Blindnietzange

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Mit einer Blindnietzange verbinden Sie zwei Bleche oder Bauteile, wenn nur eine Seite zugänglich ist. Der Blindniet wird in ein Bohrloch gesteckt, die Zange zieht an seinem Dorn, bis sich die Hülse auf der Rückseite staucht und der Dorn abreißt. Das geht schnell, hält fest und ist nicht wieder lösbar – wer das braucht, nimmt Schrauben.
Wo Blindnieten eingesetzt werden
Blindnieten finden sich an Dachrinnen und Regenfallrohren, an Blechverkleidungen, Lüftungskanälen, Anhängern, Wohnwagen und Briefkästen. Sie verbinden Aluminium- und Stahlbleche, befestigen Schilder, Scharniere und Winkel an Hohlprofilen und halten Kunststoffteile an Blech.
Der Vorteil gegenüber einer Schraube mit Mutter: Die Rückseite muss nicht erreichbar sein. Gegenüber dem Schweißen: Es entsteht keine Hitze, verzinkte oder lackierte Oberflächen bleiben unversehrt. Für Verbindungen, die man wieder lösen will, gibt es Nietmuttern mit Innengewinde, die mit einer Nietmutternzange gesetzt werden.

Wie ein Blindniet funktioniert
Ein Blindniet besteht aus einer Hülse mit Setzkopf und einem Dorn, der durch die Hülse läuft und am hinteren Ende einen Kopf hat. Die Zange greift den Dorn und zieht ihn heraus. Dabei presst der Dornkopf das hintere Ende der Hülse zusammen und bildet auf der Rückseite einen zweiten Kopf, den Schließkopf. Ist die Verbindung fest, reißt der Dorn an einer Sollbruchstelle ab.
Der abgerissene Dorn fällt in die Zange oder bleibt als kurzes Stück in der Hülse. Im Gebrauch sieht man davon nur den flachen Setzkopf auf der Vorderseite.
Nietgröße und Klemmbereich
| Nietdurchmesser | Bohrer | Typische Verwendung |
| 2,4 mm | 2,5 mm | dünne Bleche, Schilder, Modellbau |
| 3,2 mm | 3,3 mm | Blechverkleidungen, leichte Verbindungen |
| 4,0 mm | 4,1 mm | Dachrinnen, Lüftungskanäle, Allzweck |
| 4,8 mm | 4,9 mm | Anhänger, Wohnwagen, stärkere Bleche |
| 6,4 mm | 6,5 mm | tragende Verbindungen, dicke Bleche |
Das Bohrloch ist etwa 0,1 mm größer als der Nietdurchmesser. Zu eng, und der Niet lässt sich nicht einsetzen. Zu weit, und die Hülse staucht sich im Loch statt dahinter, die Verbindung sitzt locker.
Ebenso wichtig ist der Klemmbereich: die Gesamtdicke der zu verbindenden Teile. Er steht auf der Packung und bestimmt die Länge des Niets. Ist der Niet zu kurz, bildet sich kein richtiger Schließkopf. Ist er zu lang, staucht sich die Hülse unkontrolliert und hält schlechter.
Die Bauarten der Zange
- Handnietzange. Die einfache Zange mit zwei Griffen, gut für Nieten bis 4,8 mm in Aluminium. Bei Stahl und großen Durchmessern wird die Kraft knapp.
- Hebelnietzange. Mit langen Hebeln, die eine deutlich höhere Zugkraft erzeugen. Für 6,4 mm und Edelstahlnieten.
- Nietaufsatz. Wird in den Akkuschrauber gespannt. Praktisch für viele Nieten, siehe Nietaufsatz für Akkuschrauber.
- Akku-Nietgerät. Setzt Nieten auf Knopfdruck. Lohnt sich für Handwerker mit Hunderten Nieten am Tag.
Gute Zangen haben Wechselmundstücke für die verschiedenen Dorndurchmesser, die im Griff oder an der Zange aufbewahrt werden. Das Mundstück muss zum Niet passen, sonst rutscht der Dorn durch oder wird gequetscht. Ausführlich vergleicht der Beitrag Popnietenzange die Modelle.
Das Material der Niete
Blindnieten gibt es aus Aluminium, Stahl, Edelstahl und Kupfer, jeweils mit Dorn aus Stahl oder Edelstahl. Das Nietmaterial sollte zum Werkstoff passen, sonst entsteht Kontaktkorrosion: Ein Aluminiumniet in Edelstahlblech zersetzt sich im Freien in wenigen Jahren. Faustregel: Aluminium zu Aluminium, Edelstahl zu Edelstahl, Kupfer zu Kupfer.
Für Dachrinnen aus Zink und Kupfer gibt es passende Nieten, die mit dem Rinnenmaterial harmonieren. Im Außenbereich lohnen sich Nieten mit Edelstahldorn, weil der im Niet verbleibende Dornrest sonst rostet und Streifen hinterlässt.
Schritt für Schritt nieten
- Teile ausrichten und fixieren, mit Zwingen oder einem Heftniet.
- Bohren. Mit dem passenden Durchmesser durch beide Teile. Am Blech mit einem Metallbohrer und leichtem Druck.
- Entgraten. Ein Grat auf der Rückseite verhindert, dass die Teile flach aufeinanderliegen.
- Niet einsetzen und die Zange mit passendem Mundstück aufsetzen.
- Zange mehrmals betätigen, bis der Dorn abreißt. Die Zange dabei gerade halten und fest auf den Setzkopf drücken.
Niet, Schraube oder Nietmutter
Der Blindniet ist die schnellste Verbindung, aber nicht immer die beste. Er eignet sich für dauerhafte Verbindungen, die vor allem auf Scherung belastet werden, also wenn die Bleche seitlich gegeneinander verschoben werden sollen. Auf Zug, also wenn die Teile auseinandergezogen werden, hält er weniger, weil der Schließkopf nur aus gestauchter Hülse besteht.
Schrauben mit Mutter halten mehr und lassen sich lösen, brauchen aber Zugang zu beiden Seiten. Blechschrauben kommen ohne Mutter aus, lockern sich bei Vibration aber gern. Nietmuttern verbinden das Beste aus beiden Welten: Sie werden wie ein Blindniet von einer Seite gesetzt und bieten danach ein Gewinde, in das man eine Schraube dreht. Für Wartungsklappen, Anbauteile am Anhänger und alles, was wieder ab muss, sind sie die bessere Wahl. Eine Übersicht über andere Verbindungsmittel gibt es unter Schraubenarten.
Typische Fehler
- Zange schräg aufgesetzt. Der Setzkopf liegt dann nicht flach auf, und der Niet sitzt schief.
- Falscher Klemmbereich. Führt zu lockeren oder unsauber gestauchten Nieten.
- Zu großes Loch. Der Niet dreht sich im Loch und hält nicht.
- Niet ausbohren wollen mit großem Bohrer. Zum Entfernen wird der Setzkopf mit einem Bohrer knapp in Nietgröße abgebohrt, nicht das ganze Loch aufgeweitet.
Häufige Fragen
Was kostet eine Blindnietzange?
Einfache Handzangen gibt es ab etwa 10 Euro. Solide Modelle mit Wechselmundstücken kosten 20 bis 40 Euro, Hebelnietzangen 40 bis 80 Euro.
Wie entferne ich einen Blindniet?
Den Dornrest mit einem Körner heraustreiben, dann den Setzkopf mit einem Bohrer in Nietgröße abbohren und den Rest nach hinten durchschlagen.
Kann ich damit auch Holz verbinden?
Grundsätzlich ja, mit großen Setzköpfen oder Unterlegscheiben auf der Rückseite. Für Holz sind Schrauben meist die bessere Lösung.


