Drehdornpresse

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Eine Drehdornpresse ist eine kleine Handhebelpresse, bei der ein Hebel über ein Zahnrad eine Zahnstange nach unten drückt. Die Kraft reicht, um Lager, Buchsen und Stifte kontrolliert einzupressen oder herauszudrücken. Ihr großer Vorteil gegenüber dem Hammer: Die Kraft wirkt gleichmäßig und genau in der Achse, nichts verkantet, nichts wird verbeult.
Aufbau und Funktion
Die Presse besteht aus einem Gussständer mit einer Führung, in der eine Zahnstange senkrecht läuft. Am unteren Ende der Zahnstange sitzt der Stößel, oben greift ein Ritzel in die Zähne. Der Handhebel dreht das Ritzel und drückt die Zahnstange nach unten. Die Hebelwirkung vervielfacht die Handkraft.
Unter dem Stößel liegt ein Drehtisch mit Schlitzen und Bohrungen verschiedener Größe. Er wird so gedreht, dass das herausgedrückte Teil in die passende Öffnung fällt, während das Werkstück sicher aufliegt.
Der Name kommt vom Dorn, also dem Stift oder Aufnahmewerkzeug, das eingepresst wird, und vom drehbaren Tisch.
Presskraft und Größen
| Presskraft | Meist in Tonnen angegeben, typisch 0,5 bis 3 t. Eine Tonne entspricht rund 10 kN. |
| Werkstückhöhe | Der größte Abstand zwischen Tisch und Stößel. Bei kleinen Pressen um 100 bis 300 mm. |
| Ausladung | Abstand von der Stößelmitte zum Ständer. Sie begrenzt die Werkstückbreite, typisch 100 bis 200 mm. |
| Gewicht | Von wenigen Kilogramm bei Tischgeräten bis etwa 50 kg bei großen Modellen. |
| Ratsche | Einige Modelle haben einen umsetzbaren Hebel, damit man den Hub in mehreren Schritten ausführen kann. |
Zum Vergleich: Eine Präzisionspresse wie die Quantum DDP 3 wird mit 310 mm maximaler Werkstückhöhe und 160 mm Ausladung angegeben. Das reicht für die meisten Werkstattarbeiten an Getriebeteilen, Fahrradnaben und Maschinenelementen.
Wofür man sie braucht
- Kugellager einpressen und auspressen. In Gehäuse, auf Wellen, in Radnaben.
- Buchsen und Gleitlager setzen, zum Beispiel in Hebeln und Gelenken.
- Zylinderstifte, Spannstifte, Passstifte eintreiben und austreiben.
- Nieten schließen, auch Halbhohlniete bei Leder oder Blech mit passendem Werkzeug.
- Nuten räumen. Mit einer Räumnadel lässt sich in eine Bohrung eine Passfedernut ziehen, ohne Fräsmaschine.
- Richten von leicht verbogenen kleinen Wellen oder Blechteilen.
Lager richtig einpressen
- Passung prüfen. Lagersitz und Welle sauber, entgratet, leicht geölt.
- Kraft auf den richtigen Ring. Beim Einpressen in ein Gehäuse nur auf den Außenring drücken, beim Aufpressen auf eine Welle nur auf den Innenring. Wer über die Kugeln drückt, zerstört das Lager, auch wenn man es danach nicht sofort merkt.
- Passendes Druckstück verwenden. Eine Hülse oder ein Stück Rohr mit dem richtigen Durchmesser, oder ein Lager-Einpresswerkzeug-Set.
- Gleichmäßig drücken. Kein Ruck, keine Schläge. Wenn es plötzlich sehr schwer geht, stoppen und prüfen, ob etwas verkantet.
- Tisch richtig drehen. Das Werkstück muss sicher aufliegen, beim Auspressen braucht das Teil eine freie Öffnung darunter.
Bei engen Passungen hilft Temperatur: Das Gehäuse leicht erwärmen oder das Lager im Gefrierfach abkühlen. Dann rutscht es mit wenig Kraft hinein.
Drehdornpresse oder hydraulische Presse
Die Drehdornpresse arbeitet feinfühlig. Man spürt am Hebel, wie das Teil sitzt, und kann sofort nachlassen. Für kleine und mittlere Teile ist das ideal.
Für große Kräfte, etwa Radlager an Pkw-Achsschenkeln oder festgerostete Bolzen, reicht sie nicht. Dort kommt eine hydraulische Werkstattpresse mit 10 bis 20 t zum Einsatz. Die ist größer, schwerer und weniger feinfühlig.
Aufstellen
Eine Drehdornpresse muss fest verschraubt sein, auf einer stabilen Werkbank oder einem eigenen Ständer. Beim Drücken wirkt ein Kippmoment, das eine lose Presse vom Tisch hebeln kann. Der Handhebel braucht Platz nach oben und zur Seite.
Sicherheit
Lager und gehärtete Stifte können unter hoher Last brechen und Splitter werfen. Eine Schutzbrille gehört dazu. Finger haben zwischen Stößel und Werkstück nichts verloren, auch nicht zum Festhalten. Kleine Teile in einer Halterung oder mit einer Zange positionieren. Und: Die Presse nicht über ihre Nennkraft belasten, etwa mit einem verlängerten Hebel. Die Zahnstange oder der Guss können brechen.
Was sie kostet
Kleine Tischpressen mit 0,5 t gibt es ab etwa 50 bis 80 Euro. Modelle mit 1 bis 2 t und größerer Ausladung kosten 100 bis 300 Euro, Präzisionspressen und schwere Ausführungen mehr. Gusseisen und eine spielfreie Führung sind wichtiger als die Tonnenangabe.
Häufige Fragen
Kann man eine Drehdornpresse selbst bauen?
Aus einem alten Bohrständer oder mit einem Wagenheber im Rahmen lassen sich einfache Pressen bauen. Die Präzision und Führung einer echten Drehdornpresse erreicht man damit selten.
Wie viel Kraft brauche ich für Kugellager?
Kleine Lager bis etwa 30 mm Außendurchmesser gehen mit 0,5 bis 1 t problemlos. Größere Lager oder enge Passungen brauchen mehr.
Ersetzt sie einen Schonhammer?
Für Lager und Passungen ja, und sie macht es besser. Für grobe Arbeiten und große Teile bleibt der Schonhammer das schnellere Werkzeug.


