Stichsäge

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Die Stichsäge ist das vielseitigste Sägewerkzeug in der Heimwerkstatt. Ihr schmales Blatt ist nur einseitig eingespannt – deshalb kann sie Kurven schneiden, Ausschnitte mitten in einer Platte beginnen und in Ecken arbeiten, wo eine Kreissäge nicht hinkommt.
Der Preis dafür: Das freie Blattende wandert unter Last. Saubere, rechtwinklige Schnitte über lange Strecken sind die Domäne der Kreissäge, nicht der Stichsäge.
Das Sägeblatt entscheidet über das Ergebnis
Mehr als jede andere Einstellung bestimmt das Blatt, wie der Schnitt aussieht.
| Material | Blatttyp | Zahnung |
| Weichholz, Sperrholz | HCS, grobe Zähne | 3–4 mm Teilung |
| Hartholz, Laminat | HCS oder BIM, fein | 1,5–2,5 mm |
| Beschichtete Platten | Blatt mit Rückwärtszahnung | fein |
| Metall, Blech | BIM oder HSS | unter 1,5 mm |
| Kunststoff, Plexiglas | feine Zahnung, langsam sägen | unter 2 mm |
Faustregel für Metall: Mindestens drei Zähne müssen gleichzeitig im Material greifen. Bei 1 mm Blech heißt das ein sehr feines Blatt – sonst verhakt sich die Säge und bricht Zähne aus.
Der Schaft ist heute fast überall einheitlich: Der T-Schaft (Einnockenschaft) passt in praktisch jede aktuelle Maschine. Ältere Geräte haben teils noch U-Schaft – prüfen Sie das vor dem Blattkauf.
Pendelhub: was er bewirkt
Beim Pendelhub bewegt sich das Blatt nicht nur auf und ab, sondern schwingt zusätzlich vor und zurück. Es drückt beim Aufwärtshub ins Material und hebt beim Abwärtshub ab.
| Stufe | Wirkung | Wofür |
| 0 (aus) | sauberster Schnitt, langsam | Metall, Kunststoff, enge Kurven, sichtbare Kanten |
| 1–2 | Kompromiss | Hartholz, dickere Platten |
| 3 (max) | schnellster Vortrieb, raue Kante | Weichholz, grobe Zuschnitte |
Die häufigste Ursache für ausgefranste Schnitte ist ein zu hoher Pendelhub. Wer eine saubere Kante braucht, stellt auf 0 – und nimmt die längere Sägezeit in Kauf.
Ausrisse vermeiden
Die Stichsäge schneidet im Aufwärtshub. Die Ausrisse entstehen deshalb immer auf der Oberseite des Werkstücks.
- Gute Seite nach unten legen. Bei Möbelplatten mit einer Sichtseite ist das die einfachste Lösung.
- Klebeband auf die Schnittlinie. Malerkrepp stützt die Fasern und verhindert, dass sie hochgerissen werden.
- Spanreißschutz einsetzen. Der Kunststoffeinsatz in der Fußplatte schließt den Spalt um das Blatt.
- Rückwärtsgezahntes Blatt. Es schneidet im Abwärtshub – dann liegt die saubere Kante oben. Es zieht die Säge allerdings nach oben und braucht festen Anpressdruck.
Innenausschnitte sägen
Für ein Loch mitten in der Platte – etwa für eine Spüle – bohren Sie in jede Ecke ein Loch von 10 bis 12 mm. Dort setzen Sie das Blatt ein und sägen von Bohrung zu Bohrung.
Das oft gezeigte „Eintauchen“ mit gekippter Säge funktioniert nur in dünnen Holzwerkstoffen und nur mit kurzem, stabilem Blatt. In Hartholz oder Beschichtung verkantet das Blatt und bricht.
Zubehör, das wirklich etwas bringt
Parallelanschlag. Für Schnitte entlang einer Kante. Er hält den Abstand, solange die Kante gerade ist – bei rauem Holz taugt er wenig.
Kreisschneider. Derselbe Anschlag, um einen Dorn ergänzt: damit werden saubere Kreise möglich, etwa für Lautsprecherausschnitte. Radien ab etwa 70 mm sind damit machbar.
Führungsschiene. Manche Hersteller bieten Adapter für ihre Kreissägenschienen an. Damit schneidet die Stichsäge deutlich gerader – das ist die wirksamste Einzelmaßnahme gegen krumme Schnitte.
Gleitschuh aus Kunststoff. Er schützt empfindliche Oberflächen vor Kratzern durch die Metallfußplatte. Bei lackierten Platten unverzichtbar.
Akku oder Netz?
Eine Netzstichsäge mit 600 bis 750 Watt hat konstante Leistung und wird bei Dauerlast nicht langsamer. Akkugeräte der 18-Volt-Klasse kommen heute nahe heran, solange der Akku voll ist – bei dicken Materialien sinkt die Hubzahl gegen Ende der Ladung spürbar.
Für gelegentliche Zuschnitte auf der Baustelle ist der Akku bequemer. Wer regelmäßig dickes Holz sägt, fährt mit Netzbetrieb ruhiger.
Auf die Hubzahl achten: Regelbar sollte sie sein, denn Metall und Kunststoff verlangen deutlich weniger als Holz. Übliche Bereiche liegen zwischen 800 und 3000 Hüben pro Minute.
Worauf es beim Kauf ankommt
Führung des Blattes. Eine Stützrolle allein hält das Blatt nicht in der Senkrechten. Geräte mit zusätzlicher Blattführung schneiden spürbar rechtwinkliger – das ist der Hauptunterschied zwischen Baumarkt- und Handwerksgerät.
Werkzeugloser Blattwechsel. Bei häufigem Materialwechsel spart das merklich Zeit und Nerven.
Absaugung und Spanblasfunktion. Ohne freie Sicht auf den Anriss sägt niemand genau.
Fußplatte. Eine Platte aus Guss oder starkem Stahl bleibt eben; dünnes Blech verzieht sich mit der Zeit und dann stimmt der Winkel nicht mehr.
Häufige Fragen
Warum ist mein Schnitt nicht rechtwinklig?
Meist wandert das Blatt aus. Ursachen: zu viel Vorschub, ein zu langes oder zu dünnes Blatt für das Material, oder eine Maschine ohne seitliche Blattführung. Bei dickem Holz schneidet die Stichsäge prinzipbedingt selten exakt im Winkel – dafür ist die Kreissäge zuständig.
Welche Schnitttiefe schafft eine Stichsäge?
Die Angabe der Hersteller (meist 60 bis 135 mm in Holz) bezieht sich auf Weichholz mit langem Blatt. Praktisch sauber arbeiten die meisten Geräte bis etwa 40 mm; darüber wandert das Blatt zunehmend.
Kann ich mit der Stichsäge Fliesen schneiden?
Mit einem Hartmetall-Blatt und ohne Pendelhub ja, aber langsam und mit wenig Druck. Für gerade Schnitte ist der Fliesenschneider besser, für Ausschnitte in verlegten Fliesen ist die Stichsäge eine brauchbare Lösung.
Wie eng darf der Radius beim Kurvenschnitt sein?
Das hängt von der Blattbreite ab. Schmale Kurvenblätter mit 4 mm Rückenbreite schaffen Radien um 15 mm. Wer mit einem breiten Blatt zu eng fährt, verkantet es – und meist bricht es dann.


