Plexiglas polieren - hier findet man die detaillierte Anleitung!

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Acrylglas – bekannt unter Markennamen wie Plexiglas – hat einen großen Vorteil gegenüber echtem Glas: Kratzer lassen sich herauspolieren. Das Material ist durchgehend homogen, man trägt also einfach so viel ab, bis der Kratzer verschwunden ist.
Das funktioniert gut, wenn man die Reihenfolge einhält und weiß, wo die Grenze liegt.
Erst prüfen: Acryl oder Polycarbonat?
Der Unterschied ist entscheidend, denn nur Acryl lässt sich sauber polieren.
Acrylglas (PMMA) ist härter, spröder, sehr klar und lässt sich schleifen und polieren. Beim Anschneiden mit dem Messer splittert es.
Polycarbonat (PC) ist deutlich schlagzäher und weicher. Es lässt sich kaum auf Hochglanz bringen – beim Polieren wird die Oberfläche eher milchig. Außerdem trägt es häufig eine UV-Schutzschicht, die beim Schleifen zerstört wird.
Wenn Sie es nicht wissen: An einer verdeckten Stelle mit einem Cutter ritzen. Springt eine feine Spanlinie ab, ist es Acryl; rollt sich ein zäher Span, ist es Polycarbonat.
Wann sich das Polieren lohnt
Fahren Sie mit dem Fingernagel quer über den Kratzer.
Bleibt der Nagel nicht hängen, ist der Kratzer flach. Polieren allein reicht.
Bleibt der Nagel hängen, muss vorher geschliffen werden.
Ist der Kratzer tiefer als etwa 0,5 mm oder geht er durch, lohnt der Aufwand meist nicht mehr. Beim Abtragen wird die Platte dünner und es entsteht eine leichte Delle, die man im Streiflicht sieht.
Die Schleifstufen
Der wichtigste Grundsatz: Jede Körnung muss die Kratzer der vorigen vollständig entfernen. Wer eine Stufe überspringt, sieht die gröberen Riefen später im Glanz.
| Körnung | Wofür |
| 400–600 | nur bei tiefen Kratzern |
| 800 | mittlere Kratzer |
| 1000–1200 | Vorbereitung |
| 1500–2000 | Feinschliff |
| 2500–3000 | vor dem Polieren |
Geschliffen wird nass, mit reichlich Wasser und einem Tropfen Spülmittel. Das kühlt, spült den Abrieb weg und verhindert, dass sich Partikel festsetzen und neue Kratzer ziehen.
Arbeiten Sie mit einem Schleifklotz, nicht mit den bloßen Fingern – sonst entstehen Vertiefungen. Und wechseln Sie mit jeder Körnung die Schleifrichtung um 90 Grad. So sehen Sie sofort, wann die Riefen der vorigen Stufe verschwunden sind.
Polieren
Nach dem Feinschliff ist die Fläche gleichmäßig matt. Jetzt kommt die Politur.
Geeignet sind Kunststoffpolituren, Acrylglas-Polierpasten und im Notfall Autolackpolitur ohne Schleifkörper. Zahnpasta funktioniert bei ganz feinen Kratzern, ist aber in der Körnung nicht definiert.
Von Hand mit einem weichen Baumwolltuch in kreisenden Bewegungen, mit gleichmäßigem Druck. Mit der Maschine geht es schneller: niedrige Drehzahl, 1.000 bis 1.500 Umdrehungen, weiches Polierpad, nicht an einer Stelle verweilen.
Der kritische Punkt bei Maschinenarbeit ist die Wärme. Acryl erweicht ab etwa 80 Grad; eine zu heiß gelaufene Stelle wird wellig und ist nicht mehr zu retten. Lieber mehrere kurze Durchgänge.
Zum Schluss mit einer Antistatik-Politur nacharbeiten – Acryl lädt sich elektrostatisch auf und zieht dadurch Staub an.
Die tägliche Reinigung
Die meisten Kratzer entstehen beim Putzen. Drei Regeln verhindern das:
Nie trocken abwischen. Staubpartikel wirken wie Schleifmittel. Immer erst mit viel Wasser abspülen.
Weiches Tuch, viel Wasser, mildes Spülmittel. Keine Mikrofasertücher mit grober Struktur, kein Küchenpapier, keine Scheuerschwämme.
Keine Lösemittel. Alkohol, Aceton, Nitroverdünnung, Fensterreiniger mit Ammoniak und Bremsenreiniger führen bei Acryl zur Spannungsrissbildung: feine Haarrisse, die nach Tagen auftreten und irreversibel sind. Das ist der häufigste Totalschaden an Acrylglas.
Speziell für Kunststoff ausgewiesene Reiniger sind sicher.
Wo Polieren nichts nützt
Vergilbte Platten. Die Verfärbung sitzt im Material, nicht an der Oberfläche.
Spannungsrisse. Sie gehen in die Tiefe.
Beschichtete Platten mit Kratzschutz- oder UV-Schicht. Schleifen entfernt die Schicht, und danach altert das Material schneller.
Sehr große Flächen. Rechnen Sie mit einer bis zwei Stunden je Quadratmeter bei vollständigem Aufbau. Eine neue Platte kostet je nach Stärke oft weniger als der Aufwand.
Kleben statt polieren
Bei Rissen in Acrylglas ist Polieren wirkungslos – hier hilft nur Kleben oder Ersetzen.
Für Acryl gibt es Acrifix und vergleichbare Spezialkleber, die das Material anlösen und verschweißen. Die Verbindung ist bei sauberer Arbeit fast unsichtbar und so fest wie das Material selbst.
Sekundenkleber ist die falsche Wahl: Er verursacht auf Acryl weißliche Schleier und kann Spannungsrisse auslösen.
Der wirksamste Schutz
Die meisten Kratzer entstehen nicht im Gebrauch, sondern beim Reinigen und beim Transport.
Lassen Sie die Schutzfolie so lange wie möglich auf der Platte – bis zum letzten Arbeitsschritt. Legen Sie Platten beim Transport nicht aufeinander, ohne Zwischenlage.
Und verwenden Sie für die Pflege eine Antistatik-Politur für Kunststoff. Acryl lädt sich elektrostatisch auf und zieht Staub an – genau den Staub, der beim nächsten Wischen die Kratzer verursacht.
Wann die neue Platte billiger ist
Rechnen Sie mit ein bis zwei Stunden Arbeit je Quadratmeter, wenn vom groben Schliff bis zur Politur alle Stufen nötig sind.
Eine neue Acrylplatte kostet je nach Stärke 30 bis 80 Euro pro Quadratmeter. Bei großflächigen oder tiefen Kratzern ist der Austausch häufig die vernünftigere Entscheidung – Polieren lohnt sich vor allem bei Einzelstücken, Sondermaßen und bei allem, was sich nicht ersetzen lässt.



