Leimholzbalken

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Ein Leimholzbalken besteht aus mehreren getrockneten Holzlamellen, die faserparallel miteinander verleimt sind. Fachlich heißt er Brettschichtholz, kurz BSH. Er ist formstabiler, rissärmer und tragfähiger als ein gleich großer Balken aus Vollholz und in Längen erhältlich, die kein Baum hergibt. Wer einen Carport, eine Pergola oder einen sichtbaren Dachbalken plant, bekommt mit BSH ein Bauteil, das sich kaum verzieht.
Aufbau und Herstellung
Für Brettschichtholz werden Bretter auf eine Holzfeuchte von etwa 12 % getrocknet, sortiert und Fehlstellen wie große Äste herausgeschnitten. Die Stücke werden über Keilzinken zu Endloslamellen verbunden, gehobelt, mit Klebstoff beschichtet und zu einem Paket von mindestens drei Lamellen verpresst. Nach dem Aushärten wird der Balken auf Maß gehobelt und gefast.
Die Norm für Brettschichtholz ist die DIN EN 14080. Als Holzarten werden überwiegend Fichte und Tanne verwendet, daneben Kiefer, Lärche und Douglasie für den Außenbereich.
Die Klebstoffe
Für tragende Bauteile sind nur zugelassene Klebstoffe erlaubt. Verwendet werden vor allem Melamin-Harnstoff-Formaldehyd-Harze mit heller Fuge und Polyurethan-Klebstoffe, die formaldehydfrei sind. Ältere Balken erkennt man teils an dunklen Leimfugen aus Resorcinharz. Die Klebstoffe sind wasser- und witterungsbeständig; die Emissionen fertiger Balken sind gering und für Innenräume unbedenklich.
Leimholz ist nicht gleich Leimholz
| Produkt | Aufbau | Einsatz |
| Brettschichtholz (BSH) | mindestens 3 Lamellen übereinander, tragend | Dach, Decken, Carport, große Spannweiten |
| Duo- und Triobalken | 2 oder 3 dicke Lamellen | Dachstuhl, sichtbare Balken |
| Konstruktionsvollholz (KVH) | Vollholz, keilgezinkt in der Länge, nicht geschichtet | Holzrahmenbau, Unterkonstruktionen |
| Leimholzplatte | Lamellen nebeneinander verleimt | Möbel, Regale, Arbeitsplatten |
Im Baumarkt heißen auch Leimholzplatten und schmale Leisten gelegentlich „Leimholzbalken“. Für Möbel ist das ideal, für tragende Konstruktionen nicht. Ein tragender Balken muss als Bauprodukt gekennzeichnet sein, mit Festigkeitsklasse.
Festigkeitsklassen
Brettschichtholz wird in Festigkeitsklassen eingeteilt, üblich sind GL24h, GL28h und GL30h. Die Zahl steht für die Biegefestigkeit in N/mm², das „h“ für homogenen Aufbau mit gleichen Lamellen. Für Carport und Pergola reicht meist GL24h. Welcher Querschnitt nötig ist, ergibt sich aus Spannweite, Last und Schneelastzone – bei tragenden Bauteilen eines Gebäudes ist eine statische Berechnung nötig, und viele Bundesländer verlangen für Carports ab einer bestimmten Größe einen Bauantrag.

Wo Leimholzbalken eingesetzt werden
- Dachkonstruktionen: Pfetten, Sparren, Firstbalken, besonders dort, wo die Balken sichtbar bleiben.
- Carports und Terrassenüberdachungen: lange, gerade Träger ohne Mittelstütze.
- Hallen und Sporthallen: große Spannweiten, auch gebogene Träger.
- Innenausbau: sichtbare Deckenbalken, Treppenwangen, Unterzüge.
- Garten: Pergolen, Gartenhäuser, Spielgeräte, mit konstruktivem Holzschutz.
Vorteile gegenüber Vollholz
- Formstabil. Die Lamellen sperren sich gegenseitig, der Balken verdreht und krümmt sich kaum.
- Rissarm. Durch die Trocknung vor dem Verkleben entstehen weit weniger Schwundrisse.
- Tragfähiger. Fehlstellen werden aussortiert, das Material ist gleichmäßiger.
- Große Längen und Querschnitte, auch gebogene Formen.
- Saubere Oberfläche, gehobelt und gefast, direkt sichtbar einsetzbar.
Die Nachteile
- Preis. BSH ist deutlich teurer als Vollholz oder KVH.
- Leimfugen sichtbar. Wer rustikales Aussehen will, ist mit Vollholz besser bedient.
- Außen empfindlicher, als man denkt. Stehendes Wasser auf der Oberseite und an Stirnflächen führt zu Rissen an den Klebefugen und zu Fäulnis.
Einsatz im Freien
Brettschichtholz aus Fichte ist nicht wetterfest. Im Außenbereich braucht es konstruktiven Holzschutz: Abdeckungen aus Blech auf der Oberseite, Dachüberstand, Pfostenträger mit Abstand zum Boden, abgeschrägte Stirnseiten. Ein Anstrich mit Lasur ergänzt das. Für stark bewitterte Bauteile sind Lärche oder Douglasie besser geeignet. Zum Vergleich der Holzarten siehe Lärchenbretter.
Bearbeitung
Leimholzbalken lassen sich wie Vollholz sägen, bohren, fräsen und schrauben. Verbindungen werden meist mit Stahlverbindern, Balkenschuhen oder Stabdübeln hergestellt. Beim Kürzen mit einer Handkreissäge mit Führungsschiene arbeiten, bei großen Querschnitten von zwei Seiten schneiden. Stirnseiten nach dem Kürzen sofort lasieren oder mit Hirnholzschutz versehen.
Worauf Sie beim Kauf achten
Kennzeichnung. Tragendes Brettschichtholz trägt eine CE-Kennzeichnung mit Festigkeitsklasse, Holzart und Hersteller. Fehlt sie, ist es kein Bauprodukt für tragende Zwecke, egal wie der Balken aussieht.
Sichtqualität oder Industriequalität. Für sichtbare Balken im Wohnraum gibt es Sichtqualität mit ausgesuchten Lamellen, wenigen Ästen und sauber gehobelter Oberfläche. Industriequalität ist günstiger und für verdeckte Konstruktionen gedacht, etwa hinter Verkleidungen.
Maße und Längen. Übliche Querschnitte reichen von etwa 6 × 12 cm bis weit über 20 × 40 cm, Lagerlängen liegen oft bei 6 bis 13 m. Größere Längen werden auf Bestellung gefertigt und per Spedition geliefert – bei der Planung an Zufahrt und Abladestelle denken.
Lagerung. Bis zum Einbau trocken, flach und auf Kanthölzern lagern, abgedeckt, aber belüftet. Ein Balken, der wochenlang in der Pfütze liegt, verliert genau die Formstabilität, für die man ihn gekauft hat.
Häufige Fragen
Was kosten Leimholzbalken?
Kleine Querschnitte in Fichte gibt es ab etwa 15 bis 20 Euro je laufendem Meter, große Querschnitte, Sichtqualität oder Lärche kosten entsprechend mehr.
Sind Leimholzbalken feuchtigkeitsbeständig?
Die Klebung ja, das Holz nicht mehr als Vollholz derselben Art. Draußen hilft nur konstruktiver Schutz.
Kann ich Leimholzbalken selbst herstellen?
Für Möbel und nicht tragende Teile ja, mit wasserfestem Holzleim der Klasse D3 oder D4 nach DIN EN 204. Wie man sauber verleimt, steht unter Holz leimen. Tragende Bauteile müssen gekennzeichnete Industrieware sein.


