wie das geht, steht bei Plexiglas polieren.
Richtig reinigen
Nur mit lauwarmem Wasser, etwas Spülmittel und einem weichen Tuch. Staub vorher abspülen, nicht trocken wischen. Glasreiniger mit Alkohol oder Ammoniak, Scheuermilch und Mikrofasertücher mit Schmutz darin sind tabu. Leichte Kratzer poliert man mit Kunststoffpolitur heraus.
Kleben und Biegen
Acrylglas lässt sich mit speziellem Acrylglaskleber verbinden, der die Oberflächen anlöst und miteinander verschweißt. Die Fuge wird dadurch nahezu unsichtbar, wenn die Kanten plan geschliffen sind. Extrudiertes XT-Material klebt dabei leichter als gegossenes GS. Normaler Sekundenkleber hält zwar, hinterlässt aber oft einen weißen Schleier. Für Verbindungen mit Holz oder Metall eignen sich transparente Montagekleber, die ausdrücklich für Kunststoffe freigegeben sind.
Biegen funktioniert mit Wärme: Entlang einer Linie auf etwa 150 bis 170 °C erwärmt, wird die Platte weich und lässt sich über eine Kante abkanten. Profis nutzen dafür einen Heizdraht oder Biegestab. Ein Heißluftföhn geht für kleine Teile, erwärmt aber schnell ungleichmäßig – dann entstehen Blasen oder Wellen. Üben Sie an einem Reststück, bevor Sie die gute Platte anfassen.
Häufige Fragen
Was kostet eine Plexiglasplatte?
Kleine Zuschnitte in 3 mm gibt es für wenige Euro, größere Platten und dickere Stärken kosten schnell ein Vielfaches. Maßgeblich sind Fläche, Dicke und GS oder XT.
Kann ich Acrylglas als Küchenrückwand nutzen?
Hinter dem Herd nur mit Abstand zur Wärmequelle, sonst verformt es sich. Vergleiche stehen bei der Küchenrückwand aus Kunststoff.
Ist Plexiglas für draußen geeignet?
Ja. Gutes Acrylglas ist UV-beständig und vergilbt kaum. Die Befestigung muss aber die Ausdehnung zulassen.



