Schutzhelm mit Visier

Inhalt9 Abschnitte
Ein Schutzhelm mit Visier schützt Kopf und Gesicht zugleich: die Helmschale gegen herabfallende Gegenstände und Stöße, das Visier gegen Späne, Splitter und wegschleudernde Teile. Bei Waldarbeiten kommt meist ein Kapselgehörschutz dazu. Welches Visier das richtige ist, hängt von der Arbeit ab – ein Gittervisier, das bei der Motorsäge perfekt ist, schützt beim Trennschleifen nicht vor feinen Funken.
Die Normen
| EN 397 | Industrieschutzhelm. Die Grundnorm für Bau, Forst und Industrie. |
| EN 12492 | Bergsteigerhelm, mit Kinnriemen, der beim Sturz nicht abfällt. Auch bei Höhenarbeiten verbreitet. |
| EN 50365 | Elektrisch isolierender Helm für Arbeiten bis 1000 V Wechselspannung. |
| EN 1731 | Gittervisier aus Metall- oder Kunststoffgewebe, typisch für die Forstarbeit. |
| EN 166 | Klares Visier aus Polycarbonat, schützt auch vor feinen Partikeln und Spritzern. |
Zusätzlich kann ein EN-397-Helm freiwillige Zusatzanforderungen erfüllen, die auf der Schale stehen: sehr niedrige Temperaturen (–20 °C oder –30 °C), hohe Temperaturen (+150 °C), elektrische Isolierung (440 V Wechselspannung), seitliche Verformung (LD) und flüssiges Metall (MM).
Gitter- oder Klarsichtvisier
Gittervisier. Leicht, beschlägt nicht, gute Sicht auch bei Regen. Es hält Sägespäne und Holzstücke ab, lässt aber sehr feine Partikel durch. Standard bei Motorsäge und Freischneider.
Klarsichtvisier aus Polycarbonat. Hält auch feine Splitter, Staub und Flüssigkeitsspritzer ab. Nötig beim Trennschleifen, beim Arbeiten mit dem Winkelschleifer, beim Umgang mit Chemikalien. Nachteile: beschlägt, verkratzt mit der Zeit.
Bei Freischneidern mit Metallmesser und beim Mähen auf steinigem Boden gehört unter das Gittervisier zusätzlich eine Schutzbrille. Steine und Splitter können das Gitter passieren.

Die Kombination für die Waldarbeit
Die klassische Forstkombination besteht aus Helm nach EN 397, Gittervisier nach EN 1731 und Kapselgehörschutz nach EN 352-3, der seitlich am Helm eingeklinkt wird. Motorsägen erreichen Schallpegel um 100 dB(A) und mehr, deutlich über der Schwelle, ab der das Gehör dauerhaft geschädigt wird. Mehr zur Auswahl des Gehörschutzes beim Kapselgehörschutz.
Dazu gehören Schnittschutzhose, Handschuhe und Schnittschutzstiefel. Wer mit der Handkettensäge oder der Astkettensäge arbeitet, braucht dieselbe Kopfausrüstung.
Die Helmschale
Die meisten Helme bestehen aus Thermoplasten wie ABS, Polyethylen oder Polycarbonat. Sie sind leicht und günstig, altern aber durch UV-Licht. Duroplaste und glasfaserverstärkte Schalen sind hitzebeständiger und altern langsamer, sind aber schwerer und teurer.
Im Inneren sitzt eine Innenausstattung mit Kopfband und Tragebändern, die einen Abstand zwischen Schale und Kopf halten. Dieser Abstand nimmt beim Schlag Energie auf. Das Kopfband wird per Drehrad oder Ratsche angepasst, üblich sind Größen von etwa 52 bis 64 cm.
Richtig aufsetzen und einstellen
Stellen Sie das Kopfband so ein, dass der Helm beim Vorbeugen nicht nach vorn kippt, aber auch keinen Druck auf die Stirn ausübt. Die Tragebänder bestimmen, wie tief der Helm sitzt; er sollte waagerecht auf dem Kopf liegen und die Stirn bedecken. Das Visier muss so weit herunterreichen, dass es Kinn und Hals zumindest teilweise abdeckt. Eine Mütze unter dem Helm ist im Winter erlaubt, wenn sie dünn ist und der Helm trotzdem fest sitzt – dicke Wollmützen verändern den Abstand zwischen Schale und Kopf.
Wann der Helm ausgetauscht werden muss
- Nach einem schweren Schlag, auch wenn von außen nichts zu sehen ist.
- Bei Rissen, Verfärbungen oder Kreiden der Oberfläche. Das sind Zeichen für UV-Alterung.
- Nach der Gebrauchsdauer des Herstellers, bei Thermoplasten meist einige Jahre ab Herstelldatum. Das Datum ist in die Schale eingeprägt, oft als kleine Uhr mit Monats- und Jahreszahl.
- Wenn Schale oder Innenausstattung verändert wurden, etwa durch Bohrungen oder Aufkleber mit Lösungsmitteln.
Ein einfacher Drucktest hilft: Drücken Sie die Schale seitlich leicht zusammen. Knackt oder knistert es, ist das Material versprödet.
Worauf es beim Kauf ankommt
- Normen passend zur Arbeit, sichtbar auf Helm und Visier.
- Visier hochklappbar und in der oberen Stellung sicher arretiert.
- Gehörschutz passend zum Helm, nicht jede Kapsel passt in jede Aufnahme.
- Belüftung für warme Tage – aber nicht bei Arbeiten, für die ein elektrisch isolierender Helm nötig ist.
- Kinnriemen bei Arbeiten mit Bücken und über Kopf.
- Ersatzvisiere erhältlich. Visiere verkratzen und müssen getauscht werden können.
Pflege
Helm und Visier mit Wasser und milder Seife reinigen, keine Lösungsmittel. Nicht auf dem Armaturenbrett oder in der Sonne lagern, sondern kühl und dunkel. Das Schweißband regelmäßig wechseln, es ist das Hygieneproblem jedes Helms.
Häufige Fragen
Was kostet ein Schutzhelm mit Visier?
Einfache Forstkombinationen mit Helm, Gittervisier und Gehörschutz gibt es ab etwa 30 Euro, gute Markenkombinationen kosten 50 bis 100 Euro und mehr.
Reicht ein Visier ohne Helm?
Bei Arbeiten ohne Gefahr von oben, etwa am Winkelschleifer in der Werkstatt, reicht ein Visier mit Kopfband. Unter Bäumen und auf Baustellen nicht.
Darf ich auf den Helm Aufkleber kleben?
Nur solche, die der Hersteller freigibt. Klebstoffe mit Lösungsmitteln können die Schale schwächen.
Passt jeder Gehörschutz an jeden Helm?
Nein. Die Befestigung über Adapter ist herstellerspezifisch, meist gibt es Kombinationen aus einer Hand.

