Dämmtapete

Inhalt10 Abschnitte
Eine Dämmtapete ist eine dünne Bahn aus Polystyrol- oder Polyethylenschaum, meist 4 bis 10 mm stark, die wie eine Tapete an die Wand geklebt wird. Sie verspricht eine wärmere Wand und weniger Schimmel. Beides kann sie leisten – aber nur in engen Grenzen und nur, wenn die Raumfeuchte stimmt. Sonst sitzt der Schimmel danach hinter der Tapete.
Was sie leisten kann
Die Dämmwirkung einer wenige Millimeter dicken Schicht ist gering. Ein Rechenbeispiel: 5 mm Polystyrol mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,040 W/(m·K) ergeben einen Wärmedurchlasswiderstand von 0,125 m²K/W. Eine übliche Außenwanddämmung von 12 cm bringt das Zwanzigfache. Den Energieverbrauch des Hauses senkt eine Dämmtapete deshalb kaum.
Was sie spürbar ändert, ist die Oberfläche. Die Wand fühlt sich wärmer an, weil die Tapete die Wärme nicht so schnell ins kalte Mauerwerk ableitet. Ein Raum, der nur zeitweise beheizt wird, etwa ein Gästezimmer, wird schneller warm, weil nicht erst die Wand mitgeheizt werden muss. Und die Oberflächentemperatur steigt leicht an, was an grenzwertigen Stellen Tauwasser vermeiden kann.
Die Schimmelfalle
Genau hier liegt das Risiko. Polystyrol und PE-Schaum lassen kaum Wasserdampf durch. Wenn feuchte Raumluft hinter die Tapete gelangt, etwa über Stöße oder Ränder, trifft sie dort auf die kalte Wand und kondensiert. Diese Feuchtigkeit kann nicht mehr abtrocknen. Das Ergebnis ist Schimmel zwischen Wand und Tapete, den man erst bemerkt, wenn er durch die Oberfläche kommt.
Dafür
| Dagegen
|
Wann sie sinnvoll ist
Dämmtapete ist eine Option für trockene, gut gelüftete Räume mit einer kalten Außenwand, an der es noch keinen Schimmel gibt. Typisch ist das Wohn- oder Arbeitszimmer in einem Altbau, in dem sich die Wand unangenehm kalt anfühlt. Voraussetzung ist, dass die relative Luftfeuchte im Raum im Winter dauerhaft unter etwa 60 Prozent bleibt. Ein Hygrometer für wenige Euro gibt darüber Auskunft.
Nicht geeignet ist sie in Bad, Küche und Schlafzimmern mit hoher Feuchte, an Wänden mit bestehendem Schimmel und an Wänden, die von außen feucht werden. Wer tatsächlich ein Schimmelproblem an der Außenwand lösen will, greift zu kapillaraktiven Systemen, wie unter Dämmplatten innen gegen Schimmel beschrieben.
Welche Ausführungen es gibt
- Polystyrol-Dämmtapete in Rollen, meist mit einer dünnen Papierkaschierung. Sie wird nach dem Kleben überstrichen oder übertapeziert.
- Raufaserkaschierte Dämmtapete hat die Raufaser bereits aufgebracht und wird nur noch gestrichen.
- PE-Schaum-Tapete ist etwas elastischer und stoßunempfindlicher.
- Dünne Dämmplatten aus Polystyrol für Decken, oft mit Stuckmuster, sind ein verwandtes Produkt mit denselben Grenzen.
Anbringen Schritt für Schritt
- Wand vorbereiten. Alte Tapeten entfernen, siehe Tapeten ablösen. Die Wand muss trocken, fest und sauber sein.
- Grundieren, wenn der Untergrund stark saugt oder sandet.
- Kleber auf die Wand auftragen, nicht auf die Tapete. Verwenden Sie den vom Hersteller empfohlenen Dispersionskleber für Dämmtapeten; normaler Tapetenkleister hält die Bahnen nicht.
- Bahnen ansetzen und mit einer Gummiwalze oder einem weichen Spachtel andrücken, ohne den Schaum einzudrücken.
- Stöße dicht stoßen, nicht überlappen. Offene Fugen sind genau die Stellen, an denen feuchte Luft dahinter kommt.
- Ränder sauber abschließen, auch an Decke, Boden und Fenstern.
- Trocknen lassen, dann mit Vliestapete, Glattvlies oder Farbe weiterarbeiten.
Das Schneiden gelingt mit einem scharfen Cuttermesser und einer Metallschiene. Stumpfe Klingen reißen den Schaum auf.
Der richtige Oberbelag
Die Deckschicht sollte möglichst diffusionsoffen sein. Eine dünne Vliestapete mit Silikat- oder mineralischer Farbe ist besser als Vinyltapete oder Latexfarbe. Dunkle, dichte Oberflächen verstärken das Problem mit der Feuchtigkeit. Stellen Sie Möbel mit einigen Zentimetern Abstand vor die Wand.
Typische Fehler
- Auf eine feuchte oder schimmelige Wand geklebt. Die Tapete schließt das Problem ein, statt es zu lösen. Die Wand muss vorher trocken und sporenfrei sein.
- Tapetenkleister statt Spezialkleber. Die Bahnen lösen sich an den Rändern, und genau dort zieht feuchte Luft hinter die Tapete.
- Überlappende Stöße. Sie tragen auf, drücken sich später durch und schließen trotzdem nicht dicht.
- Hinter Möbeln verklebt. Ein Schrank direkt an der kalten Wand lässt keine Luft zirkulieren. Die Oberflächentemperatur hinter dem Schrank sinkt, und der Schimmel wächst hinter der Tapete und dem Schrank zugleich.
- Weniger gelüftet. Die wärmere Wand verleitet dazu, das Fenster seltener zu öffnen. Die Raumfeuchte steigt, und die Tapete wird vom Schutz zum Risiko.
Dämmtapete entfernen
Das Entfernen ist mühsam. Die Schaumschicht spaltet sich meist, und eine dünne Lage bleibt am Kleber haften. Diese Reste müssen mit Wasser eingeweicht und mit dem Spachtel abgeschabt werden. Rechnen Sie mit deutlich mehr Aufwand als bei einer normalen Tapete, und im Mietverhältnis mit der Frage, ob der Vermieter den Rückbau verlangt.
Häufige Fragen
Hilft Dämmtapete gegen Kondenswasser?
An leicht kalten Stellen kann sie die Oberflächentemperatur genug anheben. Bei deutlichen Wärmebrücken oder hoher Raumfeuchte reicht das nicht.
Kann ich Dämmtapete an der Decke verwenden?
Ja, das Vorgehen ist gleich. Die Bahnen sind leicht, müssen aber sorgfältig angedrückt werden.
Gibt es eine bessere Alternative?
Für wirksame Innendämmung: Kalziumsilikatplatten oder Mineraldämmplatten. Für einen neuen, glatten Look ohne Dämmanspruch eine einfache Raufaser mit gutem Anstrich.



