Lamellofräse

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Mit einer Lamellofräse fräsen Sie halbmondförmige Nuten in zwei Holzteile, in die ein flacher, linsenförmiger Dübel aus gepresstem Buchenholz geleimt wird. Die Verbindung ist schnell, ausreichend fest und verzeiht Ungenauigkeiten in der Länge. Für Korpusmöbel, Rahmen und Plattenverbindungen ist sie eine der effizientesten Methoden überhaupt.
Woher der Name kommt
Die Flachdübelverbindung wurde 1955 von dem Schweizer Tischler Hermann Steiner entwickelt, der dafür die Firma Lamello gründete. Der Markenname hat sich so durchgesetzt wie „Tempo“ für Taschentücher. Die neutrale Bezeichnung lautet Flachdübelfräse, die Verbindungselemente heißen Flachdübel oder Lamellen.
Wie sie funktioniert
In der Maschine dreht sich ein kleines Sägeblatt von meist 100 mm Durchmesser und 4 mm Breite mit rund 10.000 Umdrehungen pro Minute. Es sitzt hinter einer Frontplatte, die man an das Werkstück hält. Drückt man die Maschine nach vorn, taucht das Blatt aus und fräst eine bogenförmige Nut. Beim Loslassen zieht eine Feder es zurück.
Die Nut ist etwas länger als die Lamelle. Dadurch lassen sich die Teile beim Verleimen noch einige Millimeter seitlich verschieben und ausrichten. Das ist der große Vorteil gegenüber Runddübeln, bei denen jedes Loch exakt sitzen muss.

Die Lamellengrößen
| Größe | Maße etwa | Für Holzstärke |
| 0 | 47 × 15 × 4 mm | ab etwa 12 mm |
| 10 | 53 × 19 × 4 mm | ab etwa 15 mm |
| 20 | 56 × 23 × 4 mm | ab etwa 18 mm |
Größe 20 ist der Standard für Möbelbau mit 18- und 19-mm-Platten. Die Frästiefe wird an der Maschine für jede Größe über einen Drehanschlag eingestellt. Die Lamellen bestehen aus gepresstem Buchenholz, das beim Kontakt mit Leim aufquillt und die Nut dadurch fest ausfüllt.
Wofür sie eingesetzt wird
- Korpusverbindungen, bei denen Seiten, Böden und Rückwand zusammenkommen.
- Rahmenecken auf Gehrung, etwa bei Bilderrahmen oder Türrahmen.
- Plattenverbreiterung, also Leimholzplatten aus mehreren Brettern. Die Lamellen richten die Bretter bündig aus.
- Anleimer an Plattenkanten.
- T-Verbindungen, etwa ein Zwischenboden mitten in einer Seitenwand.
Mit Spezialfräsern und Zubehör lassen sich außerdem Nuten für lösbare Beschläge und Schattenfugen fräsen.
Worauf es beim Kauf ankommt
Frontplatte und Anschlag. Der Winkelanschlag muss sich stufenlos von 0 bis 90 Grad verstellen und fest klemmen lassen. Eine Höhenverstellung mit Skala erspart Probeschnitte.
Parallele Führung. Die Frontplatte muss exakt parallel zum Blatt stehen. Wackelt sie, sitzen die Nuten versetzt.
Absaugung. Ein Staubsack fängt nur einen Teil auf, ein Anschluss an den Sauger ist deutlich sauberer.
Leistung. Zwischen 600 und 900 Watt ist üblich, mehr braucht man nicht.
Einsteigergeräte wie die Einhell TC-BJ 900 sind für gelegentliche Möbel ausreichend. Profigeräte arbeiten spielfreier und halten Maß über Jahre.
So wird verbunden
- Teile auslegen und die Position der Lamellen mit Bleistift quer über die Fuge markieren. Abstand etwa 10 bis 20 cm.
- Tiefe einstellen passend zur Lamellengröße.
- Höhe einstellen, meist mittig in der Plattenstärke.
- Fräsen. Maschine flach auflegen oder an den Anschlag setzen, Markierung an der Mittellinie der Frontplatte ausrichten, eintauchen.
- Leim in die Nuten geben, nicht nur auf die Lamelle. Lamelle einsetzen, zweites Teil aufstecken, verpressen, etwa mit Korpuszwingen.
Grenzen der Verbindung
Eine Flachdübelverbindung hält gut auf Scherung, also gegen seitliches Verschieben. Gegen Zug und Hebelkräfte ist sie schwächer als Zapfen, Dominos oder Schwalben. Für einen Tisch, dessen Beine starke Hebelkräfte aufnehmen, ist sie deshalb nicht die erste Wahl. Hier lohnen sich eine Dominofräse oder ein Doppeldübler wie der Mafell DuoDübler.
Typische Fehler
- Zu wenig Leim. Die Lamelle quillt nicht und sitzt lose.
- Zu viel Wartezeit. Die Lamelle quillt schon im Leim auf und lässt sich nicht mehr einsetzen.
- Frontplatte nicht plan aufgesetzt. Die Nut läuft schräg, die Teile stehen versetzt.
- Lamellen feucht gelagert. Sie quellen vor und passen nicht mehr. Luftdicht aufbewahren.
Lamellen, Runddübel oder Domino
Runddübel sind die günstigste Holzverbindung, verlangen aber exakt gebohrte Löcher in beiden Teilen. Schon ein halber Millimeter Versatz lässt die Teile nicht mehr bündig zusammenkommen. Flachdübel verzeihen seitliche Abweichungen, weil die Nut länger ist als die Lamelle, halten aber etwas weniger. Dominos, also flache Holzzapfen in Langlöchern, verbinden beide Vorteile und sind deutlich fester, die Maschine kostet aber ein Mehrfaches. Für die meisten Heimwerkermöbel aus Plattenwerkstoff ist die Lamelle der beste Kompromiss aus Tempo, Genauigkeit und Kosten. Wer vor allem Massivholz verarbeitet und Stühle oder Tische baut, sollte sich dagegen die festeren Verbindungen ansehen.
Häufige Fragen
Was kostet eine Lamellofräse?
Einsteigergeräte gibt es ab etwa 80 Euro, solide Mittelklasse um 200 bis 400 Euro, Profigeräte des Originalherstellers deutlich darüber.
Gibt es Akkumodelle?
Ja, mehrere Hersteller bieten Akku-Flachdübelfräsen im 18-Volt-System an. Für die Montage auf der Baustelle ist das bequem.
Was ist der Unterschied zur Flachdübelfräse?
Keiner. Lamellofräse ist der umgangssprachliche Name nach dem Hersteller, Flachdübelfräse die neutrale Bezeichnung.



