Holzfaserdämmplatte

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Holzfaserdämmplatten bestehen aus zerfaserten Holzresten, meist Nadelholz aus Sägewerken, die zu Platten oder Matten gepresst werden. Sie dämmen im Winter ähnlich gut wie viele Mineralwollen und haben im Sommer einen deutlichen Vorteil: Sie speichern Wärme und verzögern, dass die Mittagshitze durchs Dach ins Schlafzimmer kommt. Dafür sind sie teurer und schwerer.
Die Eigenschaften in Zahlen
| Wärmeleitfähigkeit | etwa 0,038 bis 0,050 W/(m·K), je nach Dichte. Kleiner ist besser. |
| Rohdichte | rund 50 kg/m³ bei flexiblen Matten bis über 200 kg/m³ bei druckfesten Unterdeckplatten. |
| Wärmespeicherkapazität | etwa 2100 J/(kg·K), deutlich mehr als Mineralwolle oder Polystyrol. |
| Diffusion | sehr diffusionsoffen, nimmt Feuchte auf und gibt sie wieder ab. |
| Brandverhalten | normal entflammbar, in der Regel Klasse E. |
Der Wärmeschutz im Winter hängt vor allem an der Wärmeleitfähigkeit, und da liegt Holzfaser im Mittelfeld. Der Unterschied macht sich im Sommer bemerkbar: Die hohe Dichte und Speicherkapazität bremsen die Hitze, die Temperaturspitze erreicht den Innenraum Stunden später und abgeschwächt.
Wie die Platten hergestellt werden
Im Nassverfahren werden die Fasern mit Wasser zu einem Brei vermengt, gepresst und getrocknet. Das holzeigene Lignin hält die Fasern zusammen. So entstehen vor allem dünnere Platten, die für dicke Aufbauten verklebt werden.
Im Trockenverfahren werden die getrockneten Fasern mit einem Kunstharz-Bindemittel, meist auf Polyurethanbasis, versetzt und in einem Durchgang zu dicken Platten gepresst. Das spart Energie. Für Platten, die im Dach der Witterung ausgesetzt sind, wird Paraffin zugesetzt, das die Oberfläche wasserabweisend macht.
Die Plattentypen
- Flexible Matten für die Dämmung zwischen Sparren oder Ständern, werden mit Übermaß eingeklemmt.
- Unterdeckplatten, druckfest und hydrophobiert, liegen auf den Sparren und übernehmen zeitweise die Funktion des Unterdachs.
- Putzträgerplatten für Fassaden-Wärmedämmverbundsysteme, direkt verputzbar.
- Innendämmplatten, kapillaraktiv, für Außenwände, die sich außen nicht dämmen lassen.
- Trittschallplatten in wenigen Millimetern Dicke unter Laminat und Parkett.
- Druckfeste Bodenplatten unter Trockenestrich.
Wo sie ihre Stärken ausspielen
Am meisten bringt Holzfaser im Dach, besonders im ausgebauten Dachgeschoss mit Aufsparrendämmung oder einer Kombination aus Zwischensparrendämmung und Unterdeckplatte. Genau dort wird es im Sommer unerträglich heiß, und genau dort hilft die Speichermasse.
An der Fassade ist sie eine ökologische Alternative zu Polystyrol, siehe ökologische Dämmstoffe für die Fassade. Innen eignet sie sich für Innendämmung im Altbau, wenn der Wandaufbau fachgerecht geplant wird; mehr dazu unter Dämmplatten innen gegen Schimmel.

Grenzen des Materials
- Preis: meist teurer als Mineralwolle oder Polystyrol bei gleicher Dämmwirkung.
- Gewicht: druckfeste Platten sind schwer, das Tragwerk muss es aufnehmen.
- Dicke: Für denselben Wärmeschutz braucht es etwas mehr Material als bei Hochleistungsdämmstoffen.
- Dauernässe: Holzfaser verträgt kurzfristige Feuchte, aber keine stehende Nässe. Die Konstruktion muss austrocknen können.
- Brandschutz: an Gebäuden, bei denen nichtbrennbare Dämmung gefordert ist, nicht zulässig.
Verarbeitung
- Zuschnitt: Dünne Platten mit dem Dämmstoffmesser, dicke Platten und Matten mit Handkreissäge oder Dämmstoffsäge. Flexible Matten mit etwa 1 cm Übermaß schneiden, damit sie klemmen.
- Staubschutz: Beim Sägen entsteht feiner Holzstaub. Absaugung und Atemschutzmaske FFP2 sind Pflicht.
- Fugen dicht: Platten stramm stoßen, Nut und Feder sauber ineinander schieben. Fugen sind Wärmebrücken.
- Luftdichtheit: Die Holzfaser ist diffusionsoffen, ersetzt aber nicht die luftdichte Ebene auf der Raumseite. Die entsteht durch Folie, Bahn oder Putz.
- Witterungsschutz: Unterdeckplatten dürfen nur so lange frei bewittert werden, wie der Hersteller angibt. Danach muss die Eindeckung drauf.
Was es kostet
Die Preise reichen weit, weil Dicke und Typ so unterschiedlich sind. Dünne Trittschallplatten kosten wenige Euro je Quadratmeter. Flexible Matten für 12 bis 16 cm Zwischensparrendämmung und druckfeste Dach- oder Fassadenplatten liegen je Quadratmeter deutlich höher, oft im Bereich von 20 bis 60 Euro. Vergleichen Sie immer bei gleichem Dämmwert, nicht bei gleicher Dicke.
Holzfaser und Feuchte
Die Fähigkeit, Feuchte aufzunehmen und wieder abzugeben, ist ein Pluspunkt – aber kein Freibrief. Eine Dampfbremse oder feuchtevariable Bahn auf der warmen Seite der Konstruktion ist im Dach und bei Innendämmung trotzdem nötig, nach Berechnung oder Herstellervorgabe. Holzfaser verzeiht kleine Fehler besser als dichte Dämmstoffe, aber sie heilt keine undichte Dampfbremse.
Häufige Fragen
Kann ich Holzfaserdämmplatten selbst verarbeiten?
Im Innenausbau, unter Böden oder als Zwischensparrendämmung ja, wenn Sie sorgfältig arbeiten. Dach- und Fassadendämmung mit Unterdeckplatten oder Putzsystemen gehört wegen Abdichtung, Befestigung und Gewährleistung in die Hand eines Fachbetriebs.
Ist Holzfaser anfällig für Schädlinge?
Die Platten bieten Nagern und Insekten wenig Nahrung, sofern sie trocken bleiben. Wie bei jedem Dämmstoff gilt: Einschlupflöcher verschließen.
Eignet sich Holzfaser für den Dachboden?
Ja, als begehbare oder nicht begehbare Dämmung der obersten Geschossdecke. Alternativen und Aufbauten stehen unter Dämmstoff für den Dachboden.

