Zimmermannswinkel

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Mit einem Zimmermannswinkel werden rechte Winkel und Gehrungen auf Holz angerissen und geprüft. Unter dem Namen laufen zwei recht unterschiedliche Werkzeuge: der große, flache Stahlwinkel und der dreieckige Anschlagwinkel aus Aluminium. Beide haben ihre Stärken, und wer viel mit Konstruktionsholz arbeitet, hat am Ende meist beide.
Zwei Bauformen, ein Name
Der Flachwinkel ist ein L aus Flachstahl oder Aluminium mit zwei ungleich langen Schenkeln, typischerweise etwa 60 × 40 cm oder 50 × 25 cm. Er hat keinen Anschlag, liegt flach auf dem Holz und dient vor allem dazu, große Flächen und Rahmen zu prüfen oder lange rechtwinklige Linien zu ziehen. Auf beiden Schenkeln ist eine Skala eingeprägt.
Der Dreieckswinkel mit Anschlag ist deutlich kleiner, meist mit Schenkeln um 18 bis 30 cm. Eine Seite trägt eine Anschlagleiste, die an der Holzkante anliegt. So entstehen 90- und 45-Grad-Linien mit einem Handgriff. Eine Gradskala an der Hypotenuse erlaubt beliebige Winkel, eine Reihe von Kerben oder Löchern das Anreißen paralleler Linien.
Wer nur einen Winkel für die Werkstatt sucht, findet beim Anreißwinkel und beim Kombinationswinkel weitere Varianten.
Rechte Winkel anreißen
Beim Dreieckswinkel legen Sie den Anschlag fest an die Kante des Bretts, halten ihn mit dem Daumen und ziehen die Linie an der Schenkelkante. Der Anschlag muss satt anliegen – Sägespäne oder eine gerundete Kante reichen, um den Winkel spürbar zu verfälschen. Bei Bauholz mit Baumkante immer an der geraden, gehobelten oder gesägten Seite anlegen.
Um die Linie rundherum zu führen, reißen Sie auf der Oberseite an, dann an der Kante, dann auf der Unterseite. Treffen sich Anfang und Ende nicht, ist entweder der Winkel ungenau oder das Holz nicht rechtwinklig.
Winkel und Dachneigungen
Die Gradskala am Dreieckswinkel macht ihn zum Werkzeug für den Dachbau. Der Winkel wird mit der Ecke am Drehpunkt angelegt und so weit gedreht, bis die gewünschte Gradzahl an der Holzkante steht. Damit lassen sich Sparrenschnitte, Kopfbänder und schräge Zuschnitte anzeichnen.
Viele Winkel tragen zusätzlich eine Skala für Dachneigungen. Achten Sie beim Kauf darauf, ob sie in Grad oder als Steigungsverhältnis angegeben ist; Winkel aus dem amerikanischen Raum rechnen oft in Zoll-Steigung, was hier wenig hilft.
Parallele Linien und Bohrpunkte
Die Kerben oder Löcher im Schenkel liegen in festen Abständen, meist im Raster von einigen Millimetern. Man steckt den Stift in die gewünschte Kerbe, legt den Anschlag an und zieht den Winkel an der Kante entlang. So entsteht eine Linie in genau diesem Abstand – ein einfacher Ersatz für das Streichmaß. Bei einigen Modellen sind die Löcher so ausgelegt, dass ein Tieflochmarker oder die flache Mine eines Zimmermannsbleistifts hineinpasst.

Als Sägeführung
Ein Dreieckswinkel aus kräftigem Aluminium eignet sich als Anschlag für die Handkreissäge: Anschlag an die Brettkante, Säge mit der Grundplatte an die Schenkelkante, sägen. Das ergibt bei Latten und Brettern bis etwa 20 cm Breite erstaunlich saubere Querschnitte. Die Hand am Winkel gehört dabei weit weg vom Blatt. Mehr zur Säge selbst unter Handkreissäge für den Hausgebrauch.
Genauigkeit prüfen
Ein Winkel, der nicht stimmt, macht jeden Schnitt falsch. Die Prüfung dauert eine Minute:
- Gerade Kante suchen. Eine Plattenkante aus dem Zuschnitt oder ein abgerichtetes Brett.
- Linie ziehen. Anschlag an die Kante, Linie am Schenkel entlang, möglichst fein.
- Winkel umschlagen. Den Winkel wenden, sodass der Anschlag von der anderen Seite anliegt, und an derselben Linie ansetzen.
- Vergleichen. Deckt sich die Schenkelkante mit der Linie, ist der Winkel rechtwinklig. Klafft ein Keil auf, beträgt der Fehler die Hälfte des sichtbaren Spalts.
Billige Kunststoffwinkel und verbogene Stahlwinkel fallen dabei regelmäßig durch. Ein Aluminium-Dreieckswinkel, der einmal heruntergefallen ist, sollte ebenfalls geprüft werden.
Große Winkel: die 3-4-5-Regel
Für Fundamente, Terrassen oder Carports ist auch der größte Zimmermannswinkel zu klein. Dort hilft der Satz des Pythagoras: Ein Dreieck mit den Seiten 3, 4 und 5 hat immer einen rechten Winkel. Messen Sie auf der einen Seite 3 m, auf der anderen 4 m ab und verschieben Sie die zweite Seite, bis die Diagonale genau 5 m misst. Das funktioniert in jedem Vielfachen – 60, 80 und 100 cm für kleine Rahmen, 6, 8 und 10 m für große Flächen.
Material und Ablesbarkeit
| Aluminium | Leicht, rostfrei, bei Dreieckswinkeln Standard. Gefräste Kanten sind genauer als gegossene. |
| Stahl | Formstabil und langlebig, für Flachwinkel üblich. Verzinkt oder lackiert, sonst rostet er auf der Baustelle. |
| Kunststoff | Billig und leicht, verzieht sich aber und nutzt sich an der Kante ab. |
| Skala | Eingeprägt oder gelasert hält sie, aufgedruckt verschwindet sie nach einigen Monaten auf der Baustelle. |
Häufige Fragen
Was kostet ein Zimmermannswinkel?
Einfache Dreieckswinkel aus Aluminium gibt es ab etwa 10 Euro, gute Ausführungen mit gefrästen Kanten kosten 20 bis 40 Euro. Große Flachwinkel aus Stahl liegen meist zwischen 15 und 50 Euro.
Welche Größe ist sinnvoll?
Für Latten, Bretter und Kanthölzer bis 18 cm reicht ein Dreieckswinkel mit etwa 18 cm Schenkellänge. Für breitere Bohlen und Plattenmaterial ist ein 30-cm-Modell oder ein Flachwinkel besser.
Brauche ich ihn in der Werkstatt?
Für Möbelbau und feine Verbindungen ist ein präziser Tischlerwinkel mit dickem Anschlag geeigneter. Der Zimmermannswinkel ist das robuste Werkzeug für Bauholz und Baustelle.


