Zum Inhalt springen
Heimwerker-Berater

Die Kapp- und Gehrungssäge

Werkzeugvon Christoph5 Min. · 9 Abschnitte
Die Kapp- und Gehrungssäge
Inhalt9 Abschnitte
  1. Kappen, Gehrung, Neigung
  2. Mit oder ohne Zugfunktion
  3. Das Sägeblatt
  4. Auswahlkriterien
  5. So sägen Sie sicher
  6. Anwendungen im Haus
  7. Zubehör, das sich lohnt
  8. Genauigkeit prüfen und einstellen
  9. Häufige Fragen

Eine Kapp- und Gehrungssäge ist eine Kreissäge, deren Sägekopf an einem Gelenk von oben auf das Werkstück abgesenkt wird. Der Drehtisch stellt den Gehrungswinkel ein, das Neigen des Kopfes den Schrägschnitt. Damit schneidet sie Leisten, Latten, Kanthölzer und Profile schnell, wiederholgenau und rechtwinklig – das ist ihr einziger Zweck, und den erfüllt sie besser als jede andere Säge.

Kappen, Gehrung, Neigung

Kappen heißt, ein längliches Werkstück quer zur Faser abzulängen. Gehrung nennt man einen Schnitt, bei dem der Tisch gedreht wird, sodass zwei Teile in einer Ecke zusammenstoßen – etwa bei Sockelleisten und Bilderrahmen. Neigung ist ein Schrägschnitt, bei dem der Sägekopf seitlich gekippt wird. Kombiniert man Gehrung und Neigung, entsteht ein Doppelgehrungsschnitt, wie er bei Deckenleisten und Kranzprofilen nötig ist.

Standard ist ein Drehtisch mit etwa minus 45 bis plus 45 Grad und eine Kopfneigung von 0 bis 45 Grad nach einer Seite. Bessere Maschinen neigen in beide Richtungen, was das Umdrehen des Werkstücks erspart. Mehr zur Säge ohne Gehrungsfunktion steht bei der Kappsäge, zur Unterscheidung von Handgeräten bei der Gehrungssäge.

Die Kapp- und Gehrungssäge im Test.
Die Kapp- und Gehrungssäge im Test.

Mit oder ohne Zugfunktion

Bei einer einfachen Kappsäge schwenkt der Kopf nur nach unten. Die Schnittbreite ist dadurch auf das begrenzt, was das Blatt in einer Bewegung erreicht. Bei einer Zugkappsäge gleitet der Kopf zusätzlich auf Schienen vor und zurück. So lassen sich auch breite Bretter und Paneele in einem Schnitt kappen.

BauartTypische SchnittbreiteGeeignet für
Kappsäge 216 mm, ohne Zugetwa 120–130 mmLeisten, Latten, schmale Bretter
Kappsäge 254 mm, ohne Zugetwa 150–160 mmKanthölzer, Terrassendielen
Zugkappsäge 216 mmetwa 270–310 mmBretter, Laminat, Regalböden
Zugkappsäge 254–305 mmüber 300 mmbreite Bretter, Treppenstufen, Holzbau

Die Werte schwanken je nach Hersteller erheblich. Maßgeblich ist das Datenblatt, getrennt nach 90 und 45 Grad. Die Paneelsäge, eine besonders kompakte Zugkappsäge, spart Platz, weil die Schienen nicht nach hinten herausragen.

Das Sägeblatt

Die Säge ist nur so gut wie ihr Blatt. Üblich sind Durchmesser von 216, 254 und 305 mm, die Zähnezahl liegt meist zwischen 40 und 60. Mehr Zähne ergeben sauberere Schnittkanten, weniger Zähne einen schnelleren Schnitt. Für Kappsägen sind Blätter mit negativem Spanwinkel üblich: Die Zähne greifen weniger aggressiv, das Blatt zieht sich nicht in das Werkstück. Für Aluminium- und Kunststoffprofile gibt es eigene Blätter, und Aluminium darf nur geschnitten werden, wenn der Hersteller das ausdrücklich erlaubt. Eine Übersicht bietet der Beitrag Kreissägeblatt.

Auswahlkriterien

  • Leistung: 1200 bis 2000 Watt sind üblich, unter 1000 Watt wird es bei Hartholz zäh.
  • Blattdurchmesser: bestimmt Schnitthöhe und -breite.
  • Schnittlinienanzeige: Laser oder LED-Schattenlinie zeigen, wo das Blatt schneidet. Die Schattenlinie ist genauer, weil sie das Blatt selbst abbildet.
  • Anschläge: hoch genug für aufrecht stehende Sockelleisten, seitlich verschiebbar.
  • Tischverbreiterungen und Längenanschlag für lange Werkstücke und Serien.
  • Gewicht: Stabil heißt schwer. Leichte Maschinen sind mobil, verlieren aber an Genauigkeit.
  • Akku oder Kabel: Akkusägen sind auf der Baustelle praktisch, Kabelgeräte günstiger und ohne Laufzeitgrenze.
Die veröffentlichten Tests schaffen Abhilfe bei der Kaufentscheidung bzgl. der Kapp- und Gehrungssäge.
Die veröffentlichten Tests schaffen Abhilfe bei der Kaufentscheidung bzgl. der Kapp- und Gehrungssäge. | Foto: bogdan.hoda / Depositphotos.com

So sägen Sie sicher

  1. Werkstück fest an den Anschlag drücken oder spannen. Ein Teil, das sich im Schnitt bewegt, wird mitgerissen.
  2. Hände weit weg vom Blatt, mindestens eine Handbreit. Kurze Reststücke nicht festhalten, sondern mit Zwinge sichern oder länger zuschneiden.
  3. Säge erst auf volle Drehzahl kommen lassen, dann absenken.
  4. Zugkappsäge richtig führen: Kopf herausziehen, absenken und zum Anschlag hin durchschieben. Nicht zu sich heranziehen, dann klettert das Blatt auf das Werkstück.
  5. Nach dem Schnitt unten warten, bis das Blatt steht, erst dann anheben. Sonst schleudert es Reststücke weg.
  6. Schutzbrille und Gehörschutz tragen, Absaugung anschließen.

Anwendungen im Haus

Typische Arbeiten sind Sockelleisten, Türverkleidungen, Laminat und Parkett, Terrassendielen, Latten für Zäune und Unterkonstruktionen sowie Bilderrahmen. Beim Laminat lohnt ein Blick auf den Beitrag Laminat schneiden, weil es dort Alternativen gibt. Für lange Plattenschnitte ist die Kappsäge dagegen ungeeignet; dafür nimmt man Tischkreissäge oder Handkreissäge mit Führungsschiene.

Zubehör, das sich lohnt

Eine Kappsäge auf dem Boden ist unbequem und ungenau. Ein Untergestell mit ausziehbaren Auflagen bringt sie auf Arbeitshöhe und stützt lange Werkstücke auf beiden Seiten, sodass sie nicht durchhängen und das Blatt einklemmen. Wer kein Gestell hat, baut sich zwei Auflageböcke in genau der Höhe des Sägetischs. Eine Absaugung über einen Werkstattsauger fängt den Großteil der Späne ein; der mitgelieferte Staubsack schafft das nur zum Teil. Spannvorrichtungen, die das Werkstück senkrecht gegen den Tisch drücken, sind bei kurzen Teilen und bei Gehrungsschnitten ein echter Sicherheitsgewinn. Und ein zweites Sägeblatt mit feinerer Zahnung für Leisten und Laminat spart den Ärger mit ausgerissenen Kanten.

Genauigkeit prüfen und einstellen

Neue Maschinen sind nicht immer exakt justiert. Prüfen Sie den 90-Grad-Schnitt mit einem Winkel und machen Sie einen Probeschnitt an einem breiten Brett: Beide Teile umdrehen und aneinanderlegen – ein Spalt zeigt den doppelten Fehler. Für Gehrungen schneiden Sie vier Teile auf 45 Grad und legen sie zu einem Rahmen. Bleibt ein Spalt, ist der Winkel nicht exakt. Die meisten Sägen lassen sich an Tisch und Kopf nachjustieren.

Häufige Fragen

Was kostet eine Kapp- und Gehrungssäge?

Einfache Geräte gibt es ab etwa 100 Euro. Zugkappsägen der Mittelklasse kosten 250 bis 600 Euro, Profimaschinen und Paneelsägen deutlich mehr.

Kann ich eine Kappsäge ausleihen?

Ja, Baumärkte und Werkzeugverleiher vermieten sie tageweise. Für einen einzelnen Raum mit Sockelleisten ist das oft die günstigste Lösung.

Warum passen meine Gehrungen nicht?

Meistens stehen die Wände nicht genau im rechten Winkel. Messen Sie den Innenwinkel mit einer Schmiege und halbieren Sie ihn, statt stur 45 Grad einzustellen.

Das könnte Sie auch interessieren