Schneidgiraffe
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Eine Schneidgiraffe ist eine Astschere auf einer Teleskopstange, bedient über einen Seilzug oder ein Gestänge. Damit schneiden Sie Äste in drei bis sechs Metern Höhe vom Boden aus. Ihr größter Vorteil ist nicht die Bequemlichkeit, sondern die Sicherheit: Sie ersetzt die Leiter, und Stürze von Leitern gehören zu den häufigsten Gartenunfällen.
Wie sie funktioniert
Am oberen Ende der Stange sitzt ein Scherenkopf mit einem festen und einem beweglichen Messer. Ein Zugseil läuft innen oder außen an der Stange nach unten zu einem Griff. Ziehen Sie daran, schließt die Schere, eine Feder öffnet sie wieder. Bei manchen Modellen ist der Zug über eine Umlenkrolle oder ein Übersetzungsgetriebe verstärkt; das erhöht die Schnittkraft, macht aber den Weg länger.
Außen liegende Seile lassen sich leichter reinigen und bei Bedarf tauschen. Innen liegende verhaken sich nicht im Geäst. Beides hat seine Anhänger.
Die zwei wichtigsten Zahlen
| Reichweite | Meist 3,5 bis 6 m. Die Angabe enthält fast immer die Körpergröße mit ausgestrecktem Arm – die Stange selbst ist entsprechend kürzer. |
| Schnittleistung | Der größte Astdurchmesser, üblich sind bis etwa 32 mm. Bei hartem, trockenem Holz schafft man in der Praxis weniger. |
| Gewicht | Meist 1,5 bis 2,5 kg. Das klingt wenig, am Ende einer 4-m-Stange ist es viel. |
| Kopfwinkel | Bei besseren Modellen ist der Scherenkopf drehbar, teils um bis zu 200 Grad. |
Was über rund 3 cm dick ist, gehört nicht mehr unter die Schere. Dafür gibt es Teleskopsägen oder Säge-Aufsätze, die viele Hersteller für dieselbe Stange anbieten.
Bypass oder Amboss
Bypass-Schneide. Zwei Klingen gleiten aneinander vorbei wie bei einer Haushaltsschere. Der Schnitt ist glatt und quetscht nicht. Das ist die richtige Wahl für lebendes Holz, also für den normalen Obstbaum- und Zierstrauchschnitt.
Amboss-Schneide. Eine Klinge drückt gegen eine flache Auflage. Braucht weniger Kraft, quetscht aber die Rinde am Schnitt. Gut für trockenes Totholz, weniger gut für lebende Äste.
Der hakenförmige Gegenhalter bei Bypass-Köpfen hat einen praktischen Zweck: Er zieht den Ast in die Schneide und verhindert, dass er beim Zuziehen wegrutscht.
Der drehbare Kopf
Ohne Drehkopf schneiden Sie nur Äste, die quer zur Stange wachsen. Alles andere erfordert Verrenkungen. Ein verstellbarer Kopf ist deshalb das wichtigste Komfortmerkmal. Er erlaubt saubere Schnitte kurz vor dem Astring, auch bei steil nach oben wachsenden Trieben. Achten Sie darauf, dass die Rastung fest sitzt und sich unter Zug nicht verstellt.
Stange und Gewicht
Stangen aus Aluminium sind leicht und günstig, biegen sich aber bei voller Länge sichtbar durch. Glasfaser ist steifer, nicht leitend und etwas schwerer. Carbon ist am leichtesten und am teuersten.
Wichtig: Keine Stange ist isolierend genug für die Nähe von Freileitungen. Halten Sie mindestens einige Meter Abstand; Äste in Leitungsnähe schneidet der Netzbetreiber oder eine Fachfirma.
Richtig schneiden
- Standplatz wählen. Fest stehen, nicht direkt unter dem Ast. Fallende Äste und die Schere selbst können herunterkommen.
- Stange so kurz wie möglich einstellen. Jeder Meter weniger macht das Führen deutlich leichter.
- Schnittstelle anpeilen, knapp außerhalb des Astrings, nicht bündig am Stamm und ohne Stummel.
- Ast tief in die Schneide legen. Nahe am Drehpunkt ist die Hebelwirkung am größten.
- Gleichmäßig durchziehen, nicht ruckartig.
- Schutzbrille und Handschuhe tragen. Späne und Rindenstücke fallen senkrecht nach unten ins Gesicht.
Für den richtigen Schnitt am Obstbaum lohnt ein Blick in Apfelbaum schneiden. Wer die dickeren Äste mitnehmen will, findet Hinweise unter hohe Äste absägen.
Wann was erlaubt ist
Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet vom 1. März bis 30. September das starke Zurückschneiden und Roden von Hecken und Gehölzen. Schonende Form- und Pflegeschnitte bleiben erlaubt – der typische Einsatz einer Schneidgiraffe fällt meist darunter. Brütende Vögel im Baum gehen trotzdem vor: Wo ein Nest sitzt, wird nicht geschnitten.
Pflege
Nach dem Einsatz den Scherenkopf von Harz und Pflanzensaft befreien, etwa mit Spiritus, dann dünn ölen. Stumpfe Klingen lassen sich bei vielen Modellen tauschen oder mit einem feinen Schleifstein nachschärfen. Das Seil auf Scheuerstellen prüfen und die Stange zusammengeschoben und trocken lagern.
Alternativen
- Teleskop-Astschere: ohne Seilzug, mit zwei langen Armen. Mehr Kraft, aber weniger Reichweite.
- Teleskop-Baumschere: der Oberbegriff, zu dem die Schneidgiraffe gehört.
- Akku-Hochentaster: kleine Kettensäge auf der Stange, für Äste bis etwa 15 cm. Eine Variante mit Heckenaufsatz zeigt der Einhell-Hochentaster.
Häufige Fragen
Was kostet eine Schneidgiraffe?
Einfache Modelle gibt es ab etwa 30 Euro, solide Geräte mit Drehkopf und Übersetzung bei 50 bis 100 Euro. Systemstangen mit wechselbaren Aufsätzen kosten mit Säge und Schere mehr.
Warum schneidet meine Schere nicht durch?
Meist ist der Ast zu dick, die Klinge stumpf oder das Seil hat sich gelängt. Prüfen Sie auch, ob Harz den Drehpunkt verklebt.
Kann ich damit Hecken schneiden?
Für einzelne hohe Triebe ja, für eine ganze Heckenfläche nein. Dafür ist eine Teleskop-Heckenschere gemacht.