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Heimwerker-Berater

Tischlerwinkel

Werkzeugvon Christoph4 Min. · 10 Abschnitte
Tischlerwinkel
Inhalt10 Abschnitte
  1. Die Bauformen
  2. Der Multifunktionswinkel
  3. Genauigkeit und Norm
  4. Der Umschlagtest
  5. Material
  6. Die richtige Größe
  7. Richtig anreißen
  8. Zum Prüfen verwenden
  9. Typische Fehler
  10. Häufige Fragen

Ein Tischlerwinkel ist ein Anschlagwinkel: Ein Schenkel liegt an der Kante des Werkstücks an, der andere zeigt exakt 90 Grad dazu. Damit reißen Sie rechtwinklige Linien an und prüfen, ob Kanten, Ecken und Zuschnitte stimmen. Wie nützlich er ist, hängt allein davon ab, ob er wirklich rechtwinklig ist – und das lässt sich in einer Minute prüfen.

Die Bauformen

BauformBesonderheitTypischer Einsatz
Klassischer SchreinerwinkelDicker Anschlag aus Holz oder Alu, dünne StahlzungeAnreißen und Prüfen an Brettern
Anschlagwinkel aus StahlGanz aus Stahl, oft nach DIN 875Metallbau, genaue Prüfarbeiten
KombinationswinkelVerschiebbarer Kopf auf einem Lineal, 90 und 45 GradTiefenmaß, Gehrungen, Mittenfinden
MultifunktionswinkelFlacher Alu-Winkel mit Lochreihen und AnschlagkanteParalleles Anreißen im festen Abstand
ZimmermannswinkelGroßer Flachwinkel mit langen SchenkelnDachstuhl, Treppen, große Maße

Der Multifunktionswinkel

In den letzten Jahren sind flache Aluminiumwinkel mit einer Anschlagleiste an einer Seite verbreitet. Sie haben Lochreihen im Millimeterabstand, durch die man einen Stift steckt und den Winkel entlang der Kante zieht – so entsteht eine Linie in exakt festgelegtem Abstand zur Kante. Dazu kommen Skalen für 45 Grad und manchmal eine Winkelskala. Sie sind praktisch, aber meist nicht so präzise wie ein guter Stahlwinkel. Für das Anreißen durch Bohrungen hilft ein Tieflochmarker.

KLRSTEC Tischlerwinkel im Test
KLRSTEC Tischlerwinkel

Genauigkeit und Norm

Für Metallwinkel legt die DIN 875 Genauigkeitsgrade fest, von 00 für Messräume bis 2 für die Werkstatt. Im Holzbereich ist eine solche Angabe selten. Eine Abweichung von wenigen Zehntelmillimetern auf der Schenkellänge genügt für Möbelbau; bei einem Schrankkorpus mit 2 m Höhe summieren sich aber schon kleine Fehler zu sichtbaren Spalten. Ein Winkel mit einem Zehntel Grad Fehler macht aus einem Schrank ein Parallelogramm.

Der Umschlagtest

So prüfen Sie jeden Winkel ohne Messmittel:

  1. Gerade Kante suchen. Eine abgerichtete Brettkante oder die Fabrikkante einer MDF-Platte.
  2. Anlegen und anreißen. Den Winkel mit dem Anschlag an die Kante legen und eine feine Linie entlang der Zunge ziehen.
  3. Umschlagen. Den Winkel umdrehen, sodass der Anschlag von der anderen Seite an derselben Kante liegt, und die Zunge an die Linie heranschieben.
  4. Vergleichen. Liegt die Zunge exakt auf der Linie, ist der Winkel rechtwinklig. Läuft sie auseinander, zeigt der Spalt den doppelten Fehler.

Machen Sie den Test beim Kauf und nach jedem Sturz. Winkel mit genieteten Anschlägen verziehen sich durch einen Fall leichter als massive.

Material

Stahlzungen sind formstabil und verschleißfest, rosten aber, wenn man sie nicht pflegt. Rostfreier Stahl ist die bessere Wahl. Aluminium ist leicht und rostfrei, aber weicher; die Kanten nutzen sich durch den Stift mit der Zeit ab. Holzanschläge sind klassisch und angenehm, können sich bei Feuchtigkeit aber verziehen. Kunststoffwinkel sind günstig und leicht, für Präzisionsarbeiten aber zu ungenau – mehr dazu unter Kunststoffwinkel.

Die richtige Größe

Kleine Winkel mit 150 mm Zungenlänge passen in jede Schürzentasche und reichen für Leisten und schmale Bretter. Mittlere mit 250 bis 300 mm sind das Arbeitspferd der Werkstatt. Für Platten und Korpusse lohnt sich zusätzlich ein großer Winkel mit 500 mm oder mehr. Wer nur einen kauft, nimmt die Mittelgröße.

Richtig anreißen

Legen Sie den Anschlag fest an die Referenzkante, nicht an irgendeine Kante. Die Referenzkante wird markiert, und alle Maße beziehen sich auf sie. Reißen Sie mit einem spitzen Bleistift oder besser mit einem Anreißmesser an; ein Messerriss ist feiner und gibt der Säge eine Führung. Halten Sie den Stift immer im gleichen Winkel zur Zunge, sonst wandert die Linie. Mehr dazu unter Anreißwinkel.

Zum Prüfen verwenden

Der Tischlerwinkel prüft auch, ob ein Zuschnitt rechtwinklig ist, ob eine Tischkreissäge richtig eingestellt ist oder ob ein Korpus im Winkel verleimt wird. Beim Prüfen gegen das Licht halten: Ein Lichtspalt zwischen Zunge und Werkstück zeigt, wo es nicht stimmt. Bei großen Korpussen sind zusätzlich die Diagonalen zu messen – gleich lange Diagonalen bedeuten ein Rechteck.

Typische Fehler

  • Winkel fallen gelassen und weiterbenutzt. Ohne Umschlagtest merkt man den Fehler erst am fertigen Möbel.
  • An einer unbearbeiteten Kante angelegt. Ist die Kante krumm, ist jede Linie schief.
  • Dicke Bleistiftlinie. Ein Millimeter Strichbreite ist ein Millimeter Unsicherheit.
  • Rost an der Zunge. Macht Kanten ungenau und färbt helle Hölzer.

Häufige Fragen

Brauche ich einen Multifunktionswinkel?

Nicht zwingend. Er ist praktisch für Parallelrisse und Serienarbeiten. Ein klassischer Winkel ist für die meisten Aufgaben präziser und robuster.

Was kostet ein guter Tischlerwinkel?

Einfache Winkel gibt es ab etwa 10 Euro, gute Schreinerwinkel mit Stahlzunge bei 20 bis 50 Euro. Präzisionswinkel nach DIN 875 kosten mehr.

Holz oder Metall?

Für Holzarbeiten sind beide gut. Wer auch Metall bearbeitet, nimmt einen Stahlwinkel, weil Aluminium und Holz sich durch Metallkanten schneller abnutzen.

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