Kalziumsilikatplatten

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Kalziumsilikatplatten bestehen aus Kalk, Quarzsand und Zellulosefasern, die unter Dampfdruck zu einem hochporösen, mineralischen Material gehärtet werden. Sie saugen Feuchte auf wie ein Schwamm, sind nicht brennbar und so alkalisch, dass Schimmel darauf nicht wächst. Im Heimwerkerbereich sind meist die leichten Klimaplatten gemeint, die als Innendämmung und gegen Schimmel an kalten Wänden eingesetzt werden. Wie gut das funktioniert und wo die Grenzen liegen, steht ausführlich unter Kalziumsilikatplatten gegen Schimmel; hier geht es um Material, Auswahl und Verarbeitung.
Zwei ganz verschiedene Platten
| Klimaplatte | Brandschutzplatte | |
| Rohdichte | gering, meist um 200–300 kg/m³ | deutlich höher |
| Zweck | Innendämmung, Feuchteregulierung, Schimmelschutz | Brandschutzbekleidungen, Kaminumfeld, Kabelkanäle |
| Oberfläche | weich, leicht zu schneiden | hart, glatt, stabil |
| Dicke | meist 25–100 mm | meist dünner |
Beide sind nicht brennbar, Baustoffklasse A1. Verwechseln sollte man sie trotzdem nicht: Eine Brandschutzplatte hat kaum Dämmwirkung und saugt anders, eine Klimaplatte ist als Brandschutzbekleidung nicht zugelassen.
Wie die Klimaplatte wirkt
Die Poren nehmen große Mengen Wasser auf und verteilen es kapillar in der Platte. Feuchte, die an einer kalten Wand kondensieren würde, wird eingesaugt und später an die Raumluft abgegeben. Die Oberfläche bleibt trocken, und der hohe pH-Wert von über 10 entzieht Schimmel die Lebensgrundlage.
Dazu kommt ein bescheidener Dämmeffekt. Die Wärmeleitfähigkeit liegt je nach Produkt etwa bei 0,05 bis 0,07 W/(m·K), deutlich schlechter als bei Dämmstoffen wie Mineralwolle. Die Platte hebt die Oberflächentemperatur der Wand an, das reicht oft, um Tauwasser zu verhindern, ersetzt aber keine Außendämmung.
Welche Dicke?
Für reine Schimmelsanierung an Wärmebrücken, Fensterlaibungen und Außenecken reichen oft 25 bis 30 mm. Für eine flächige Innendämmung werden 50 mm und mehr verwendet. Laibungsplatten gibt es in 15 mm, weil in der Laibung der Platz fehlt. Bei Innendämmung dickerer Aufbauten sollte die Dicke rechnerisch nachgewiesen werden, damit der Taupunkt nicht an eine ungünstige Stelle wandert.
Wo die Platten sinnvoll sind
- Außenwände mit Schimmel, besonders an Ecken, hinter Schränken und in Laibungen, wo die Wand kalt ist.
- Altbauten und Fachwerk, die außen nicht gedämmt werden können oder dürfen, etwa wegen Denkmalschutz oder Grenzbebauung.
- Kellerräume, die als Hobby- oder Lagerraum genutzt werden und trocken genug sind – nicht aber bei drückendem Wasser oder nassen Wänden.
- Einzelne Wärmebrücken wie Deckenanschlüsse und Rollladenkästen.
Nicht geeignet sind sie als Ersatz für eine Abdichtung, auf Holz oder Gipskarton sowie in Bereichen mit direktem Spritzwasser.
Verarbeitung, Schritt für Schritt
- Ursache klären. Schimmel kommt von Feuchte. Aufsteigende Feuchte, undichte Fassaden oder Leitungsschäden werden zuerst behoben.
- Untergrund vorbereiten. Tapeten, Dispersionsfarbe, lose Putzteile vollständig entfernen. Die Platte braucht vollflächigen Kontakt mit einem mineralischen, kapillar leitenden Untergrund.
- Schimmel entfernen mit geeigneten Mitteln und Schutzausrüstung, befallenen Putz gegebenenfalls abschlagen.
- Unebenheiten ausgleichen. Mehr als wenige Millimeter werden vorher mit Putz egalisiert, denn Hohlräume hinter der Platte sind verboten.
- Grundieren mit der vom Systemhersteller vorgesehenen Silikatgrundierung, auch die Rückseite der Platten.
- Kleber vollflächig auftragen mit dem Zahnspachtel, auf Wand und Platte.
- Platten ansetzen, andrücken, im Verband verlegen. Fugen möglichst knirsch, ohne Kreuzfugen.
- Fugen und Kanten mit Kleber oder Spachtel schließen.
- Oberfläche grundieren und mit diffusionsoffenem Anstrich behandeln.
Zugeschnitten wird mit einem Fuchsschwanz oder einer groben Handsäge, Kanten werden mit einem Schleifbrett nachgearbeitet. Beim Sägen und Schleifen entsteht feiner mineralischer Staub, eine Staubmaske FFP2 gehört dazu.
Die wichtigsten Regeln
Vollflächig verkleben. Punktweise geklebte Platten lassen einen Luftspalt, in dem sich Tauwasser sammelt – genau dort, wo man es nicht sieht.
Nur Systemkomponenten. Kleber, Grundierung und Spachtel des Plattenherstellers sind auf das Material abgestimmt. Gips- oder Zementkleber aus dem Regal können die Kapillarwirkung unterbrechen.
Diffusionsoffen bleiben. Die Platte muss Feuchte abgeben können. Also kein Dispersionsanstrich, keine Vinyltapete, keine Fliesen, keine Schränke dicht an der Wand.
Der richtige Anstrich
Geeignet sind Silikatfarben und Kalkfarben. Kalkfarbe passt besonders gut, weil sie selbst alkalisch und diffusionsoffen ist. Viele Hersteller bieten eigene Systemfarben an. Tapezieren ist nur mit Papiertapeten ohne Kunststoffbeschichtung möglich, wobei jede Schicht die Feuchteabgabe bremst.
Typische Fehler
- Auf Dispersionsfarbe geklebt. Die Platte hält schlecht und kann Feuchte nicht aufnehmen.
- Hohlstellen hinter der Platte.
- Dichter Anstrich darüber.
- Möbel direkt an der Außenwand. Mindestens einige Zentimeter Abstand lassen.
- Ursache ignoriert. Eine nasse Wand bleibt nass, auch hinter der Platte.
Häufige Fragen
Was kosten Kalziumsilikatplatten?
Klimaplatten in 25 bis 30 mm kosten meist etwa 25 bis 50 Euro je Quadratmeter, dickere entsprechend mehr. Hinzu kommen Kleber, Grundierung und Anstrich; Komplettpakete sind oft günstiger als Einzelteile.
Kann ich die Platten selbst anbringen?
An einzelnen Wandflächen und Laibungen ja, wenn der Untergrund vorbereitet ist und das System eingehalten wird. Bei flächiger Innendämmung ganzer Außenwände sollte vorher ein Fachplaner den Aufbau prüfen.
Kalziumsilikat oder Mineraldämmplatte?
Mineraldämmplatten aus Kalziumsilikathydrat dämmen besser, arbeiten aber meist mit einem anderen Feuchtekonzept. Beide sind für Innendämmung geeignet; welche Platte passt, hängt vom Wandaufbau ab. Einen Überblick über Alternativen gibt Dämmplatten innen gegen Schimmel.



