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Heimwerker-Berater

Kartuschenpresse/Kartuschenpistole

Werkzeugvon Christoph4 Min. · 9 Abschnitte
Kartuschenpresse/Kartuschenpistole
Inhalt9 Abschnitte
  1. Die Bauarten
  2. Übersetzung und Auspresskraft
  3. Tropfstopp und Druckentlastung
  4. Worauf es beim Kauf ankommt
  5. So wird die Fuge sauber
  6. Silikon, Acryl oder Kleber
  7. Hand, Akku oder Druckluft
  8. Typische Fehler
  9. Häufige Fragen

Eine Kartuschenpresse drückt den Inhalt einer Kartusche – Silikon, Acryl, Montagekleber, Bauschaum-Ersatz – gleichmäßig durch die Düse. Der Unterschied zwischen einer Presse für 3 Euro und einer für 30 Euro zeigt sich nicht bei dünnflüssigem Acryl, sondern bei zähem Kleber in der Kälte und daran, ob die Masse nach dem Loslassen weiterläuft. Für eine saubere Fuge ist das entscheidend.

Die Bauarten

BauartFürEigenschaft
Skelettpistole310-ml-Kartuschenoffener Rahmen aus Stahl, billig, leicht
Halbschalenpistole310-ml-Kartuschenstabiler, Kartusche liegt geführt
Rohrpistole (geschlossen)Schlauchbeutel 400–600 ml und Kartuschenfür Profis, weniger Abfall
Akku-KartuschenpresseKartuschen und Beutelgleichmäßiger Vorschub ohne Handkraft
DruckluftpistoleKartuschen und Beutelfür Serienarbeit mit Kompressor

Die 310-ml-Kartusche ist der europäische Standard. Fast alle Heimwerkerpressen sind dafür gebaut. Schlauchbeutel sind im Profibereich verbreitet, weil sie günstiger sind und weniger Müll erzeugen; sie brauchen eine geschlossene Rohrpistole.

Übersetzung und Auspresskraft

Die Kraft, mit der die Presse auf den Kartuschenboden drückt, hängt von ihrer Übersetzung ab, also davon, wie weit der Abzug bewegt werden muss, um den Kolben ein Stück vorzuschieben. Einfache Pressen haben eine Übersetzung um 10:1 bis 12:1, das reicht für Silikon und Acryl bei Zimmertemperatur. Profipressen erreichen 18:1 bis über 25:1 und damit Auspresskräfte von mehreren tausend Newton. Die braucht man für zähen Montagekleber, Dachkleber und Kartuschen, die bei Kälte verarbeitet werden.

Zur Orientierung: 10 Newton entsprechen ungefähr der Gewichtskraft von einem Kilogramm. Eine Presse mit 3000 N drückt also so stark, als stünden 300 kg auf dem Kolben.

Tropfstopp und Druckentlastung

Nach dem Loslassen steht die Kartusche noch unter Druck, und die Masse quillt weiter aus der Düse. Gute Pressen haben eine automatische Druckentlastung: Der Kolben fährt nach dem Loslassen ein Stück zurück. Bei einfachen Pressen muss man dafür den Entriegelungshebel drücken und die Kolbenstange zurückziehen. Wer das vergisst, hat nach jeder Fuge eine kleine Silikonpfütze auf dem Boden.

Worauf es beim Kauf ankommt

  • Stabiler Rahmen. Dünnes Blech verbiegt sich bei zähen Massen, dann klemmt die Kolbenstange.
  • Übersetzung passend zum Material. Wer nur Silikon und Acryl verarbeitet, kommt mit einer einfachen Presse aus.
  • Ergonomischer Griff mit gummierter Oberfläche; bei vielen Fugen macht das den Unterschied.
  • Drehbare Halterung, damit die Düse in jede Richtung zeigen kann, ohne die Hand zu verdrehen.
  • Kartuschenöffner und Stechdorn im Griff sind praktisch, aber kein Muss.

Eine Übersicht verschiedener Pistolen findet sich unter Silikonpistole und Fugenpistole, Pressen eines einzelnen Herstellers im KLRStec-Praxistest.

So wird die Fuge sauber

  1. Fuge vorbereiten. Alte Reste entfernen, Fugenflanken sauber, trocken und fettfrei. Wie man altes Silikon herausbekommt, steht unter Silikonfugen entfernen.
  2. Hinterfüllen. Tiefe Fugen mit einer Rundschnur füllen, damit die Masse nur an den Flanken haftet.
  3. Düse schräg abschneiden, etwas schmaler als die Fugenbreite.
  4. Kartusche öffnen, einsetzen, Kolben anlegen, einige Hübe bis die Masse austritt.
  5. Gleichmäßig ziehen, die Düse im Winkel von etwa 45 Grad, mit konstantem Druck.
  6. Abglätten mit Fugenglätter oder angefeuchtetem Finger, bevor sich eine Haut bildet.
  7. Druck entlasten nach jeder Fuge.

Silikon, Acryl oder Kleber

Silikon ist dauerelastisch und wasserfest, aber nicht überstreichbar – das Material für Bad, Küche und Sanitär. Acryl ist überstreichbar und für Anschlussfugen im Trockenen gedacht, etwa zwischen Wand und Türzarge. Montagekleber klebt Leisten, Paneele und Bauteile und ist oft sehr zäh. Die Unterschiede im Detail erklärt Acryl oder Silikon. Für Mörtel statt Dichtstoff gibt es eigene Geräte wie die Handmörtelpumpe.

Hand, Akku oder Druckluft

Für den Haushalt reicht eine Handpresse fast immer. Wer allerdings ein Bad komplett neu verfugt, einen Wintergarten abdichtet oder Paneele mit Montagekleber klebt, drückt Dutzende Kartuschen durch – dann wird die Hand müde und die Raupe unregelmäßig. Akkupressen schieben den Kolben mit einstellbarer Geschwindigkeit gleichmäßig vor und entlasten nach dem Loslassen automatisch. Sie sind schwerer als Handpressen, aber die Fugen werden gleichmäßiger, weil die Vorschubgeschwindigkeit nicht mit der Handkraft schwankt. Druckluftpressen sind leicht und schnell, brauchen aber einen Kompressor und einen Schlauch, der bei Arbeiten auf der Leiter stört. Für Gelegenheitsnutzer ist beides überdimensioniert.

Typische Fehler

  • Zu große Düsenöffnung. Die Fuge wird zu dick, und das Abglätten verteilt Material auf die Fliese.
  • Ruckartiges Pumpen. Ergibt eine unregelmäßige Raupe. Lieber gleichmäßig drücken und die Presse langsam führen.
  • Kalte Kartusche. Unter etwa 5 Grad werden viele Massen sehr zäh. Kartuschen vorher im Warmen lagern.
  • Angebrochene Kartusche offen liegen lassen. Die Düse härtet aus. Mit einem Nagel oder einer Verschlusskappe verschließen.

Häufige Fragen

Was kostet eine Kartuschenpresse?

Einfache Skelettpistolen gibt es ab etwa 3 Euro. Gute Handpressen mit hoher Übersetzung und Tropfstopp kosten 15 bis 40 Euro, Akkupressen ab rund 100 Euro.

Passt jede Kartusche in jede Presse?

Die 310-ml-Standardkartusche ja. Größere Kartuschen, Doppelkartuschen für Zweikomponentenmassen und Schlauchbeutel brauchen eigene Pressen.

Wie reinige ich die Presse?

Frische Reste mit einem Tuch abwischen, bei Silikon mit Spiritus, bei Acryl mit Wasser. Ausgehärtete Reste lassen sich mit einem Schaber entfernen. Die Kolbenstange gelegentlich leicht ölen.

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